Kein Puff, kein Supermarkt: Was die Freiberger am Bahnhof wollen

Mit den vielen Ideen der Bürger lässt sich der Bahnhof locker füllen. Das Konzept steht und fällt mit zahlenden Mietern, meint der Bürgermeister. Ein großer Knackpunkt sind aber die Verkehrsströme.

Freiberg.

Leben, Frequenz, Kaufkraft sollen im Freiberger Bahnhof einziehen, darin sind sich die Teilnehmer am Zukunftsworkshop und die Stadtverwaltung einig: In drei Arbeitsgruppen haben am Mittwochabend rund 30 Bürger mit Vertretern der Stadt ihre Visionen diskutiert. Unter ihnen waren etwa ehemalige Bewohner des Bahnhofes, Stadträte, ein Unternehmer, eine Künstlerin, ein Architekt, Vereinsvertreter, Mitarbeiter der Bergakademie und auch Anwohner der Bahnhofsvorstadt.

Das Innenleben: Bernt Reißig stellte klar, dass er "keinen Puff, keine Spielhalle und kein Waffengeschäft" im Bahnhof möchte. Dafür würde er gern das eingemottete Naturkundemuseum wiederbelebt haben. Breite Zustimmung fanden ein Shop für Reisebedarf, ein Spätkauf, in dem man sich rund um die Uhr Kleinigkeiten kaufen kann, sowie ein Café oder eine Gaststätte mit Freisitz, in der sich auch Eltern entspannen können, während ihre Kinder spielen. Dass die Kreismusikschule in das Gebäude einziehen könnte, fanden viele gut. Die Schule hatte im Vorfeld Interesse bekundet, eine obere Etage zu beziehen. Auch der Billard-Club Empor Freiberg hat Interesse an Räumlichkeiten. Dafür haben sich die Billardsportler Thoralf Weidner und Tim Haake in den Workshop eingebracht. Die Stadt will den Stadtordnungsdienst dort verorten, um im und am Bahnhof für mehr Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Von der Idee, einen 600Quadratmeter großen Supermarkt im Bahnhofsgebäude samt Anbau unterzubringen, hielten die Bürger nichts. Es gebe ja gegenüber bereits Rewe und Norma.

Der Spielraum: Wie viel Einfluss haben die Bürger auf die Umsetzung? Bei der Ideenfindung gebe es keine Grenzen, so Baubürgermeister Holger Reuter, der zum Workshop eingeladen hatte. "Aber das Haus muss sich tragen. Die Stadt wird keine 17 Millionen Euro als Sponsoring in den Bahnhof stecken." Das Nutzungskonzept insgesamt soll ein wirtschaftliches sein. Dafür sollen vor der Sanierung Vorverträge geschlossen werden. "Da wird sich zeigen, wer wirklich Interesse hat", so der Baubürgermeister. Die gesammelten Bürgerideen werden nun auf ihre Machbarkeit geprüft. Derweil werde mit dem Freistaat Sachsen über die Höhe der Fördermittel diskutiert, kündigte Reuter an.

Die Zwänge: Neben der Wirtschaftlichkeit setzt der Denkmalschutz der Fantasie Grenzen. So müssen etwa das Treppenhaus im Ostflügel sowie die Fassade erhalten bleiben. Ein Anbau sei laut Denkmalschutzbehörde jedoch denkbar, so Reuter. Da das Gebäude auch Bahnzwecken gewidmet ist, müssten auch Interessen der Deutschen Bahn berücksichtigt werden. Die habe beispielsweise schon signalisiert, so Reuter, das Reisezentrum behalten zu wollen.

Die Verkehrsströme: 1862 gebaut, bildete die Empfangshalle eine Achse mit der Buchstraße. Zwar hielten damals weit weniger Fahrzeuge vor dem Bahnhof, aber der Vorplatz lud zum Verweilen ein. 160 Jahre später hat sich das Verkehrsaufkommen deutlich erhöht, und Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger begegnen einander heute am westlichen Ende des Bahnhofsvorplatzes; viele queren dann schräg die Straße Am Bahnhof. Dazu kommt der Busverkehr auf der Hauptstraße. Und es fehlt ein Ort, an dem man kurz anhalten kann, um jemanden zu bringen oder abzuholen. "17 Uhr ist es dort fast lebensgefährlich, soviel ist dort los", sagt Bernt Reißig, der ab und an am Bahnhof hält. Sein Vorschlag: ein Kreisverkehr. Auch das chaotische Fahrradparken soll neu organisiert werden.

Architekt Michael Milew regte an, darüber nachzudenken, den Haupteingang an die Westseite zu verlegen, wo sich jetzt der Fahrradparkplatz befindet. Damit könnten Reisende ins Bahnhofsgebäude hinein gelenkt werden statt daran vorbei. Matthias Sauerbier brachte noch die Idee ins Spiel, die Unterführung zu den Gleisen 2 bis 4 bis hinaus auf den Bahnhofsvorplatz zu verlängern, um einfacher zu den Gleisen zu gelangen. Tim Haake regte dazu eine Gestaltung in der Art eines Bergbaustollens an. Holger Reuter hielt den Vorschlag auf Nachfrage allerdings "für sehr gewagt".

Alle Beiträge zum Freiberger Bahnhof können Sie im Internet nachlesen unter

freiepresse.de/bahnhoffreiberg

 

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