Handy futsch, Geld weg

Ein Frankenberger fühlt sich betrogen. Damit andere nicht in die Falle tappen, macht er seinen Fall öffentlich. Unterm Strich ist er um 431 Euro ärmer.

Frankenberg.

"Ich wurde Opfer einer Betrugsmasche", sagt Harry Hurtig (Name ist der Reaktion bekannt). Kürzlich bot er auf einer Online-Plattform für Kleinanzeigen ein neues Mobiltelefon der Marke LG an. "Das Gerät stammt aus einer Vertragsverlängerung", erzählt der Frankenberger. "Ich brauche es nicht, wollte es daher verkaufen." Gesagt, getan: Wenig später meldete sich ein Interessent auf die Anzeige. Beide Seiten wurden handelseinig. Für die Abwicklung des privaten Geschäfts einigte man sich darauf, den Bezahldienst PayPal zu nutzen.

Normalerweise läuft das so: Wenn der Käufer die offene Summe per PayPal überwiesen hat, erhält der Verkäufer eine Nachricht und schickt die Ware an die Adresse, die der Käufer beim Bezahldienst hinterlegt hat. "In meinem Fall gab es aber Ungereimtheiten", sagt Harry Hurtig. Der Käufer nämlich bat den Frankenberger, das Paket an eine Adresse zu schicken, die von der bei PayPal hinterlegten abwich. "Ich bin dem Wunsch nachgekommen", so Hurtig. Eine Entscheidung mit Folgen: Per Sendungsverfolgung konnte der Frankenberger sehen, dass das von ihm verschickte Paket an der angegebenen, neuen Adresse nicht entgegengenommen wurde. Stattdessen landete es in einer Paketbox beziehungsweise Packstation. "Dort hat jemand das Handy abgeholt", erklärt Hurtig und verweist auf die Track-ID, ein Code, mit dem das Paket verfolgt werden kann.

Der Käufer indes tat Folgendes: Er behauptete gegenüber PayPal, er habe das Paket nicht erhalten. Daraufhin eröffnete der Bezahldienst ein Verfahren und fror die strittige Summe auf dem Konto des Verkäufers ein. Die Folge: Der Frankenberger kam erst mal nicht an die 431 Euro Bezahlung für seine Ware heran.

Gegenüber PayPal schilderte Hurtig, was sich abgespielt hatte und belegte den Vorgang. Doch in dem Verfahren konnte er sich nicht durchsetzen: "PayPal entschied zugunsten des Käufers", sagt der Frankenberger. "Ich habe weder das Geld erhalten, noch habe ich die Ware. Ich stehe mit leeren Händen da. Der Käufer wiederum hat sehr wahrscheinlich ein neues Handy, musste dafür aber nichts zahlen, da ihm PayPal die Summe nach Abschluss des Verfahrens rücküberwiesen hat. Ich fühle mich über den Tisch gezogen."

"Freie Presse" wandte sich an PayPal und bat den Bezahldienst um eine Stellungnahme. "In dem von Ihnen beschriebenen Fall hat der Verkäufer die Ware nicht an die bei PayPal hinterlegte Adresse des Käufers gesendet, sondern an eine abweichende Adresse", bestätigt Unternehmenssprecherin Christina Macke nach Prüfung des Falls. Um den Verkäuferschutz des Dienstes in Anspruch nehmen zu können, müsse der Verkäufer die Ware an die hinterlegte Lieferadresse senden, die ihm in der E-Mail von PayPal mitgeteilt werde. "Trifft der Verkäufer mit dem Käufer eine separate Absprache und versendet die Ware an eine abweichende Adresse oder die Ware wird persönlich abgeholt, kann beim Auftreten von Konflikten kein Antrag auf Verkäuferschutz gestellt werden", erklärt Christina Macke.

Im Falle eines Konfliktes prüft PayPal den Fall auf Basis seiner Schutzrichtlinien. An die darin fixierten Regeln hätten sich Käufer und Verkäufer zu halten. Dazu gehöre auch die Berücksichtigung der korrekten Lieferadresse. "Leider kommt es immer wieder vor, dass Betrüger versuchen, das fehlende Wissen von Kunden auszunutzen", so die Unternehmenssprecherin. "Wir raten unseren Kunden daher, sich gut über die Bedingungen für die Inanspruchnahme unseres Käufer- und Verkäuferschutzes zu informieren." Es liege im Interesse von PayPal, dass Betrüger strafrechtlich verfolgt werden. Bei einem solchen Verdacht sollten Kunden daher Anzeige bei der Polizei erstatten. "PayPal arbeitet mit Ermittlungsbehörden auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zusammen", versichert Christina Macke.

Auf die Polizei setzt nun auch Harry Hurtig. "Wir können bestätigen, dass der Mann Anzeige erstattet hat und die Ermittlungen wegen Betrugs aufgenommen wurden", sagte Doreen Göhler, Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz.

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