Gastgewerbe: Mehr Marketing, bitte!

Leckeres Essen und gemütliche Zimmer: Das allein reicht heute nicht mehr, um wettbewerbs- fähig zu bleiben. Drei Experten geben Einblick in die Gastro-Branche.

Flöha/Freiberg.

Um 11,2 Prozent ist der Umsatz im sächsischen Gastgewerbe von 2013 bis 2017 gestiegen. So die gute Nachricht. Die schlechte: Von 2013 zu 2017 haben 2,8 Prozent der Gastronomie- und Hotelbetriebe geschlossen. Vor allem kleine Häuser geben auf.

Zu diesen Ergebnissen kommt die sächsische Gastgewerbestudie 2017, für die insgesamt 304 Betreiber von Hotels, Pensionen, Gasthöfen, Eiscafés, Restaurants und Imbissstuben befragt worden sind. Dabei würden ländliche Regionen eine besondere Herausforderung darstellen: "Die durch kleine Betriebsgrößen geprägten Gasthöfe, Restaurants und Gaststätten verharren seit fast einem Jahrzehnt auf dem gleichen Umsatzniveau und nehmen in der Gesamtzahl stetig weiter ab", sagt Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Im Kammerbezirk der IHK Chemnitz - er reicht von Freiberg bis Plauen, von Annaberg bis Rochlitz - wurden im vergangenen Jahr 90 Gastronomiebetriebe abgemeldet, aber nur 22 neu angemeldet. Bei den Beherbergungsbetrieben wurden 18 geschlossen, 4 eröffnet. Die Gründe sind vielfältig, meint Franziska Luthardt, Geschäftsführerin des Dehoga-Regionalverbandes Chemnitz. Der Verband betreut in Mittelsachsen 150 Betriebe, vom Imbiss bis zum Vier-Sterne-Hotel. Die "Freie Presse" fasst die zentralen Ursachen zusammen.

Demografie: Bei grundlegend weniger Schülern, gehen auch weniger Bewerbungen ein, so Luthardt. Das bestätigen Zahlen der IHK. Wurden 2008 in der Branche noch 782 Ausbildungsverträge abgeschlossen, sind es 2018 nur 343 Verträge. Dazu kommt: Weniger Betriebe bedeuten auch weniger Ausbildungsbetriebe. "Wer zwei, drei Jahre nicht ausgebildet hat, kommt meist nur schwer wieder rein", so Luthardt. Olaf Thomann, Direktor des Waldhotels Kreuztanne in Sayda, bildet aus. "In die Werbung um Fachkräfte und Azubis stecken wir genauso viel Energie wie in die Werbung um Gäste." Messen, Woche der offenen Unternehmen und mehr: Der Hotelier will bei jungen Leuten Interesse wecken. Das sei aufgrund der Arbeitszeiten auch an Wochenenden und nachts nicht einfach, "da heute der Freizeitwert sehr entscheidend ist". Wie er das Werben neben dem Hotelbetrieb stemmt? "Das habe ich mich noch nicht gefragt. Aber wir müssen es stemmen, sonst haben wir keine Azubis."

Image: Bei Ausbildungsmessen beobachtet Franziska Luthardt "ein verqueres Bild vom Gastgewerbe". Deshalb setzt der Verband verstärkt auf Berufsorientierung. Mitarbeiter gehen an Schulen und erläutern verschiedene Berufsbilder. Denn da habe sich viel getan: So könne man mit einer dualen Ausbildung schon nach drei Jahren einen Job in der Region finden und habe gute Chancen, Karriere zu machen. Junge Leute könnten auch schnell Verantwortung übernehmen, indem sie sich um das Unternehmensprofil im Internet kümmern.

Werbung: Genau da hapert es. Digitalisierung und Online-Marketing sind Instrumente, die in Mittelsachsen zu wenig genutzt werden. Laut der Studie spiele Marketing bei den Unternehmen in der Region bislang eine untergeordnete Rolle, 86 Prozent der befragten Gastronomen gaben an, dass es keine Marketing- und Verkaufsstrategie gibt. "Für den unternehmerischen Erfolg sind nicht nur ein leckeres Essen und ein gemütliches Zimmer ausschlaggebend, sondern auch angemessene Preiskalkulation und zielgruppenspezifisches Marketing", sagt Cindy Krause, Referentin für Handel und Dienstleistungen bei der IHK.

Investitionen: 2018 und 2019 investiert Olaf Thomann eine Million Euro in die Modernisierung der 1995 eröffneten Kreuztanne. Unter anderem sind sieben Zimmer barrierefrei umgebaut und neu ausgestattet, 14 weitere folgen. "Wir investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu sichern."


"Für sich selbst werben - dieser Punkt ist ausbaufähig"

Cindy Krause, Referentin für Handel und Dienstleistungen bei der IHK Chemnitz, leitet eine Fortbildungsreihe für Gastronomen und Hoteliers.

Freie Presse: Welche Themen bieten Sie den Unternehmern an?

Cindy Krause: In Freiberg gibt es in dieser Reihe zwei Workshops. Sie konzentrieren sich auf weiche Themen wie Marketing und Verkauf. Der Workshop am 12. November heißt "Marketing fängt mit dem Produkt auf Ihrem Teller an." Dabei geht es um Tipps, wie Betriebe ihre Bekanntheit steigern und mehr Gäste anlocken können - auch im Internet.

Verraten Sie schon ein paar Tipps?

Zum Beispiel spricht der Referent darüber, was aussagekräftige Bilder und Flyer, QR-Codes und Videos als PR-Instrument bewirken können, und wie die Webseite oder der Facebook-Auftritt verbessert werden können.

Ein weiterer Workshop heißt: "Aktiv auf Gästesuche. Warten reicht nicht aus. Engagiertes Verkaufen ob online oder offline." Hapert es dabei noch in Mittelsachsen?

Die Servicequalität ist auf einem hohen Niveau, aber für sich selbst werben - dieser Punkt ist ausbaufähig. Die Befragung von gut 300 Unternehmern zeigt, dass etwa drei Viertel aller Gastronomie- und Hotelbetriebe eine eigene Homepage haben, knapp zwei Drittel auf Facebook und knapp ein Fünftel auf der Foto- und Videoplattform Instagram vertreten sind. Die Studie zeigt aber auch, dass etwa 60 Prozent der Gastronomen nicht auf Gästebewertungen im Internet antworten, in der Hotelerie sind es 49 Prozent. Daran kann man arbeiten.

Was erhoffen Sie sich von den Workshops?

Ein Workshop dauert etwa drei Stunden und kostet 30 Euro. Wir wollen die Teilnahme bewusst einfach machen, damit viele Unternehmer und deren Mitarbeiter die Möglichkeit wahrnehmen, sich auf den neuesten Stand zu bringen. (cor) Anmeldung Für den Workshop am 12. November 2018 gibt es noch freie Plätze . Anmeldung unter 03731 798655600.

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