Hallenneubau: Niederwiesa prüft verlockendes Angebot

Das Geheimnis ist gelüftet. Am Montagabend haben Investoren sich und ihren Plan vom Bau einer Zweifelderhalle präsentiert. Nun muss die Gemeinde prüfen, ob sie das Projekt mit den privaten Partnern stemmen kann.

Niederwiesa.

Niederwiesa kann sich eine neue Sporthalle bauen - allerdings erst einmal nur auf dem Papier. Denn nachdem zur Ratssitzung am Montagabend ein mögliches Investoren-Duo und ein potenzieller Bauträger, die den Neubau einer Halle übernehmen würden, sich und ihr Projekt vorgestellt haben, sind nun die Niederwiesaer an der Reihe. Sie müssen prüfen, ob das verlockende Angebot realisierbar ist.

Der Bauträger: Als möglicher Bauträger präsentierte sich zur Gemeinderatssitzung im Lichtenwalder "Schlossgasthaus" die Goldbeck Ost GmbH. Das Unternehmen hat sich auf das Konzipieren, Bauen und Betreuen von Industrie- und Logistikhallen, Bürogebäuden, Parkhäusern und Sporthallen in Systembauweise spezialisiert. "Wir setzen auf die Vorteile des Bauens mit industriell vorgefertigten Systemen", sagte Thomas Seidel, Leiter der Niederlassung Sachsen in Treuen. So könnten Anforderungen genau definiert und Kunden fast jeder Wunsch erfüllt werden. Seidel: "Wie beim Zusammenstellen der Ausstattung eines Autos." Als "Beispielhalle" für Niederwiesa stellte der Verkaufsleiter der Firma, die nach eigenen Angaben 15 Sporthallen im Jahr baut, einen Hallenneubau in Naumburg an der Saale vor. Kostenpunkt für die Zweifelderhalle mit Sanitärbereich und Sitzplätzen für 100 Zuschauer: 2,5 Millionen Euro. Ohne Sitzplatzreihen: 2,1 Millionen. Die Zahlen seien aber nur ein Richtwert. Für Niederwiesa, wo ebenfalls eine (Handball-)Spielfläche von 40 mal 20 Metern mit einer Trennwand für den Schulsport favorisiert wird, wurden keine Zahlen genannt.

Christoph Ulrich

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Die Investoren: Auf der Basis einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP), in der die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft vertraglich geregelt ist, würden die Chemnitzer Bauunternehmer Jörg Mierbach und Rick Meisel die Finanzierung übernehmen. Die Gemeinde müsste für einen bestimmten Zeitraum Miete für die Halle an die Investoren zahlen, um deren Kosten zu tilgen. "Wir hätten beispielsweise 25 Jahre Zeit, die Bausumme abzubezahlen", sagte Bürgermeisterin Ilona Meier (parteilos). Ziel sei die Rückübereignung der Halle an die Gemeinde, wodurch ihr ein Mehrwert entstehe, erläuterte Mierbach das "alternative Finanzierungsmodell". Der Rückfluss der Kosten an die Investoren müsse gewährleistet sein, so der Unternehmer weiter. Vorteil der ÖPP für die Gemeinde sei, dass der Investor die Verantwortung für die effiziente Erstellung der Leistung übernehme. Mierbach: "Es besteht eine Festpreisgarantie."

Die Bürgermeisterin: "Mit einer neuen Halle würde der Wunsch vieler Niederwiesaer in Erfüllung gehen", sagte Ilona Meier. Die Zeiten, in denen der Bau einer Sporthalle mit bis zu 90 Prozent gefördert wurde, seien längst vorbei. Die (nicht förderungsfähige) ÖPP-Variante biete nun zwar eine neue Möglichkeit, stelle zugleich aber auch eine große Herausforderung dar, so das Gemeindeoberhaupt weiter. "Finanzierung und Folgekosten müssen genau geregelt sein." Deshalb soll nun geprüft werden, welche Ausstattungsvariante den Anforderungen des Schul- und Vereinssportes entspricht und ob diese sich auch finanziell schultern lässt. Zudem sei die Standortfrage noch nicht geklärt. Zwar werde der Hartplatz hinter dem Schulkomplex favorisiert, doch eine Alternative sei auch der Standort der alten Turnhalle. "Ich glaube nicht, dass wir uns zwei Hallen leisten können", schließt Ilona Meier den Abriss des 1928/29 erbauten Turntempels nicht aus. Aber es sei noch nichts entschieden. Eine Arbeitsgruppe sowie Vertreter der Schulen und des Sportvereins Grün-Weiß treffen sich bereits nächste Woche zu ersten Gesprächen. "Ein Schnellschuss soll die Sache aber keinesfalls werden", betont die Bürgermeisterin, die zudem die Rechts- und Bauaufsicht des Landratsamtes in den Vorgang eingebunden hat. Bis Ende des Jahres soll eine Entscheidung gefallen sein.

Die Nutzer: Katrin Fischer, Leiterin der Oberschule, war beeindruckt: "eine umfassende, interessante und ehrliche Vorstellung." Im Großen und Ganzen entspreche die Halle den Anforderungen. Ob sie nun genau die Maße haben muss, sei nicht entscheidend. "Wichtig für den Schulsport ist eine Trennwand." Für Christian Göschel wäre eine Zweifelderhalle mit Handballfeld in Ordnung. "Wir können das bestehende Angebot nur mit einer neuen Halle aufrecht erhalten und weiter ausbauen", so der Chef des 650 Mitglieder zählenden SV Grün-Weiß.


Kommentar: Bitte kein Luftschloss!

Nun muss die Arbeitsgruppe ran. Für das Abwägen der Vor- und Nachteile einer ÖPP-Maßnahme sowie das Ausloten und Prüfen, was Niederwiesa für eine Sporthalle benötigt und sich vor allem auch leisten kann, muss die Truppe zur Höchstform auflaufen und ganz genau Maß nehmen. Damit aus dem Traum von einer Zweifelderhalle kein Luftschloss oder eine Investruine wird.

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