Hotel in Not: Wann kommt Hilfe?

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Ostdeutschlands größte Freizeithotelkette steht nach sieben Monaten Lockdown wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Nur ein Bruchteil der erwarteten Staatshilfen ist geflossen. Und eine Perspektive zur Öffnung der Häuser bleibt aus.

Eppendorf/Rochlitz.

Bis Ende 2019 stand der Name des Familienunternehmens Travdo für eine Erfolgsgeschichte in der Hotelbranche. Pandemie und Lockdown haben dem ein jähes Ende gesetzt. Heute stehen die Inhaber und Geschäftsführer, Cecil und Nando Sonnenschmidt, an einem "Frustpunkt", müssen um den Erhalt ihres Unternehmens fürchten. "Das mühevoll aufgebaute und gesunde Unternehmen wird innerhalb kurzer Zeit kaputt gemacht", sagt Nando Sonnenschmidt. Es sei deprimierend, wenn bei der jüngsten Bund-Länder-Konferenz kein Wort zur Perspektive einer Öffnung der geschlossenen Hotelbetriebe verloren wird. Von beantragten staatlichen Hilfen, seit langem angekündigt, sei bei Travdo nur ein Bruchteil angekommen.

Seit März 2020 haben die Sonnenschmidts mehr als sieben Millionen Euro Umsatzverlust hinnehmen müssen. Zum Vergleich: im Jahr 2019 erwirtschaftete Travdo einen Umsatz von rund 24 Millionen Euro. Zwar konnte Travdo im Frühjahr 2020, als zum ersten Mal Hotels im Lockdown schließen mussten, noch ein KfW-Darlehen in Höhe 800.000 Euro aufnehmen. Doch das Geld ist längst aufgebraucht. Pro Monat laufen Schließungskosten von etwa 500.000 Euro auf. Und weil Travdo jenen Kredit als Soforthilfe in Anspruch nahm, hat die Hotelkette bis dato keine weiteren Überbrückungshilfe erhalten. Die Regelung dazu hatte die mittelsächsische Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann (CDU) kritisiert: "Dass Betriebe, die rückzahlbare KfW-Kredite aufgenommen haben, diese nun voll als Beihilfe anrechnen müssen, ist ein Unding." Hierzu werde es noch eine Prüfung geben. Von der "Novemberhilfe" des Bundes landete bisher lediglich ein Abschlag von 10.000 Euro auf dem Travdo-Konto, beantragt waren rund 1,3 Millionen. Die Ansprüche an den Staat, was Umsatzausfälle für November und Dezember 2020 und Verluste im Januar und Februar 2021 umfasst, summieren sich laut Sonnenschmidt auf rund 3,3 Millionen Euro. Derweil sind die Rücklagen von Travdo, aufgebaut aus Gewinnen der Vorjahre, in Höhe von 2,5Millionen Euro aufgezehrt.

Vor dem pandemiebedingten Einbruch 2020 war Travdo auf Wachstumskurs, verbuchte allein 2018 mit 352.000 Gästen einen Spitzenwert in der Firmengeschichte. 23Hotels gehören zur 2006 gegründeten Travdo Hotels & Resorts GmbH mit Hauptsitz in Rochlitz, davon sieben in Sachsen, zwei in Mittelsachsen. Mit mehr als 550 Mitarbeitern zählt Travdo zu den größten Arbeitgebern in der sächsischen Hotellerie. An Steuern hat Travdo laut Sonnenschmidt mehr als 50 Millionen Euro seit 2006 erwirtschaftet.

Mit der Beschreibung der aktuell prekären Situation des Unternehmens hatte sich Sonnenschmidt in einem Brief an Sachsens Ministerpräsident, Michael Kretschmer (CDU), gewandt. Doch das Antwortschreiben von Ende Januar, verfasst von einer Mitarbeiterin des sächsischen Wirtschaftsministeriums, stellte nur vage eine Aussicht auf Hilfe dar. Denn bis dahin lag noch keine Entscheidung der EU-Kommission über einen erweiterten Beihilferahmen für größere Unternehmen, wie im Fall von Travdo, vor.

Mittlerweile ist diese Entscheidung gefallen, wie der aus Mittelsachsen stammende EU-Abgeordnete Peter Jahr (CDU) erklärte. "Europa hat den Weg frei gemacht", sagte Jahr und bezog sich damit auf die sogenannte Überbrückungshilfe III, die staatliche Hilfen des Bundes in größerem Umfang erlaubt. Für den Abgeordneten ist es unverständlich, warum sich die Auszahlung an Unternehmen verzögere. Das beklagt auch Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Sachsen (Dehoga). Angesichts schleppend laufender Hilfszahlungen wachse der Frust im Gastgewerbe. "Monatelang auf Hilfen zu warten, kann man den Unternehmern nicht zumuten", so Klein.

Erst in dieser Woche hatte das Bundeswirtschaftsministerium angekündigt, dass Unternehmen nun Anträge auf die Überbrückungshilfe III stellen können. Für die Zeit bis Ende Juni 2021 könnten sie staatliche Hilfen in Höhe von monatlich bis zu 1,5 Millionen Euro erhalten. Laut Bundeswirtschaftsministerium startet die reguläre Auszahlung nach Antragsbearbeitung durch die Länder im März.

Auf diese Hilfen gedrängt hatte auch die IHK Chemnitz. IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich hatte erst diese Woche beim sächsischen Wirtschaftsministerium gefordert, dass die Hilfen "nicht nur schnell, sondern auch mit einer hohen Abschlagssumme sofort gezahlt werden". Ihm sei die Situation der Sonnenschmidts bekannt, die die einzigen Hotelkettenbetreiber in der Größenordnung mit Sitz im Kammerbezirk seien.

Nando Sonnenschmidt will nun die Überbrückungshilfe III beantragen und hofft, dass so sein Unternehmen bis Wiedereröffnung der Hotels erhalten werden kann: "Noch stirbt die Hoffnung zuletzt."

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