Geplantes Foyer für Landratsamt bleibt umstritten

Kritiker bezweifeln die Notwendigkeit des rund drei Millionen Euro teuren Projekts. Die Verwaltung sieht das anders.

Der Haupteingang des Landratsamtes in Freiberg soll einen Glasvorbau erhalten.

Für Sie berichtet: Heike Hubricht

Die Kritik am Projekt für einen rund drei Millionen Euro teuren Glasvorbau an das Hauptgebäude des Landratsamtes nimmt an Schärfe zu. "Man wirft Geld aus dem Fenster hinaus", sagt Uwe Liebscher. Der Kreisrat aus dem Oberschönaer Ortsteil Langhennersdorf ist der Chef der Kreistagsfraktion der Freien Wähler. Stein des Anstoßes: Das Gebäude Frauensteiner Straße 43 ("Werner-Hofmann-Haus") soll laut Kreistagsbeschluss vom März mit einem neuen Eingangsbereich versehen werden. Liebscher bezweifelt die Notwendigkeit der Investition. "Denn ins Landratsamt-Hauptgebäude kommen kaum Bürger", so Liebscher. Obendrein sei er als Fraktionschef nicht über den Fortschritt des Vorhabens informiert worden, habe bisher auch keine Bauzeichnungen gesehen. Auch Linke-Fraktionschef Gottfried Jubelt hatte unlängst gesagt: "Warum muss das so groß werden, warum müssen wir angesichts des Bedarfs in vielen Bereichen drei Millionen Euro investieren? Muss das ein so großes Prestigeprojekt sein?"

Die Kreisverwaltung hatte das Projekt eines neuen Eingangsbereiches damit begründet, dass andernfalls Gelder aus dem Investitionsprogramm "Brücken in die Zukunft" hätten zurückgegeben werden müssen. Denn aus Kostengründen waren Pläne für den Anbau an das Landratsamtsgebäude gescheitert. Vom zuständigen Planungsbüro, das einen europaweiten Wettbewerb gewonnen hatte, "haben wir uns getrennt", so Kreissprecher André Kaiser auf Anfrage. Darüber seien auch die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Technik informiert worden. Ob das Landratsamt rechtliche Schritte gegen die Planer ergreift, sagte Kaiser nicht: "Aus juristischen Gründen werden wir uns dazu öffentlich nicht positionieren."

Jetzt soll das Geld für das Foyer und einen Ersatz des Flachbaus hinter dem Hauptgebäude in Freiberg verwendet werden, in dem auch Veterinär- und Gesundheitsamt unterkommen. Liebscher: "Vielleicht wäre es bei der Investition in den Eingangsbereich besser gewesen, wenn der Landkreis ein Signal gesetzt hätte: Wir brauchen das Geld nicht, denn für unser avisiertes Vorhaben reicht es nicht. Wir geben das Geld zurück." Die Verwaltung sieht das allerdings anders. "Wir teilen diese Ansicht nicht", so André Kaiser.

Auf die Kritik, dass nicht alle Kreisräte wissen, wie das Foyer einmal aussehen soll, sagte Kaiser: Für den Glasbau gebe es bisher nur eine mehrere Jahre alte Studie. Die genauere Planung sei noch nicht ausgelöst. "Im Anschluss an die Planungen kann man Genaueres kommunizieren", so Kaiser. Hauptaspekte seien Brandschutz und Sicherheitstechnik, die im Erdgeschoss noch erneuert werden müssen. Ein Starttermin könne noch nicht genannt werden, "ebenso keine finale Summe".

Laut Ronny Hofmann, Vizechef der CDU/RBV-Kreistagsfraktion, stellte die Kreisverwaltung im Ausschuss für Umwelt und Technik erste Planungen vor. Diesem gehören aber nur 18 der 98 Kreisräte an, Freie-Wähler-Fraktionschef Liebscher beispielsweise nicht. Ersten Planungen zufolge soll der Haupteingang repräsentativer, offener und moderner gestaltet werden. Hofmann: "Wichtig ist aus unserer Sicht, dass das Foyer bürgerfreundlicher gestaltet sein muss." Der jetzige Eingangsbereich mit der Glasscheibe sei nicht mehr zeitgemäß und wirke auch nicht bürgeroffen. Hofmann ergänzt: "Ohne Zweifel wäre der Anbau eine Chance gewesen, die Kreisverwaltung innerhalb von Freiberg - unabhängig von der Umweltabteilung - an einem Standort zu konzentrieren und darüber hinaus einen sehr modernen Verwaltungsstandort vorzuhalten." Deshalb sei das Scheitern der Pläne für einen Anbau ärgerlich. Der Kreistag habe die alternativen Vorschläge mitgetragen, denn gerade am Rotvorwerk müsse es eine Verbesserung geben, so Hofmann. (mit grit)

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