Kaffeekränzchen auf Äthiopisch

Beim ersten Sommer-Kunsthandwerkermarkt haben die Händler Waren aus der Ferne mit nach Augustusburg gebracht - im Gepäck auch allerlei Geschichten.

Augustusburg.

Wind pfiff durch den Schlosshof, die Besucher trugen dicke Jacken, aber am Stand von Mitslal Kifleyesus-Matschie war es warm. Sieben Frauen saßen um ihr Kochfeuer und tranken äthiopischen Kaffee: ohne Milch, dafür mit Zucker, einer Prise Salz und Gewürzen. Der schmeckte sogar Flora Thieme (8), die zuvor die Bohnen in einer Pfanne über der Glut geröstet hatte. "Überhaupt nicht bitter", sagte Mutter Fritzi staunend. "Das liegt daran, dass die ätherischen Öle noch drin sind", so Kifleyesus-Matschie. Sie gehörte am Wochenende zu den Neulingen beim Augustusburger Kunsthandwerkermarkt. Wie viele der Händler weiß sie genau, wo ihre Waren herkommen.

Schwarzkümmelöl, Sheabutter und Weihrauch hat die Wahl-Jenaerin aus Äthiopien mitgebracht. Ecopia, die Firma der promovierten Politikwissenschaftlerin, kümmert sich dort um 11.000 Biobauern, hat 3000 Hektar Land gepachtet und 1600 sudanesischen Flüchtlingen Arbeit verschafft. "Ich will, dass sie dort bleiben und etwas produzieren können", sagte sie und zeigte der Frauenrunde Fotos ihrer Mitarbeiter. Dass es in Augustusburg immer wieder etwas Neues zu sehen gibt, hatte Thiemes zum dritten Mal hergeführt. "Wir hatten schon sehr oft Eiswetter", erinnerte sich Fritzi Thieme. Zwölf Jahre lang fand der Kunsthandwerkermarkt im Frühling und Herbst statt, oft bei Regen und Kälte. Das hat sich am Wochenende nun auch beim ersten Sommertermin fortgesetzt. Dennoch trotzten rund 700 Besucher am Samstag Regen und Wind, am trockeneren Sonntag kamen noch mal 1100, so Veranstalter Andreas Wolf. "Wenn der Heuboden im Schloss umgebaut ist, wollen wir unbedingt wieder rein", sagte er.

Abgesehen davon wolle er das Konzept des Marktes - ausgewogene Händlermischung, Mitmach-Aktionen für Kinder, offene Museen und das Schloss als Kulisse - beibehalten: "Wir sind eine feste Größe in der Region geworden", so Andreas Wolf. Der Drechslermeister hat in den 1990ern mit einem kleinen Markt auf seinem Kulturhof Zickra in Thüringen angefangen, inzwischen veranstaltet er 30 Märkte pro Jahr in Mitteldeutschland. Das Plakatieren dafür bleibt Chefsache: "Ich bin immer zwei Tage zum Aufhängen und zwei zum Abhängen der Werbung unterwegs, von Mittweida bis Olbernhau." Diesen Einsatz leiste er für seine Händler, um viele Besucher zu gewinnen.

So bestätigen viele neue Händler, nicht zum letzten Mal im Schloss Augustusburg zu sein: "Für Kälte und Nässe kann keiner was", sagte etwa Uwe Bibrach. "Aber das ist eine ganz tolle Ecke, wir kommen auf jeden Fall wieder!" Mit seiner Frau hat er vor sieben Jahren den Handel mit Gewürzen und Tees begonnen, Resultat einer Reise nach Madagaskar. Dabei lernte er: "Gewürzhandel ist moderne Sklaverei, die Bauern können von dem Lohn nicht leben." Deshalb zahlen sie ihren Kleinbauern, die sie bei Reisen kennenlernen, teilweise das 50-fache oder helfen, weitere Abnehmer zu finden. Zum Beispiel vermittelten sie einen jungen Mann, der in Vietnam einen Sternaniswald geerbt hatte, an deutsche Apotheken.

Wo ihre Ware herkommt, weiß auch Olena Herold: von ihren Eltern aus der Ukraine. "Sie stellen seit 13 Jahren Keramik für Deutschland her." Traditionelle Häuschen wie in ihrer Heimat seien hier weniger beliebt, dafür Vasen und Tiere. Wie das Huhn, das im Garten von Andre König aus Stein einen Platz finden soll. "Weil es so lustig aussieht!" Sehr zur Freude von Herold, denn mit dem Stand versorge sie die ganze Familie.

Auch Yué Torres lebt von seinen Händen und seiner Kreativität, so der Spanier. Der Autodidakt stellt Leuchten aus Porzellan her - so dünn, dass Licht hindurchscheint. "Dazu gehören einige komplizierte Schritte", sagte er. In der Werkstatt sei er wie ein Kind, dass mit dem Material spiele. "So etwas habe ich noch nie gesehen", sagte Jürgen Koch. Der Hainichener überlegte, wie man die Leuchten aufstellt, damit sie zur Geltung kommen.

Andere Artikel machten es den Käufern einfacher: So gab es unter anderem mediterrane und Südtiroler Spezialitäten zum Schlemmen, Selbstgenähtes zum Anziehen, und Tonschalen zum Brotbacken. "Wie bei Lebensmitteln geht der Trend zum Kauf bei kleinen Händlern statt Supermärkten", erklärte Veranstalter Wolf, wieso der Markt nach zwölf Jahren noch so ein Magnet sei. Er hofft, auch mehr regionale Kunsthandwerker neugierig zu machen.

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