Ist das Insectlounge-Festival zu laut?

Ein Oederaner Bürger hat sich im Stadtrat über den Lärmpegel während des Konzertwochenendes im Ortsteil Börnichen beklagt. Die Verwaltung reagiert nun darauf - wenn auch etwas widerwillig.

Oederan.

Die Nullmessung ist durch. Das bedeutet: In der Nacht zu Sonntag wurde in der Oederaner Innenstadt gemessen, wie laut es ist. Bis auf das ein oder andere Auto oder mal ein Gespräch unter Passanten ist dabei nichts registriert worden. Selige Ruhe also. Dass es eine Nullmessung ist, bedeutet aber auch: Es wird einen Vergleichswert geben. Und der wird am kommenden Wochenende zu ähnlicher Zeit ermittelt. Dann, wenn in etwa 1,5 Kilometern Entfernung auf der Waldbühne in Börnichen das Musikfestival Insectlounge stattfindet.

Der Grund für diese Messung der Lautstärke ist die Beschwerde eines Oederaners, der im Juni im Stadtrat vorstellig wurde und sich über die Lautstärke während der zwei Konzertabende beschwert hat. "Wir nehmen diese Beschwerde ernst und werden nun prüfen, wie laut es dort ist, wo der Bürger wohnt, nahe der Oederaner Innenstadt also", sagt Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler).


Er fügt allerdings an, dass er auf diese Messung gern verzichtet hätte. "Wir haben mit dem Festival und dem Oktoberfest zwei größere Veranstaltungen mit lauter Musik pro Jahr hier in unserer Stadt. Es wäre schön, wenn die Leute diesen Festen mit mehr Akzeptanz und Gelassenheit gegenübertreten würden."

Martina Nobis sieht das ähnlich. Sie sitzt für die CDU im Oederaner Stadtrat und wohnt unmittelbar neben dem Festgelände in Börnichen. "Um genau zu sein, wohne ich sozusagen auf der Zufahrtsstraße zum Festival. Und ich freue mich sehr, dass es diese Veranstaltung gibt." Dass es an den zwei Abenden auch mal lauter wird, kann auch sie bestätigen. "Aber es ist eben nur an diesen zwei Abenden. Und die Leute, die dort hingehen, sind keine Randalierer oder Umweltsünder. Es gibt also aus meiner Sicht keinen Grund, sich zu beschweren."

Auch Jens Görner versteht die Aufregung nicht. "Früher gab es in Börnichen noch ein Dorffest", sagt der Oederaner, der aus dem Ortsteil im Norden stammt. "Dort gab es abends permanent Musik, während beim Festival jetzt zwischen den Bands auch mal Pause ist. Meine Eltern wohnen noch immer dort, ich bin sehr oft beim Festival gewesen. Ich kenne niemanden im Ort, der sich an der Lautstärke stört, denn ohne das Insectlounge wäre ja gar nichts mehr los."

Die Veranstalter unterdessen betonen, dass sie schon in den vergangenen Jahren immer darauf geachtet haben, die Musik nur bis zum genehmigten Ende zu spielen. "Wir haben eine Genehmigung bis 3 Uhr, ab 1 Uhr ist auf der Bühne aber ohnehin Ruhe, und ein DJ legt im Zelt auf - es wird also ab dann ruhiger", sagt Marco Metzler vom Stadtmarketingverein. Auch er hofft, dass eine Fortsetzung des Festivals, das an diesem Wochenende bereits sein 20-jähriges Bestehen feiert, durch die Beschwerde nicht auf der Kippe steht.

Bürgermeister Steffen Schneider hat unterdessen angekündigt, dass die Werte der Lautstärkemessung zunächst intern ausgewertet werden, bevor es weitere Entscheidungen gibt. "Generell stehen wir zum Festival und unterstützen es. Wenn es doch zu laut ist, finden wir eine Lösung, die allen passt", sagt der Bürgermeister.


Kommentar: Lasst die Musik im Dorf!

Aufregen ist in Mode gekommen. Man schimpft über die Politik, über das Wetter, über die Jugend von heute. Letztere hat aber in Oederan dafür gesorgt, dass es dort mit dem Insectlounge-Festival ein kulturelles Juwel in der Region gibt. Da kommt kein großer Veranstalter von irgendwoher, bringt seine eigene Gastronomie mit und verdient mit einem Allerweltsfest auf der grünen Wiese eine Menge Geld. Nein - hier arbeiten junge Leute ehrenamtlich, um den Besuchern ein kostenloses Festival mit Musik der anderen Art zu bieten. Es geht entspannt und fröhlich zu. Keiner macht Stunk, auch müssen die Anwohner nicht losziehen, um die Bierreserven in den Supermärkten leer zu kaufen, damit ein polizeiliches Alkoholverbot durchgesetzt werden kann. So etwas soll es ja auch geben.

Wenn die Lautstärkemessung nun also ergibt, dass es am Wochenende nachts etwas lauter war, wäre es schön, wenn die Oederaner gemeinsam und noch lauter rufen: "Na und!?" Denn wenn es nicht mehr möglich ist, an zwei Wochenenden im Jahr deutlich hörbar das Leben zu feiern, dann gibt es wahrlich auch keinen Grund dazu.

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