Immer neue Blicke zur Augustusburg

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Auch in Zeiten einer Pandemie gehört Wandern zu den gesündesten Freizeitaktivitäten. "Freie Presse" stellt eine mögliche Tour vor, die in abgekürzter Form durchaus auch für Familien geeignet ist: durch die Leubsdorfer Ortsteile.

Leubsdorf.

Die Erzgebirgsbahn bringt Wanderer auf der Strecke Chemnitz-Olbernhau-Grünthal bequem ins Flöhatal. Bis Anfang September fährt ab Flöha Richtung Olbernhau Schienenersatzverkehr. Schon die Fahrt durch das landschaftlich schöne Gebiet kann für Familien zum Erlebnis werden. Start der Tour ist am Bahnhof Hohenfichte. Die bekannte historische Holzbrücke wird überquert und gleich danach dem Wanderweg über eine Wiese gefolgt. Hier sollte man sich umdrehen, weil der Blick zur Augustusburg wunderbar ist. Überhaupt wird das Schloss auf dieser Runde immer wieder aus anderer Perspektive zu sehen sein. In einer scharfen Straßenkurve biegen die Spaziergänger rechts ab. Der Weg verläuft durch Wiesen und Felder parallel zum attraktiven Tal der Großen Lößnitz. Am Rand von Hammerleubsdorf beginnt der Aufstieg nach Leubsdorf. Es sind mehr als 100 Höhenmeter zu bewältigen. Etwa zur Hälfte den Berg hinauf, darf man die gelbe Wegmarkierung nach rechts keinesfalls verpassen.

Nahe dem höchsten Punkt ist der Blick mit Leubsdorf im Vordergrund wunderbar. Familien können im Ort der Hauptstraße abwärts folgen und kommen auf verkürztem Weg direkt nach Schellenberg. Die anderen durchqueren Leubsdorf. Ziemlich am Ende weist die gelbe Markierung nach rechts zum Flöhatal. Der Abstieg erfolgt durch einen Wald. Kurz vor dem Fluss treffen die Wanderer auf einen großen Weg, wo sie sich rechts halten und die Bahnlinie auf einer Brücke überqueren. Vor der Priemsmühle führt der Pfad über die Flöha. Auf der anderen Flussseite laufen die Spaziergänger, die schon ausgepowert sind, rechts Richtung Schellenberg. Die anderen gehen links. Die Flöha verläuft hier S-förmig, was zu interessanten Blicken über das Wasser führen kann.

An der Papierfabrik geht es rechts und bald - mit Marbach ausgeschildert - wieder rechts. Erst durch Wald und später über Wiesen steigen die Wanderer zum nächsten Leubsdorfer Ortsteil auf. Auch hier grüßt wieder die Augustusburg aus einigen Kilometern Entfernung. In Marbach gäbe es verschiedene Wege zurück zum Ausgangspunkt. Um noch das Flöhatal ein Stück mitzunehmen, führt die Strecke entlang der Hauptstraße bis Schellenberg. Hier können sich Groß und Klein eventuell an Trampeltieren und Dromedaren erfreuen, die nicht weit vom Fluss weiden.

Der Weg zurück nach Hohenfichte, der rot markiert ist, bietet den Leuten auf Schusters Rappen einige Leckerbissen für das Auge. So kommt man der Flöha rechts nahe und kann auch ein Viadukt bewundern. Wenn sich der Wald lichtet, sind schon die ersten Häuser vom Ausgangsort zu sehen. Die Schienen werden ein letztes Mal gekreuzt und dann geht es zum Bahnhof zurück..


Nur vier gedeckte Holzbrücken in Sachsen

Mancher Autofahrer staunt nicht schlecht, wenn er in Hohenfichte auf die enge Holzbrücke über die Flöha zufährt, die sowohl ein Dach als auch Seitenwände hat. Insgesamt gibt es derzeit nur vier solche historischen Brücken in Sachsen, von denen lediglich zwei auch Autoverkehr erlauben. Neben Hohenfichte betrifft das noch Hennersdorf im benachbarten Zschopautal. Beide Brücken sind vergleichbar. Fußgänger und Radfahrer sind in Zwickau und Schwarzenberg erlaubt. Die längste gedeckte Holzbrücke in Europa ist die in Bad Säckingen. Sie verbindet Deutschland und die Schweiz über den Rhein und ist 207 Meter lang. Noch berühmter ist nur die wenig kürzere Holzkonstruktion in Luzern (Kappellbrücke).

Die Überdachung war einst der Witterung geschuldet. Hölzerne Seitenwände kamen Pferden entgegen, weil sie so das Rauschen des Flusses nicht so sehr störte. Die Flussüberquerung in Hohenfichte hat eine wechselvolle Geschichte seit dem ersten Bau 1602 hinter sich. Mehrfach musste sie neu errichtet oder ausgebessert werden. Eisgang, Hochwasser, eine Windhose und Feuer setzten den verschiedenen Brücken zu. In der jetzigen Form besteht das Bauwerk seit 1832. Die letzten Arbeiten am Dach der Fahrbahn sowie den Fußwegen fanden 2007 statt. Die Konstruktion ist 55,5 Meter lang und 4,6 Meter breit. Fahrzeuge bis zu drei Metern Höhe können die Flussquerung passieren. |jz


Links und rechts des Flöhatals

Leubsdorf liegt mit seinen vier Ortsteilen Hohenfichte inklusive Merzdorf, Schellenberg, Marbach und das namensgebende Leubsdorf im Flöhatal auf beiden Seiten des Flusses. Die Gemeinde hat 3250 Einwohner und knapp 35 Quadratkilometer.

Alle vier Ortsteile wurden ursprünglich als Waldhufendörfer angelegt. Diese Siedlungsform ist unter anderem typisch für das Erzgebirge und sein Vorland. Leubsdorf hat nur vier Nachbargemeinden. Das sind Augustusburg, Oederan, Eppendorf und Grünhainichen.

Details zur Strecke: Länge der Tour: insgesamt 17,4 Kilometer. Start und Ziel: am Bahnhof Hohenfichte. Gesamtanstieg: circa 340 Höhenmeter. Höchster Punkt: 460 Meter über dem Meeresspiegel oberhalb von Leubsdorf; Tiefster Punkt: 306 Meter an der Holzbrücke in Hohenfichte.

Unser Autor Jens Zeidler ist von Beruf promovierter Informatiker und arbeitet im Verlag der "Freien Presse" als Controller. In seiner Freizeit geht der 55-Jährige leidenschaftlich gern wandern und gibt deshalb auch gern Tipps für andere Menschen, die sich ebenfalls gern auf Schusters Rappen begeben und dabei die Landschaft genießen wollen. (jz)

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