Geldspritze fürs Traumhaus

Damit den Orten abseits der Städte nicht die Leute davonlaufen, steckt die EU Geld in den ländlichen Raum. So werden Straßen oder Spielplätze erneuert. Bürgern erleichtert die Förderung die Sanierung eines Hauses, für das ihr Herz schlägt.

Oederan.

Seit 1991 pumpt die Europäische Union bereits Geld in den ländlichen Raum. Der Fachbegriff dafür: Leader. Die Bundesländer organisieren, damit das Geld für eine gute Idee auch bei dem ankommt, der sie in die Tat umsetzt. Dabei ist die Förderung in Perioden und Regionen aufgeteilt.

Als unlängst unterstellt wurde, dass eine Fortsetzung des Programms über 2020 - das kalendarische Ende der aktuellen Förderperiode - ungewiss sei, verneinte die Staatsregierung. "Ja, es wird definitiv weitergehen", sagt auch Andrea Pötzscher. Sie ist Regionalmanagerin der Leader-Region Flöha- und Zschopautal. Von diesen Arealen gibt es 6 in Mittelsachsen und 30 in Sachsen. Das Regionalmanagement reicht das Fördergeld aus. "Wir begleiten die Antragsteller vom Erstkontakt bis zum Entscheidungsgremium und darüber hinaus", so Pötzscher. Denn das positive, vier Monate gültige Votum ihres Vereins ist nicht alles: Erst wenn der Antrag auf Bewilligung fristgerecht beim Landratsamt vorliegt, kann mit der Förderung gerechnet werden.

Von einer solchen in Höhe von 30Prozent hat Robert Siegemund profitiert. Er erhielt Leader-Geld für die Sanierung eines denkmalgeschützten Hauses in Kleinhartmannsdorf. "Ohne die Förderung hätten wir deutlich mehr Kompromisse während der Sanierung eingehen müssen, sodass wir dankbar dafür sind und so eine Gelegenheit jederzeit wieder in Anspruch nehmen würden", sagt er. "Allerdings würden wir uns zweimal überlegen, ob wir erneut so ein riesiges Projekt angehen, da wir anfangs keine Idee von der Komplexität und dem Umfang einer Altbausanierung hatten." Seine Familie bewohnt ein laut Dorfchronik circa 300 Jahre altes Bauernhaus aus Bruchstein und Fachwerk. Es wurde aufwendig von Juli 2016 bis Dezember 2018 ökologisch saniert.

Die Abrechnung sei zeitaufwendig, jedoch nicht kompliziert gewesen. Man müsse einfach daran denken, jeden Rechnungs- und Zahlungsbeleg aufzuheben, sagt der Bauherr. "Das Programm hat einen essenziellen Anteil an der Ausgestaltung der neuen Heimat unserer Kinder", lobt Siegemund.

Das Flöha- und Zschopautal ist im Zeitraum von 2014 bis 2020 mit 19,69 Millionen Euro Geldmitteln von EU und Freistaat ausgestattet. Sicher, die Projekte müssten vom Antragsteller vorfinanziert werden, erfordern Eigenkapital. "Leader ist kein Förderprogramm für Arme", räumt Pötzscher ein. "Aber bis zu 100.000 Euro geschenkt zu bekommen, das gibt es sonst nirgends."

Das wissen auch Bürgermeister zu schätzen. Mit seinen elf Ortsteilen ist Oederan ländlich geprägt und damit Adressat der EU-Förderung. "Leader ist so gut, weil es fast das einzige Programm ist, mit dem man die Dorfentwicklung voranbringen kann", sagt Oederans Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler). "Ohne das Programm wüsste ich nicht, wie ich im dörflichen Bereich investieren könnte." Im Falle seiner Stadt wurden mit der Förderung nicht nur Straßen gebaut, sondern auch Projekte wie die Glockenturmschule in Schönerstadt (45.000 Euro Förderung). Schon gestellt ist der Antrag für den Spielplatz in Gahlenz. "Leader ist das Universalwerkzeug für den ländlichen Raum", so Schneider.


Leader-Förderung in Mittelsachsen

In Mittelsachsen gibt es sechs Leader-Regionen: Klosterbezirk Altzella, Land des Roten Porphyr, Lommatzscher Pflege, Sachsenkreuz+, Silbernes Erzgebirge und die Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal.

Neue Zahlen aus dem Flöha- und Zschopautal belegen exemplarisch, wo Schwerpunkte liegen und was in der Förderperiode bereits umgesetzt und bewilligt wurde oder zumindest bei der Bewilligungsbehörde beantragt wurde. In 60 Projekte der Um- und Wiedernutzung von Immobilien als Hauptwohnsitz oder für eine gewerbliche Nutzung flossen 3,6 Millionen Euro. Dank dieser Förderung lösten Bauherren ein Investitionsvolumen von 13,2 Millionen aus - eine Summe, die in die regionale Wirtschaft fließt.

23 Projekte der Region Flöha-Zschopautal bei der "nicht gewerblichen Grundversorgung", zum Beispiel Vereinshäuser oder Arztpraxen, wurden bis Ende 2018 mit insgesamt 1,4Millionen Euro gefördert. Bei Straßen, Plätzen und der Straßenbeleuchtung kamen in 49 Projekten 3,5 Millionen Euro Förderung zusammen. (dahl)

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