Großer Andrang bei Führungen in der Spinnerei

Ortschronist Lothar Schreiter führte in zwei Rundgängen etwa 250 Besucher durch den sonst verschlossenen Altbau der Alten Baumwolle

Flöha.

Etwa 250 Besucher haben am Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals die Gelegenheit genutzt, in die Geschichte des Altbaus der Alten Baumwolle einzutauchen. Zwar sind die Räume leer, aber Ortschronist Lothar Schreiter (86) füllte sie mit Geschichten. Matthias Behrend sprach mit ihm.

Freie Presse: Herr Schreiter, waren Sie eigentlich überrascht vom Ansturm?

Lothar Schreiter: Ja, das war ich schon. Ich hatte schon mit einigen Interessenten gerechnet, so 50 oder 60. Ich hatte aber Zweifel, dass eine zweite Führung nötig sein würde. Aber selbst da waren es ja noch mal 80 Besucher das.

130 Menschen waren es beim ersten Rundgang. Da mussten Sie ja beinahe schon schreien ...

Ich habe um Ruhe gebeten, die Leute waren diszipliniert und sehr aufmerksam. Das hat man an der Körpersprache gesehen. Ich habe bereits mehr als 200 öffentliche Veranstaltungen geleitet. Da bekommt man einen Blick dafür. Am Ende war ich ein wenig heiser. Meine Enkelin, die Lehrerin ist, sagte mir, dass das an meiner falschen Atemtechnik liege.

Wie haben Sie den Rundgang aufgebaut?

Die ehemals vier und jetzt noch drei zusammengeflanschten Gebäude spiegeln die Industrialisierung des vormals dörflich geprägten Ortes im 19. Jahrhundert wider. Ich habe die Gebäude als Industriedenkmale gewürdigt und über die Architektur an die technische Entwicklung angeknüpft. Die Gebäude wurden ja aneinander gebaut, weil anfangs die aus der Wasserkraft gewonnene Energie über eine Welle durch alle Gebäude übertragen wurde.

Die Räume im Altbau sind leer ...

Das stimmt. Wir hatten zusammen mit Reiner Schirmer von der Stadtverwaltung Poster vorbereitet, welche die Maschinen zeigen, die in den Räumen standen. So wurde die technologische Kette anschaulich.

Wie lange waren Sie eigentlich selbst nicht im Altbau?

Das letzte Mal 2004 oder 2005. Als wir bei der Vorbereitung einmal durch die leeren Räume gegangen sind, bin ich an meiner alten Werkstatt vorbeigekommen. Dort war ich 1953 zum letzten Mal. Da wird man schon ein wenig besinnlich.

Gab es eigentlich eine Frage, die Sie nicht beantworten konnten?

Ja. Ab wann es den ersten Aufzug im Gebäude gab. Da habe ich geantwortet, dass ich das nicht sagen kann. In einem historischen Dokument steht geschrieben, dass 1858 der Lastenaufzug bis ins letzte Geschoss verlängert wurde. Demzufolge muss es den Aufzug zuvor schon gegeben haben. Seit wann, ist aber bislang nicht rauszubekommen.

An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell gerade?

An einer Dokumentation über die Gaststätten der Flöhaer Ortsteile. Da kommen bei den fünf Ortsteilen mehr als 50 Lokale zusammen.

Gibt es dazu einen Vortrag?

Ich glaube nicht. Das ist zu spezifisch. Die Dokumentation wird aber im Internet zu sehen sein. Ich plane noch etwas zum Thema Eisenbahn, das könnte ein Vortrag werden. Aber das muss ich mir noch überlegen.


Filmischer Blick in die Zukunft

Zum Abschluss der Altbau-Rundgänge wurde in einem Kurzfilm ein Blick in die Zukunft geworfen. Architekturstudenten der TU Dresden haben für den zwischen 1809 und 1887 errichten Industriebau Gestaltungsentwürfe und Nutzungskonzepte erarbeitet. Zur Denkmalmesse Anfang November in Leipzig werden die Ergebnisse präsentiert und möglicherweise prämiert, danach ist eine Ausstellung in Flöha geplant. (mbe)

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