Hohenfichte: Ein Problem-Bahnhof für 4000 Euro

In Hohenfichte ärgert man sich seit Jahren über das marode Gebäude und kann nichts dagegen tun. Nun schafft die Gemeinde Fakten.

Hohenfichte.

Es ist ein Signal - der Gemeinderat Leubsdorf hat nun Fakten geschaffen. Für das ehemalige Bahnhofsgebäude in Hohenfichte - marode und offenbar auch einsturzgefährdet - sollen den Besitzern, zwei Berliner Geschäftsleuten, 4000 Euro überwiesen werden. Dafür stimmte das Gremium in seiner jüngsten Sitzung und fasste den Entschluss sozusagen im zweiten Anlauf. Zwischen den Parteien besteht über den Preis bereits Einigkeit.

Bürgermeister Dirk Fröhlich (CDU) hatte in der Beratung noch einmal begründet, warum der Erwerb wichtig sei. "Um unsere Forderungen anzuzeigen, mussten wir in den vergangenen Jahren den Besitzern immer wieder hinterhertelefonieren. Briefe kamen unzustellbar zurück. Die Verwaltung trat immer wieder auf der Stelle", sagte das Gemeindeoberhaupt. Dirk Fröhlich stellte klar, dass die Gemeinde das marode Gebäude eigentlich nicht brauche. Aber nur als Eigentümer habe man alle Fäden in der Hand und könne über weitere Schritte entscheiden sowie Fördermittel beantragen. Nach einem Besichtigungstermin, der vor einigen Tagen stattgefunden hatte, debattieren die Verantwortlichen derzeit darüber, ob der Status des Denkmalsschutzes für das Bahnhofsgebäude in Hohenfichte aufgehoben werden kann. "Mir liegt schriftlich noch keine Entscheidung vor", informierte der Bürgermeister den Gemeinderat.

Ein Umbau sowie eine Nutzung des ehemaligen Bahnhofs sei kaum umsetzbar und deshalb auch kein Thema. Vielmehr geht es um den Abriss des baufälligen Gebäudes. "Wer heute in Hohenfichte aus dem Zug steigt, sieht als erstes diese Ruine. Einen besseren Eindruck würde dort eine begrünte Fläche machen", sagte er.

Doch Dirk Fröhlich macht klar: Die Hohenfichter müssen sich weiter in Geduld üben. "Die Baumaschinen werden nicht von heute auf morgen anrücken, sondern alles braucht seine Zeit. So müssen wir unter anderem darauf warten, dass es ein passendes Förderprogramm gibt", sagte Fröhlich. Er werde nun zunächst umgehend die Formalitäten für den Kauf des ehemaligen Bahnhofs einleiten. Außerdem gehe es darum, zügig das Areal und das Gebäude zu sichern. Das Betreten des Grundstücks sowie des Gebäudes ist aus Sicherheitsgründen streng verboten.

2017 war das Bahnhofsgebäude von zwei Berlinern gekauft worden. Sie hatten damals Umbaupläne in Aussicht gestellt, packten diese aber nie an. Auch eine schriftliche Anfrage der "Freien Presse" an die Besitzer, die über die Gemeinde übermittelt wurde, blieb im September unbeantwortet. Vermutlich war das Hauptproblem, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Das allerdings stößt nicht nur bei Bürgermeister Dirk Fröhlich auf Verwunderung: "Der Bahnhof in Leubsdorf ist baugleich und steht nur ganz wenige Kilometer entfernt - der hat jedoch diesen Status nicht." Der Leubsdorfer Bahnhof befindet sich ebenfalls in Privatbesitz, ist aber in deutlich besserem Zustand. Beide Bauwerke stehen an der Bahnstrecke Flöha-Reitzenhain. Diese wurde im Februar 1875 in Betrieb genommen und führte zeitweise bis ins tschechische Komotau/Chomutov.

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