In dem Film führt Joli die Regie

Die Fünfjährige aus Hainichen ist für ein Video zur Spendenaktion "Leser helfen" im Alltag begleitet worden. Beim Drehtermin verriet das Mädchen keine Weihnachtswünsche. Obwohl einer für ihre Familie schon feststeht.

Hainichen.

So viel Besuch an einem Tag ist selten bei Familie Weise im Hainichener Ortsteil Cunnersdorf. Der Nikolaustag allein ist schon mit Spannung verbunden, aber Joli war am Donnerstag aus einem anderen Grund aufgeregt und schon am frühen Morgen hellwach, wie die Mutter der Fünfjährigen berichtete. Neben einer Ergotherapeutin und einer Physiotherapeutin kam ein Kameramann ins Haus. Der Flöhaer Filmemacher Dietmar Hösel hatte sich angekündigt, um Aufnahmen von dem Mädchen für einen Film zum Spendenprojekt "Leser helfen" zu machen.

Für die "Freie Presse" will der Kameramann ein Videoporträt der Fünfjährigen erstellen. In Alltagssituationen setzt er sie in Szene: beim Mittagessen, bei dem Mutter Claudia ihrer Tochter den Löffel zum Mund führt; beim Weg vom Pflegebett zum Sofa in der Stube, auf dem das Mädchen getragen werden muss. Joli leidet an einer Nervenerkrankung, spinaler Muskelatrophie. Die Folge ist eine Muskelschwäche. Auf eigenen Beinen stehen oder laufen kann sie nicht, ist auf den Rollstuhl oder die helfenden Arme und Hände der Mutter angewiesen. Seit einer OP im November trägt ihre Hüfte Gips.

Dennoch ist es kein Bild von Traurigkeit, das Dietmar Hösel von ihr zeichnet. Denn Joli hat ein aufgewecktes Wesen, lächelt wie auf Knopfdruck, nimmt die Kamera auch selbst in die Hand und will Details der Technik erfahren. Auf die meisten Fragen von Dietmar Hösel kommen die Antworten ohne Zögern. So wie die nach ihrem Lieblingslied: Es ist der Chartstürmer des Jahres 2016: "Die immer lacht", ursprünglich geschrieben von Musikerin Kerstin Ott für eine damals erkrankte Freundin.

Ob sie selbst gern singt, das will Joli dagegen nicht verraten, legt den Finger an ihren Mund: "Psssst". Es gibt Dinge, die müssen geheim bleiben, da ist sich Joli sicher. Das trifft auch auf Wünsche für das Weihnachtsfest zu. "Das, was man sich wünscht, muss geheim bleiben, sonst geht es nicht in Erfüllung", sagt Joli.

Nur ein Wunsch der fünfköpfigen Familie um die alleinerziehende Mutter Claudia Weise ist seit dem Start der Spendenaktion "Leser helfen" nicht mehr geheim: Sie brauchen ein Auto, mit dem Joli im Rollstuhl zum Beispiel zu Terminen in Kliniken gefahren werden kann. Dieser Wunsch soll mit Hilfe der Spenden in Erfüllung gehen.

Bis vor kurzem hatte die Hainichenerin noch einen alten Kleintransporter, von dem sie sich aber nach der Tüv-Prüfung trennen musste. Die Reparatur des Autos hätte sich die Frau, die von Hartz IV lebt, nicht leisten können. Auf den ersten Artikel zur Spendenaktion gab es vor allem im Internet schon rege Resonanz, mehr als 3000-mal wurde der Beitrag auf den Webseiten der "Freien Presse" angeklickt, in Facebook haben viele Nutzer den Artikel geteilt und Jolis ältere Geschwister wurden in der Schule auf die Aktion angesprochen.

Auch den jetzt von Jolis Mutter getrennt lebenden Vater Jan Weiser erreichten viele Nachrichten zu der Veröffentlichung, wie der 46-Jährige erklärte. Die meisten stammten von Menschen, die er bei Ärzteterminen in Dresden und Erlangen oder bei Reha-Aufenthalten in Kreischa kennen gelernt hatte, zu denen er Joli begleitete und sie betreut hatte. Ein neues Auto kann aber der derzeit arbeitslose Vater der Familie nicht bieten, hofft umso mehr auf einen Erfolg der "Leser helfen"-Aktion.

www.freiepresse.de/leserhelfen

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