Heimat aus der Vogelperspektive

Dietmar Ender hat vor 60 Jahren mit der Schmalfilmgruppe begonnen, das Leben im Ort und in den Nachbargemeinden festzuhalten. Damals hätte er nicht gedacht, dazu einmal eine Drohne zu verwenden.

Borstendorf.

Dietmar Ender kann sich nicht satt sehen. Immer wieder klickt er das Video an, auf dem das Schloss und die Altstadt von Augustusburg zu sehen sind - aus der Vogelperspektive. "Das ist doch herrlich", schwärmt der Borstendorfer und genießt am Bildschirm zum x-ten Mal den Rundflug über die Krone des Erzgebirges.

Als Dietmar Ender vor 60 Jahren mit der Borstendorfer Schmalfilmgruppe begann, das Leben im Ort und in Nachbargemeinden mit Laufbildkameras festzuhalten, hätte er nie gedacht, dass er dazu einmal eine Kameradrohne einsetzen wird. "Es war 2015, als die Multikopter aufkamen. Ein Freund hatte so ein Ding. Das interessierte mich. Ich war begeistert von den Einsatzmöglichkeiten und der Qualität der Bilder", bericht der heute 78-jährige Hobby-Filmer. Aus dem Interesse wurde eine Leidenschaft.

Bereits im Jahr darauf steuerte Ender, der bis 2006 als selbstständiger Drechsler gearbeitet hatte, seine eigene Kameradrohne über seinen Heimatort. "Borstendorf von oben" folgten einmalige Luftaufnahmen aus Grünhainichen, Eppendorf und Schönerstadt. "Bei den Vorführungen waren die Leute immer begeistert", berichtet der Rentner. Zur Präsentation von beweglichen Luftbildern aus Leubsdorf und seinen Ortsteilen seien 230 Zuschauer in den "Lindenhof" gekommen.

Das Fliegen des Multikopters sei kein Hexenwerk, sagt Ender. Aber konzentrieren müsse man sich schon, vor allem wenn die Kamera in eine Richtung filmt und die Drohne in eine andere fliegt. Etwas Ärger gebe es hin und wieder nur, wenn Leute der Meinung sind, ausspioniert zu werden. "Doch das ist völliger Quatsch", betont der Hobby-Filmer. Zudem hole er sich immer erst die Genehmigung ein, bevor er in einem Ort mit den Flug- und Dreharbeiten beginne. Und an die aktuelle Drohnenverordnung halte er sich ebenfalls. Etwa an die maximale Flughöhe von 100 Metern, oder dass immer Sichtkontakt zum Fluggerät bestehen muss. So auch in Augustusburg, wo Ender seinen jüngsten Heimatfilm aus der Vogelperspektive gedreht hat. Von vielen Standorten aus sind 50 Stunden Filmmaterial aus hochauflösenden Fotos und Videos entstanden: beeindruckende Aufnahmen in der Totalen, jedoch auch einzelne Straßenzüge, Gebäude und Sehenswürdigkeiten aus allen Ortsteilen. Nach Schnitt und Bearbeitung sowie dem Einfügen von historischen Aufnahmen, die der Augustusburger Hobby-Historiker und Postkartensammler Rico Näther zur Verfügung stellte, ist ein sehenswerter 50 Minuten langer Film entstanden - wie alle aus der "Von-oben-Reihe" musikalisch untermalt und mit Untertiteln versehen.

Dietmar Enders Film- und Fotoarchiv besteht mittlerweile aus über 20.000 Aufnahmen. "Zu 99,9 Prozent finde ich alle im Computer", sagt der Borstendorfer. Darunter auch einen "holprigen" Schwarz-Weiß-Streifen von 1967, der die letzte Fahrt der Eisenbahn von Hetzdorf nach Eppendorf zeigt. Denn der Borstendorfer hat viele der Arbeiten der Schmalfilmgruppe digitalisiert.

Der Film "Augustusburg von oben" sollte am 30. Oktober und 6. November im Stadthaus Augustusburg gezeigt werden. Wie der Veranstalter am gestrigen Dienstag mitteilte, fallen beide Vorführungen coronabedingt aus. Neue Termine stehen noch nicht fest.

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