Internetangebot noch immer mangelhaft

Der Breitbandausbau in Lichtenwalde stagniert. Einige Einwohner helfen sich jetzt selbst und anderen mit freiem Wlan.

Lichtenwalde.

Laut dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gelten 33 sächsische Orte als unzureichend versorgt mit schnellem Internet: Dort besteht für weniger als zehn Prozent der Haushalte die Möglichkeit eines Anschlusses mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Im Vergleich dazu kann sich Niederwiesa glücklichschätzen: Für 85 Prozent der Haushalte sind Breitbandanschlüsse möglich. Doch der Anschein trügt. Im Oberdorf und an der Schloßallee von Lichtenwalde sind es dem Breitbandatlas zufolge maximal 10 Prozent, die 16 Mbit/s nutzen können, von 50 Mbit ganz zu schweigen. "Die Lichtenwalder verstehen nicht, warum nichts vorwärtsgeht", sagt Ortsvorsteher Jens Bossard.

Eigenmittel von rund 60.000 Euro hat die Gemeinde seit zwei Jahren im Haushalt eingeplant. In dem Prozess (siehe Box) liegt der Ball gerade bei den Fördermittelgebern, wie Kämmerer Mirko Ott berichtet. Niederwiesa liegt ein gültiges Angebot der Telekom zu Netzausbau und -betrieb vor, das bis Ende Juli unterschrieben werden sollte. "Wir haben Aufschub bis November erwirkt", so Ott. Zunächst soll geklärt werden, ob Mehrleistungen ergänzt werden können und wie - ohne dass Niederwiesa Fördermittel einbüßt. "Bei der Überprüfung des Vertrags ist aufgefallen, dass einige Gebäude fehlen", so Ott zur Begründung. Eine Anfrage, wie damit zu verfahren sei, liege seit einem Monat bei der Fördermittelstelle. Danach müsse wohl der Gemeinderat über den Vertrag abstimmen. Für die Umsetzung hat die Telekom vier Jahre veranschlagt. "Wir hätten gern eine Zwischenlösung", sagt Ott. An der arbeiten einige Einwohner gerade: Seit Ende 2018 wächst ein kostenloses Wlan-Netz rings um Gartenstraße und Kleingartenanlage mithilfe des Freifunk-Vereins Chemnitz und Bürgern, die Wlan-Router kaufen und aufstellen. Je nach Standort liegen 4 bis 7 Mbit/s an, im Oberdorf sonst nicht mehr als 1,7, erläutert einer von ihnen, der seinen Namen nicht nennen will. "Das könnte auch die Gemeinde machen", sagt er. "Eine begrüßenswerte Alternative bis zur Erschließung mit Glasfasertechnik", nennt das Ott. Ob die Gemeinde helfen kann, darüber müsse man reden. Die Initiative könne sich melden.


Rückblick: Der Weg zum Breitbandnetzausbau im Ortsteil Lichtenwalde

21. April 2017: Niederwiesa beginnt ein Verfahren zur Markterkundung. Ziel ist es herauszufinden, ob Telekommunikationsunternehmen innerhalb von drei Jahren einen Ausbau planen. Dabei wurden die mit weniger als 30 Mbit pro Sekunde versorgten Gebiete ermittelt. Demzufolge gelten der Großteil von Lichtenwalde sowie einzelne Siedlungen in Niederwiesa und Braunsdorf als unterversorgt.

16. Juni 2017: Mit einem nichtförmlichen Interessenbekundungsverfahren soll herausgefunden werden, ob Unternehmen bereit sind - falls ja, mit welchen Beihilfemaßnahmen - Anschlüsse mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Mbit/s in unterversorgten Gebieten herzustellen.

23. August 2017: Der Gemeinderat stimmt zu, Fördermittel des Bundes für den Breitbandausbau abzurufen.

19. Dezember 2017: Die Gemeinde erhält eine vorläufige Fördermittelzusage des Bundes aus dem Programm zur "Förderung zur Unterstützung des Breitbandausbaus in der Bundesrepublik Deutschland".

13. März 2018: Der vorläufige Zuwendungsbescheid für eine Kofinanzierung im Rahmen der "Richtlinie Digitale Offensive Sachsen" geht ein.

17. August 2018: Die Gemeinde schreibt das Vorhaben aus. Niederwiesa sucht einen Bieter, der flächendeckend ein Hochgeschwindigkeitsnetz baut und betreibt, wird also die Infrastruktur nicht selbst errichten und verpachten (sogenanntes Betreibermodell), sondern das Unternehmen, das Ausbau und Betrieb übernimmt, bekommt einen Ausgleich, wenn sich die Versorgung des Ausbaugebietes nicht lohnt (sogenanntes Wirtschaftlichkeitslückenmodell).

März 2019: Die Gemeinde befindet sich in Gesprächen mit den Bietern. (kala)

www.digitale.offensive.sachsen.de

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