Im Sattel von Clark Gable zum Jubiläum

Bereits seit zehn Jahren wird die Schlösser- und Burgenfahrt gezielt für historische Motorräder ausgetragen, die vor dem Jahr 1940 gebaut wurden. Am runden "Geburtstag" warten eine besonders lange Strecke - und ein Hauch von Hollywood.

Augustusburg.

Clark Gable auf Schloss Augustusburg? Ob der berühmte amerikanische Schauspieler zu Lebzeiten tatsächlich mal vorbei geschaut hat, ist nicht überliefert. Allerdings wird im Schlosshof am Samstag ein Motorrad zu bestaunen sein, das einst dem 1960 verstorbenen Oscar-Gewinner gehörte. Inzwischen ist damit Gerald Pilz aus Tumlingen (Baden-Württemberg) unterwegs, der wie rund 160 weitere Fahrer an der diesjährigen Schlösser- und Burgenfahrt für historische Motorräder bis zum Baujahr 1939 teilnehmen wird.

Dass das ehemalige Gefährt eines großen Stars mit am Start ist, passt zum Anlass. Schließlich gibt es diesmal ein kleines Jubiläum zu feiern, wird die Ausfahrt doch zum zehnten Mal in dieser Form ausgetragen. "Eigentlich gibt es die Veranstaltung schon länger, doch mit der Beschränkung auf Motorräder und Baujahr machen wir es erst seit 2009", erklärt Andreas Lieschke. Der 42-jährige Dresdner organisiert seither das Treffen und kooperiert eng mit der Augustusburger Schlossbetriebe GmbH, die am Sonntag noch eine weitere Oldtimer-Ausfahrt zu bieten hat. Dabei werden sich Autos und Motorräder bis Baujahr 1985 ab 9 Uhr auf eine Runde begeben, die durch Brand-Erbisdorf führt.

Noch weiter zurück in die Vergangenheit führt die morgige "Zeitreise". Schließlich stammen die Maschinen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Nicht zu übertreffen ist dabei das Gefährt von Udo Feist aus Rochlitz. "Seine Indian Powerplus ist 100 Jahre alt und damit das älteste Motorrad dieser Veranstaltung", erklärt Lieschke, der fast schon ins Schwärmen gerät: "Nach den wechselgesteuerten Hedstrom-Twins kam bei Indian ab 1917 der von Charlie Gustafson entworfene Seitenventiler mit 1000 ccm zum Einsatz." Details wie diese verrät der Organisator zu fast jedem Teilnehmer in einer dicken Broschüre, die er für jede Ausfahrt anfertigt.

Obwohl ein einfacher Sponsoren-Flyer im Handumdrehen zu bekommen wäre, setzt sich Lieschke lieber wochenlang selbst hin und schreibt Fakten und Geschichten rund um die Maschinen der Teilnehmer auf. "Damit jeder etwas hat, das er sich als Andenken aufheben kann", erklärt er. Während er bei einigen Motorrädern erst tiefer recherchieren muss, um genügend Stoff zu haben, ging ihm das Schreiben im Fall der Indian Four 441 von Gerald Pilz flott von der Hand. Denn die Geschichte ist einfach faszinierend. Jahrzehntelang hing die Maschine im berühmten Café von Henry Africa in San Francisco, doch damit nicht genug. "Schon dort war die Indian mit einem Schild versehen, wonach der Erstbesitzer Clark Gable die Maschine als ausstehendes Honorar für seine Rolle in ,Vom Winde verweht' erhielt", schreibt Lieschke in seiner Broschüre.

Mit dem Verfassen der Lektüre ist es aber längst nicht getan. Die Vorbereitung der Veranstaltung ist noch viel umfangreicher, da der Organisator aus Dresden lange an der Strecke tüftelt. "Eigentlich das ganze Jahr über", sagt er. So war die letztjährige Auflage keine drei Wochen vorbei, da machte sich Lieschke schon Gedanken und suchte nach neuen Zielen. Fast ständig ist er in der Freizeit auf zwei Rädern unterwegs und lässt sich von der Kulisse inspirieren. Achten muss er aber darauf, wo die Schlösser- und Burgenfahrt noch nicht hingeführt hat. Wie zum Beispiel der Barockgarten Großsedlitz mit dem Friedrichschlösschen. "Das ist das Ziel dieser Tour, wo wir eine anderthalbstündige Mittagspause einlegen werden", sagt Andreas Lieschke voller Vorfreude.

"Damit sind wir fast schon in der Sächsischen Schweiz", ergänzt er. Doch da die Strecke auch noch an Sehenswürdigkeiten wie dem Schloss Tharandt, der Burgruine Frauenstein und der Altenberger Bobbahn vorbei führt, ist sie eines Jubiläums würdig. Dass am Ende sogar eine Rekordlänge von 217,4 Kilometern herausgekommen ist, liegt aber nicht allein an den Wunschvorstellungen des Organisators. "Es gibt auch Auflagen von Behörden und nicht vorhersehbare Baustellen", erklärt Lieschke. Ein ruhiges Gewissen hat er trotzdem, denn er traut diese Belastung allen Maschinen zu - egal, wie alt sie auch sind: "An die 200 Kilometer sind wir in der Vergangenheit auch schon gefahren. Und letztes Jahr gab es gerade mal einen einzigen Ausfall."

Die Fahrer, von denen viele schon heute eintreffen, haben vor und nach der Tour genügend Zeit zum Entspannen und Plaudern. "Außerdem wird für alle die derzeitige Ausstellung von Rekord-Maschinen im Schloss Augustusburg interessant sein", meint Lieschke. Dass die historischen Gefährte der Teilnehmer selbst in solche Geschwindigkeitsbereiche vordringen können, bleibt zu bezweifeln. Doch eine passende Ergänzung zum Jubiläum sei die Ausstellung auf jeden Fall, zumal Lieschke die Zusammenarbeit mit dem Schloss ausdrücklich lobt. So übernehmen mehrere Mitarbeiter morgen die Beschilderung der Strecke für die Ausfahrt.


Durchfahrtszeiten

9.00 Uhr: Start im Schloss Augustusburg (Südtor)

9.07 Uhr: Marbach

9.15 Uhr: Grünhainichen

9.22 Uhr: Eppendorf

9.34 Uhr: Großhartmannsdorf

9.42 Uhr: Zethau

9.54 Uhr: Frühstückspause am Landgasthof "Wolfsgrund"

10.36 Uhr: Nassau

11.06 Uhr: Oberpöbel

11.12 Uhr: Bärenfels

11.19 Uhr: Waldbärenburg

11.28 Uhr: Bärenhecke

11.34 Uhr: Glashütte

11.47 Uhr: Seitenhain

12.07 Uhr: Mittagspause im Barockgarten Großsedlitz (Friedrichschlösschen)

13.40 Uhr: Dohna

13.50 Uhr: Wittgensdorf

14.01 Uhr: Hirschbach

14.18 Uhr: Seifersdorf

14.28 Uhr: Borlas

14.37 Uhr: Kaffeepause im Café "Bahnwärterhäuschen"

15.09 Uhr: Hartha

15.18 Uhr: Grillenburg

15.27 Uhr: Colmnitz

15.38 Uhr: Oberbobritzsch

15.47 Uhr: Weißenborn

15.54 Uhr: Weigmannsdorf

16.19 Uhr: Langenau

16.26 Uhr: Eppendorf

16.36 Uhr: Hammerleubsdorf

16.42 Uhr: Hohenfichte

16.50 Uhr: Ankunft auf Schloss Augustusburg (Südtor)

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