Kitas ab Montag wieder für alle offen - aber mit neuen Regeln

Feste Gruppen ohne Kontakt zueinander, Hygienevorschriften und kürzere Öffnungszeiten: Das Coronavirus verlangt Kindern, Erziehern und Eltern einiges ab.

Rochlitz/Freiberg.

Seit Mitte März wurde in den Kindertagesstätten des Landkreises lediglich die Notbetreuung gewährleistet. Diese durften nur die Eltern in Anspruch nehmen, die in systemrelevanten Berufen arbeiteten. Ab Montag dürfen wie überall in Sachsen wieder alle Kinder in die Kitas. Jedoch gelten Vorschriften, um eine Verbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Einrichtungen unter anderem in Rochlitz, Lunzenau, Burgstädt, Geringswalde und Königsfeld betreibt der Kreisverband Rochlitz des Deutschen Roten Kreuzes - mit fast 1200 Kindern und etwa 150 Beschäftigten. Am Montag beginne hier die "eingeschränkte Regelbetreuung", so Geschäftsführer Andreas Lamm. Heißt: Alle Kinder können die Kitas wieder besuchen, wenn sie keine Krankheitssymptome aufweisen. "Wir gehen davon aus, dass am Montag alle Kinder wieder in die Einrichtungen kommen", so Lamm.

Für die Kinder, die nach acht Wochen Pause wieder starten, sei es eine große Umstellung. Unter anderem ist die offene oder teiloffene Arbeit nicht mehr zulässig. Die Öffnungszeiten der Kitas werden in Abstimmung mit den Kommunen reduziert. Denn eine Vorgabe ist, dass feste Gruppen über die gesamte Betreuungszeit ohne Personalwechsel betreut werden sollen.

Die Eltern werden täglich eine Gesundheitsbestätigung vorlegen müssen. Nur ein Erwachsener darf die Kinder bringen und abholen und muss dabei in der Kindertagesstätte einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

In der Flöhaer Kindertagesstätte "Baumwollzwerge" der Volkssolidarität, Regionalverband Freiberg, stehe ab Montag das komplette Personal zur Verfügung, sagt Kita-Leiterin Nicole Tamme-Ulbricht. "Wir benötigen jede Fachkraft, um die Vorgaben aus der Allgemeinverfügung umsetzen zu können." In der Einrichtung werden 306 Kinder von 40 Fachkräften betreut. 80 Prozent der Kinder werden am Montag erwartet. Auch hier mussten die Betreuungszeiten angepasst werden, weil konstant ein und dieselbe Fachkraft in der Gruppe mit den Kindern zusammen sein müsse. "Das entspricht bei unserer regulären Öffnungszeit von 6 bis 17 Uhr einer Arbeitszeit von elf Stunden täglich und ist somit nicht durchführbar", so die Leiterin.

In der Gruppenarbeit müssten viele Abstriche gemacht werden, unter anderem, weil die offene Arbeit ausgeschlossen ist. Zum Umstand, dass die Kinder gruppenweise keinen Kontakt zueinander haben dürfen, sagt Tamme-Ulbricht: "Dies wird mit die größte Herausforderung für uns." Zu den Hygieneregeln zählt: "Unsere Eltern dürfen nur einzeln in die Garderoben eintreten." Die Eltern seien informiert. Die Kinder würden am Montag belehrt.

"Wir freuen uns darauf, dass unsere Kinder wieder in die Einrichtungen kommen dürfen", sagt Uta Leonhardt. Sie ist Geschäftsführerin des Regionalverbands Freiberg des Deutschen Kinderschutzbundes. Zum Verband gehören unter anderem Kitas in Freiberg, Halsbrücke und Hilbersdorf. Betreut werden mehr als 750 Kinder von 80 pädagogischen Fachkräften. Zwischen 90 und 100 Prozent der Mädchen und Jungen werden ab nächster Woche erwartet. "Wir benötigen eigentlich das Dreifache an Früh- und Spätdiensten", sagt Leonhardt. Denn Kinder verschiedener Gruppen dürfen zu diesen Zeiten nicht wie sonst üblich gemeinsam betreut werden. Betreut werde überwiegend in den regulären Gruppen. "Wichtig ist zum Wohle der Kinder unter den einschränkenden Bedingungen die vertraute pädagogische Fachkraft", betont Uta Leonhardt. Ebenfalls wichtig sei, dass bewusst wird: Das Personal kann sich nicht so gut schützen, trotz aller Hygieneregeln. "Der körperliche Kontakt ist - vor allem in der Krippe - für die Kinder existenziell."

Andreas Wernicke aus Hainichen, Vater zweier Kinder im Krippen- sowie im Grundschulalter und Mitglied im Kita-Elternrat, spricht von positiven Erwartungen in der Elternschaft. Die Vorfreude sei da - auch wenn noch viele Fragen offen seien, etwa, wie es zu den Stoßzeiten beim Bringen in die Kita funktioniere. "Viele werden froh sein, wenn wieder ein normaler Alltag einkehrt und Arbeit den Familien abgenommen wird", glaubt er. Zudem hätten vor allem den älteren Kindern in den vergangenen Wochen die sozialen Kontakte immens gefehlt.


"Eltern haben Schließzeit mit Besonnenheit bewältigt"

Im Landkreis Mittelsachsen gibt es laut André Kaiser, Pressesprecher des Landratsamtes, insgesamt 268 Kindertageseinrichtungen. Manche sind jeweils nur Hort-Einrichtungen, Kindergärten oder Krippen, andere Kombinationseinrichtungen. Zusätzlich sind im Landkreis 50 Kindertagespflegepersonen tätig, die bis zu fünf Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren betreuen. Im Kreis werden rund 23.400 Kinder im Alter bis 10,5 Jahre betreut.

Zur Notbetreuung hat der Freistaat Sachsen in den vergangenen Wochen eine wöchentliche Abfrage durchgeführt. Zum Stichtag 6. Mai lag die Quote von Kindern in der Notbetreuung im Kindergarten und der Krippe bei rund 28 Prozent. Die Quote bezieht sich nur auf Einrichtungen, die sich an der Abfrage beteiligt haben, verweist Landratsamtssprecher Kaiser. Zahlen zu Kindern in der Kindertagespflege wurden nicht erhoben, denn diese Stellen haben schon seit 4. Mai wieder regulär geöffnet.

Das Landratsamt habe in den vergangenen Wochen ein enormes Aufkommen an Anfragen registriert, von Eltern, Kita-Personal, Kita-Trägern, Unternehmern und Netzwerkpartnern. "Über die vielfältigen Anfragen ist der Eindruck entstanden, dass die Eltern mit viel Geduld, Besonnenheit und einem hohen persönlichen Engagement die Kita-Schließzeiten bewältigt haben, unabhängig davon, ob sie die Notbetreuung nutzen konnten oder die Kinderbetreuung zuhause sichergestellt haben", sagt Heidi Richter, Abteilungsleiterin Jugend und Familie. (fmu)


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