Kastanienbäume haben schweren Stand

Große Kastanienalleen sind selten geworden. In Falkenau gibt es eine und in Eppendorf bald keine mehr. Dabei ist diese sogar ein Naturdenkmal.

Falkenau/Eppendorf.

Die Kastanienallee entlang der Straße am Bahnhof in Falkenau ist eine der letzten ihrer Art im Landkreis Mittelsachsen. Das sagte Dietmar Wildner kürzlich, als es im Ortschaftsrat um die Frage ging, ob es für die 2007 gefällten kranken Bäume Ersatzpflanzungen geben wird. Wildner hatte damals an den gefällten Bäumen 100 Jahresringe gezählt. "Das heißt, die Bäume wurden 1907 gepflanzt", sagt er. "Wahrscheinlich wurde die Allee mit dem Bau von ,Müllers Gaststätte' 1906 angelegt", mutmaßt Wildner. Inzwischen gibt es entlang der Straße Am Bahnhof 26 Bäume unterschiedlichen Alters. 1994 habe es erste Neupflanzungen gegeben, so Wildner, und nach der Baumfällung 2007 seien auch neue Kastanienbäume gepflanzt worden, die allerdings umgeknickt wurden oder eingegangen sind.

Simone Harnisch, die im Rathaus in Flöha für die gut 3000 Bäume im öffentlichen Raum zuständig ist, sagt, dass über Neupflanzungen erst noch entschieden werden müsse. Zurzeit werde die Ausschreibung der Baumpflege im Herbst und Winter vorbereitet. "Und falls Geld übrig ist, können wir über Ersatzpflanzungen nachdenken." Für die Falkenauer gehört die Kastanienallee untrennbar zum Ortsbild. Die Mädchen und Jungen aus der nahegelegenen Kindertagesstätte "Falkennest" schwärmen im Spätsommer und Herbst regelmäßig aus, um unter den Bäumen Kastanien zu sammeln. "Wir basteln mit den Früchten oder geben sie dem Jäger als Futter", sagt Kita-Leiterin Susanne Forchheim. Einen Schutzstatus haben die Kastanienbäume freilich nicht.

Anders ist das in Eppendorf. Die Kastanienallee, die von der Freiberger Straße hinauf zum früheren Lehngut führt, ist ein Naturdenkmal und steht unter besonderem Schutz. Allerdings sind die Tage der 26 Bäume gezählt. Die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes hat entschieden, dass die Bäume im Herbst gefällt werden. Der Aufwand für eine Erhaltung der Allee oder einzelner Bäume sei nicht vertretbar, heißt es in einer Bekanntmachung der Behörde, die im aktuellen Anzeiger der Gemeinde Eppendorf veröffentlicht ist. Umfangreiche Untersuchungen eines Gutachters hatten ergeben, dass die Mehrzahl der Bäume vom Brandkrustenpilz befallen ist. Gefährlich ist der Pilz, weil ein Befall äußerlich nicht erkennbar ist. Betroffen sind die Baumwurzeln, die verfaulen. Bei einigen Bäumen ist laut dem Gutachten sogar schon der Stamm befallen. Die Bäume verlieren ihre Standsicherheit und können unvermittelt umkippen.

Die Eppendorfer Kastanienallee ist inzwischen abgesperrt. Die Gemeinde hat Bauzäune aufgestellt und Warnschilder angebracht. Die Absperrung betrifft auch einen Teil des Rodelhanges. "Wir sind als Eigentümer der Fläche für die Verkehrssicherung zuständig, also für die Absperrung", sagt Bürgermeister Axel Röthling. Er bedauert, dass die markanten Allee-Bäume gefällt werden, und musste seit der Veröffentlichung der Fällung im Eppendorfer Gemeindeanzeiger mehrere Nachfragen beantworten.

Es werden auch keine neuen Bäume gepflanzt, weil sich der gefährliche Brandkrustenpilz nach Aussage des Gutachters im Boden befindet und ein dafür notwendiger kompletter Bodenaustausch zu teuer ist. Gefällt werden die Bäume voraussichtlich ab November, teilt die Untere Naturschutzbehörde mit.


Großer Baum, kleiner Feind

Die Rosskastanie war der Baum des Jahres 2005. Ursprüngliches Verbreitungsgebiet der Rosskastanie sind die Berg- und Schluchtwälder des Balkans. Wegen der ansehnlichen Blüten wird sie in Europa vielerorts als Zier-, Park- und Straßenbaum angepflanzt. Die Bäume werden bis zu 25 Meter hoch und können 200 Jahre alt

werden. Seit Mitte der 1980er-Jahre breitet sich in Europa die Miniermotte aus, die nur Rosskastanien befällt.

Ihre Raupen fressen im Inneren des Blatts. Die Blätter werden braun und sterben ab. Die Insekten überwintern im herabgefallenen Laub. (mbe)

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