Händler plagen Zukunftssorgen

Alle diskutieren über den Umzug des Edeka-Marktes. Viel mehr fürchten die Geschäftsleute vor Ort aber eine Umgehungsstraße und plagen sich mit Nachwuchssorgen.

Oederan.

Der Weg in die Selbstständigkeit von Silke Richter begann mit einem Schild. "Räumungsverkauf" prangte vor zwölf Jahren in großen Lettern im Schaufenster des Oederaner Schuhgeschäfts "Schuhmuckel". Die 42-Jährige sah es - und übernahm den Laden. Das Geschäft, sagt sie heute, laufe gut.

Nun ist der Edeka-Supermarkt bald weg aus der Innenstadt, schlägt sein neues Quartier außerhalb des Stadtzentrums auf. Was bedeutet das für den Einzelhandel? Für Silke Richter und die anderen Geschäftsinhaber ist das nicht das Hauptthema. Denn momentan läuft das Geschäft sehr gut, sagt sie. Viel mehr bereitet die ferne Zukunft und viele "Was-wäre-wenn"-Fragen Sorge. Was wäre etwa, wenn die viel diskutierte Ortsumfahrung tatsächlich käme. Silke Richter: "Ich habe viele Kunden auf der Durchreise, aus Chemnitz und Freiberg, auch Pendler." Die würden nicht eigens nach Oederan reinfahren, sagt sie, wenn eine Umfahrung gebaut werden würde. Weniger Kunden bedeutet weniger Umsatz, vielleicht müsste der ein oder andere Laden sogar schließen.

"Als Privatperson kann ich die Anwohner der B 173 gut verstehen. Ich würde dort nicht leben wollen. Aber als Händler habe ich Angst vor der Trasse. Unsere Geschäfte wären erst aus den Augen, dann aus dem Sinn", ist sich Silke Richter sicher. Thomas Kruse vom Gewerbeverein sagt dazu: "Das ist ein hochpolitisches Thema. Sicherlich kann ich diese Furcht nachvollziehen."

Es ist kurz vor Mittag, Hauptverkaufszeit in der Fleischerei Richter und der Bäckerei Adler an der Stadtkirche. Anke Beyer, die die Fleischerei-Filiale leitet, reicht Wurstaufschnitt, Hackepeter, Schinken über die Ladentheke. Einer der Kunden ist Kevin Warnecke. Er arbeitet zwar in Oederan, aber nicht direkt in der Innenstadt, wo sich die meisten Läden befinden. Würde ihn eine Ortsumgehung von Fleischerei und Bäckerei fern halten? "Wenn die Umgehungsstraße käme, würde ich nicht so oft so weit reinfahren", gibt er zu. Die 22-jährige Julia Wermke aus Oederan stimmt zu: "Extra runter fahren für ein paar Brötchen? Nein, eher nicht." Anke Beyer zeigt Verständnis dafür. "Ehrlich gesagt schiebe ich das Thema Ortsumfahrung noch ganz weit von mir weg", sagt sie. "Wenn der Verkehr weg ist, sind die Kunden weg." Denn, so fährt sie fort, warum solle jemand in Oederan bummeln wollen? Bäcker, Fleischer, Blumenläden, Bekleidung, eine Drogerie - das sei alles vorhanden. "Es fehlt etwas Besonderes, wie zum Beispiel ein Laden mit Erzgebirgischer Volkskunst." Ihr eigenes Geschäft laufe wie auch das von Silke Richter gut, sagt Anke Beyer.

Die Kaufkraft in Oederan ist offenbar da, trotzdem mehren sich die "Zu Vermieten"- Schilder hinter leeren Schaufenstern. "Weil sich keine Nachfolger gefunden haben", erklärt Anke Beyer. Händlernachwuchs fehlt, bald vielleicht auch Käufernachwuchs, fürchtet sie. "Wir haben viele ältere Stammkunden. Die Jugend ist nicht so treu. Wenn die Älteren irgendwann nicht mehr kommen, muss etwas passieren, um die Leute nach Oederan zu locken." Ein Vorschlag von Anke Beyer sind mehr Parkmöglichkeiten. "Für unter der Woche reicht es aus, am Wochenende nicht." "Schuhmuckel"-Inhaberin Silke Richter schlägt ein Hotel vor. Oederan habe viele Sehenswürdigkeiten wie die Stadtkirche oder das Klein-Erzgebirge.

Dazu einen neuen Supermarkt in der Innenstadt wünscht sich Anke Beyer. Mehr der Senioren als des eigenen Umsatzes wegen. Sie sagt: "Das Stückchen Butter und die Flasche Wasser für zwei Euro kriegt die Omi hier schon. Die Drogerie bietet jetzt Salz und Nudeln an, das ist gut." Aber das ersetze keinen Supermarkt.

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