Heftige Debatte um den Titel entbrannt

Kulturhauptstadt: Stadtrat Chemnitz bewilligt 780.000 Euro zusätzlich

Chemnitz/Freiberg.

Ein neues Bewerbungsbuch, ein neuer Slogan, eine möglichst überzeugende Darstellung der Stadt beim Jurybesuch: Auf die Organisatoren und Mitstreiter der Chemnitzer Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025, die Freiberg als Partner mit ihrer Kulturregion unterstützt, wartet in den kommenden Monaten noch viel Arbeit. Seit wenigen Tagen ist klar, dass ihnen dafür mehr Geld zur Verfügung steht als geplant. Nach langer, intensiver Debatte bewilligte der Stadtrat weitere 780.000 Euro für den Bewerbungsprozess.

Kulturbürgermeister Ralph Burghart zufolge wird das Geld benötigt, um den Anforderungen gerecht zu werden, die die Jury bei der Wahl der Stadt Chemnitz in die zweite Runde gestellt habe. So solle die Stadt ihre grenzüberschreitende Zusammenarbeit intensivieren; angedacht ist dafür ein Raum bis zur tschechischen Hauptstadt Prag. Außerdem regten die Juroren im Dezember 2019 an, dem künstlerischen Programm einen deutlich europäischeren Anstrich zu verleihen. "Und wir sollen die Ereignisse aus dem Herbst 2018 besser herausarbeiten", erklärte Burghart den Stadträten. Für all das brauche es die Hilfe von Experten, Programmentwicklern und Künstlern. Das Projektteam sei deswegen im März vergrößert wurden.

Burghart sagte, ihm sei klar, dass es sich um viel Geld handele. Er verwies darauf, dass Dresden (2,5 Millionen Euro) und Nürnberg (5 Millionen Euro) in der ersten Runde deutlich mehr für ihre Bewerbung ausgegeben hätten als Chemnitz (1,2 Millionen Euro). Der Kulturbürgermeister zeigte sich zudem überzeugt von einem Erfolg der Chemnitzer Bewerbung. "Ein Sieg ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich."

Nico Köhler (AfD) bezeichnete das als "schöne, blumige Worte" und verlangte, "realistisch ranzugehen". Die Stadt verzeichne aufgrund der Coronakrise hohe Einnahmeverluste, argumentierte er und warnte vor drohenden Sparpaketen, wie es sie einst nach der Weltfinanzkrise 2008/09 gegeben hatte. In den Kreisen, in denen er sich bewege, sei die Kulturhauptstadtbewerbung kein Thema, so der AfD-Stadtrat. Dafür sorgten sich die Leute vor allem um Schlaglöcher auf der Straße. Dieter Füsslein (FDP) warf ihm daraufhin "Kleingeistigkeit" vor und ergänzte: "Es gibt Leute, die sind 40 und reden wie Greise." Den Umfang der nun bewilligten 780.000 Euro bezeichnete Füsslein als "sehr bescheiden".

Bernhard Herrmann (Grüne) warf AfD und Pro Chemnitz - letztere Fraktion lehnt die Bewerbung gänzlich ab - Fatalismus vor. "Es macht mich traurig, wie alles madig gemacht wird", sagte er. Almut Patt (CDU) argumentierte, dass man mit der Kulturhauptstadtbewerbung den Standort Chemnitz und damit die hiesige Wirtschaft stärke. "Es ist sehr gut investiertes Geld." Bei Gegenstimmen vor allem aus den Reihen der AfD und Pro Chemnitz bewilligte der Stadtrat das Zusatzbudget. Das Geld dafür stammt aus den Schlüsselzuweisungen des Landes, die höher ausfallen als geplant.

Der Leiter des Kulturhauptstadt-Projektes Ferenc Csák zeigte sich nach dem Beschluss erleichtert, betonte aber, dass sein Team auch ohne das Geld weiter an der Bewerbung hätte arbeiten können. Mit der Finanzspritze sei man aber in der Lage, der Jury die Bewerbung besser zu präsentieren. Chemnitz hatte mit Nürnberg, Magdeburg, Hildesheim und Hannover den Sprung in die zweite Runde geschafft. Den Sieger will die Jury am 28. Oktober bekanntgeben. Sollte Chemnitz den Zuschlag erhalten, könne die Stadt mit weiteren 50 Millionen Euro rechnen, sagte Burghart. (lumm)


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