Investor: "Ich brauche weitere Zeit"

Der Unternehmer Rolf Schneider will in Eppendorf Werkstoffe aus Hanf herstellen lassen. Bis im Gewerbegebiet der Grundstein für die Produktion gelegt wird, sind noch einige Hürden zu überwinden.

Eppendorf.

Wie eine kleine Sensation klang es im August, als Rolf Schneider dem Gemeinderat Eppendorf über seine Pläne berichtete. Mit seinem in Sandersdorf-Brehna bei Bitterfeld ansässigen Unternehmen Canatur Innova, das sich mit der Entwicklung und Herstellung von Faserverbund- und Klimabaustoffen aus Hanf beschäftigt, will er sich im Gewerbegebiet an der Reifländer Straße niederlassen und dafür eine rund 60.000 Quadratmeter große Fläche kaufen.

Darauf sollen Lagerhallen, Produktionsgebäude sowie ein Sozial- und Verwaltungstrakt errichtet werden. Im August hoffte Schneider noch darauf, eventuell schon im September den ersten Spatenstich vollziehen zu können, um 2020 mit der Produktion zu beginnen. Doch bis heute sind im Gewerbegebiet noch keine Baufahrzeuge angerollt.

Schneider bekräftige auf Anfrage der "Freien Presse" in dieser Woche, an seinen Plänen festzuhalten. "Es gibt noch einige Details abzustimmen, dafür brauche ich weitere Zeit", sagte der Unternehmer.

Um starten zu können, benötige er zum Beispiel eine Freigabe der Fördermittel durch die Sächsische Aufbaubank. "Ich stehe mit den Banken und der Wirtschaftsförderung in engem und ständigem Kontakt. Doch bevor nicht alle Unterlagen vorliegen, kann und will ich auch keinen konkreten Zeitplan nennen", sagt der Investor.

Auch mit der Gemeinde Eppendorf finde ein regelmäßiger Austausch statt. Dies bestätigt Bürgermeister Axel Röthling (SPD). "Wir unterstützen Herrn Schneider weiterhin bei seinem Vorhaben. Wir wissen aber auch, dass wir bei diesem Vorhaben als Gemeinde nur ein kleines Rad im gesamten Getriebe sind", sagt das Gemeindeoberhaupt. Dennoch liege der Eppendorfer Verwaltung sehr viel daran, den Hanf-Experten aus Sachsen-Anhalt nach Mittelsachsen zu lotsen. So könnte das Gewerbegebiet, das zu großen Teilen praktisch seit Jahrzehnten ungenutzt ist, mit einem Schlag fast voll ausgelastet werden. Und es winkt die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Knapp 60 sollen es laut Schneider werden.

Sieben Jahre hätte sein Team geforscht, um die neue Technologie zu entwickeln, die in Eppendorf angewendet werden und deutschlandweit konkurrenzlos sein soll. "Wir wollen die Fasern des Hanfs nutzen, um Verbundwerkstoffe herzustellen, die insbesondere für den sommerlichen Wärmeschutz sowie den Akustikbau geeignet sind", ist von Schneider zu erfahren.

Um genügend Material zur Verfügung zu haben, fanden bereits Gespräche mit Landwirten der Region statt. "Sie haben Interesse gezeigt, auf rund 3000 Hektar Fläche Hanf anzubauen", sagte Schneider und begründete damit auch, warum er mit seinem Unternehmen im Bereich Bitterfeld keine Zukunft sieht. "Dort fällt die Ernte längst nicht so gut aus wie hier", betonte der Unternehmer, der bei der Verarbeitung des Naturrohstoffs insbesondere auf Nachhaltigkeit setze. "Da wir Hanfpflanzen mit einem Trockengehalt von unter acht Prozent lagern und verarbeiten, spielt der Brandschutz eine große Rolle. Ein erstes Gespräch mit der Feuerwehr fand bereits statt", sagte der Canatur-Geschäftsführer.

"Nachdem wir uns kennengelernt haben, werden die Gespräche zum Brandschutz nun intensiviert, sobald der Baustart absehbar ist und konkrete Pläne auf dem Tisch liegen", macht Eppendorfs Gemeindewehrleiter Marko Schiebold deutlich, dass noch Gesprächsbedarf besteht.


Ohne berauschende Wirkung

Hanf sei eine der ältesten Nutzpflanzen der Welt. "Hanffasern spielten bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine große Rolle bei der Textilherstellung, wurden dann aber von Kunstfasern verdrängt", sagt Rolf Schneider. Doch die Pflanzen stehen auch dafür, einen Stoff zur Herstellung von Rauschmitteln - Tetrahydrocannabiol, kurz THC - zu beinhalten. In Deutschland dürften nur Pflanzen mit einer unbedenklichen THC-Konzentration von unter 0,2Prozent angebaut werden. Sie sollen dann als Rohstoff für die Produktion bei Canatur Innova dienen. (kbe)

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