Grünhainichen nimmt Millionenkredit auf

Die Gemeinde hat ein großes Ziel: den Neubau einer Grundschule. Trotz Fördermitteln muss Geld geliehen werden, wodurch sich die Pro-Kopf-Verschuldung verfünffacht.

Grünhainichen.

Wer will schon gerne Schulden machen? Dazu noch richtig viele. Im benachbarten Erzgebirgskreis haben das zuletzt nur Aue, Stollberg und Gornsdorf gemacht - einen Kredit in Millionenhöhe aufgenommen. Während in den Kämmereien der beiden Städte Rechenaufgaben im siebenstelligen Bereich auf der Tagessordnung stehen dürften, war die Anleihe in der flächenmäßig kleinsten Gemeinde im Erzgebirgskreis eine ganz große Nummer. Für den Bau einer Grundschule hatte Gornsdorf 2016 einen Kredit in Höhe von 1,8Millionen Euro aufgenommen.

Nun zieht Grünhainichen nach in den Klub der Millionäre auf Pump. Die Kommune benötigt für den Verwaltungsverband Wilden-stein eine neue Grundschule, weil die alte im Ortsteil Waldkirchen aus allen Nähten platzt. "Eine Investition in die Zukunft Grünhainichens", bezeichnet Bürgermeister Günther Schneider (CDU) die Aufnahme des Kredits in Höhe von 1,3 Millionen. Das entspricht laut Verwaltung in etwa der Summe, die die Gemeinde in das mit rund 6,4 Millionen Euro veranschlagte Projekt Grundschule als Eigenleistung einbringen muss. Die restlichen Millionen für das neue Schulhaus sollen aus Fördertöpfen fließen. Schneider: "Wir müssen den Schulstandort retten."


Die Gemeinde zieht zwar auch den Umbau eines Gebäudes in Betracht, favorisiert jedoch einen Neubau auf dem Gelände des im März aus Kostengründen geschlossenen Freibades Grünhainichen. Der Aus- oder Umbau der ehemaligen Mittelschule Borstendorf, der Grundschule Waldkirchen oder eines ehemaligen Fabrikgebäudes der Firma Blank in Grünhainichen wären kostenintensiver als ein Neubau.

Der von der Kommune beauftragte Bauingenieur Jörg Walther hatte aus bautechnischer Sicht anhand von Vor- und Nachteilen der Alternativstandorte eine Rangliste erstellt, an deren Spitze eindeutig ein Neubau stand. "Rettungswege, Brandschutz, Zimmergröße, Heizung, Helligkeit", führt Walther einige der "hohen Hürden" der aktuellen Schulbaurichtlinie auf. All das werde bei einem Aus- und Umbau eines Schulgebäudes genauso gefordert wie bei einem Neubau, so der Bauexperte. In der Diskussion über die Notwendigkeit des Projektes sowie bei der Abstimmung über eine mögliche Kreditaufnahme herrschte unter den Ratsmitgliedern Einigkeit - Haushaltsplan und -satzung 2017 waren vor Ostern einstimmig beschlossen worden. Und damit auch die Verschuldung. Durch den Kredit, die Laufzeit beträgt 40 Jahre, erhöht sich Pro-Kopf-Verschuldung fast um das Fünffache. Sie steigt von 78 auf 367 Euro im Jahr 2020.

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