Hilfe wird zum Verhängnis

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Verfahren um Unfalltod eines Dachdeckergehilfen

Freiberg.

Eigentlich hatte sein Kollege auf dem Dach gar nichts zu suchen - so schilderte der 61-jährige Zeuge vor dem Amtsgericht Freiberg die Umstände, die am 21. Mai 2019 zum Unfalltod eines 69-Jährigen im Rechenberg-Bienenmühler Ortsteil Clausnitz geführt haben. "Er wollte mir aber helfen, ein Sicherungsseil zu spannen, und ist mit hochgekommen", so der gelernte Landwirt, der damals erst reichlich ein halbes Jahr bei dem Dachdeckerbetrieb im Erzgebirge als Gehilfe angestellt war.

Beide hatten den Auftrag, die Photovoltaikanlage auf dem Dach einer Lagerhalle zu reinigen. Laut dem Zeugen sollte ein Hochdruckreiniger mit Bürstenvorsatz über die Solarpaneele bewegt werden. Er wollte das Gerät vom First aus an einem Seil nach unten lassen, der Kollege sollte von einer Hebebühne auf Höhe der Traufe den Wasserschlauch führen und achten, dass sich dieser nicht verklemmt.

Obwohl das acht Meter hohe Satteldach nur flach geneigt ist, sei ihm die Sache aber nicht geheuer gewesen: "Ich habe dem Chef gesagt, dass ich das ohne Sicherung nicht mache. Durch das Reinigungsmittel wird es sehr rutschig, mein einziger Halt wäre die etwa fünf Zentimeter hohe Kante der Solarplatten gewesen." Er habe vorgeschlagen, so der Zeuge, an den Giebeln Gerüstanker in den Firstbalken zu schrauben und dazwischen ein Seil zu spannen, in das er sich mit einem Sicherungsgurt einhängen wollte. Als er den ersten Haken befestigte, habe der ältere Kollege das Seil auf die andere Seite ziehen wollen. Dabei trat oder stolperte er versehentlich auf einen der gewölbten Plaststreifen, die als Lichtdurchlass in das Hallendach integriert sind. Das Material gab nach, der 69-Jährige stürzte in die Tiefe.

Die Tragödie wäre vermeidbar gewesen, wie ein Mitarbeiter der Abteilung Arbeitsschutz bei der Landesdirektion erklärte: "Das Einfachste wäre gewesen, Personenfangnetze unter die Lichtbänder zu hängen." Auch sei der Aufstieg mit einer Leiter bei der Höhe nicht mehr zulässig, es habe vor Ort keine Gefahrenbeurteilung und keine Einweisung durch den Meister gegeben, bereits beim Bau der Solaranlage hätten Sicherungshaken für Wartungsarbeiten montiert werden sollen. Der Firmenchef wurde der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen a 30 Euro verurteilt. Die Buße von 4200 Euro trifft ihn laut Verteidiger hart; infolge langer Krankheit habe er 2020 nicht einmal 6000 Euro verdient. (jan)

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