Kitas: Gemeinden zahlen Löwenanteil

Im Vergleich der aktuellen Elternbeiträge für die Kinderbetreuung ist Flöha teuer und Oederan preiswert. Viel Spielraum haben die Kommunen aber nicht.

Augustusburg.

Nachdem Berlin als erstes Bundesland die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung zum Monatsbeginn abgeschafft hat, ist das Thema wieder auf die politische Tagesordnung gerückt.

Als der Augustusburger Stadtrat über die Erhöhung der Elternbeiträge ab 2019 abgestimmt hat, gab es auch dort Stimmen, die eine kostenlose Kinderbetreuung forderten. Augustusburg gehört zu den Kommunen im Altkreis Flöha, die wegen gestiegener Betriebskosten ab nächstem Jahr die Beiträge anheben. Flöha und Leubsdorf haben ebenfalls eine Erhöhung der Elternbeiträge angekündigt, wenngleich die exakte Höhe noch nicht feststeht.

In Oederan bleiben die Elternbeiträge 2019 unverändert, für 2020 ist eine Erhöhung aber wohl unvermeidlich, sagt Hauptamtsleiter Kevin Thiele und nennt als Gründe steigende Sachkosten sowie die jüngsten Tarifabschlüsse, die den Erziehern im Öffentlichen Dienst schrittweise höhere Gehälter beschert haben. Eppendorf ist die einzige Kommune, die ab 2019 die Elternbeiträge senkt - in der Krippe um 5 Euro für eine neunstündige Betreuung, im Kindergarten und Hort um je 3Euro monatlich.

Grundsätzlich finanziert sich ein Krippen-, Kita- oder Hortplatz aus dem Elternbeitrag, einem Landeszuschuss und dem Beitrag der Kommune beziehungsweise dem Eigenanteil des Kita-Trägers. Der Landeszuschuss vom Freistaat beträgt konstant 2295 Euro pro Kind und Jahr. Das sind 191,25 Euro monatlich pro Platz. Berechnungsgrundlage ist eine neunstündige Betreuung. Der Elternbeitrag bemisst sich an den Betriebskosten, deren Löwenanteil die Personalkosten sind.

Das sächsische Kindertagesstättengesetz legt fest, dass für einen Krippen-Platz zwischen 20 und 23 Prozent der Betriebskosten auf die Eltern umgelegt werden können, für einen Kita- oder Hortplatz zwischen 20 und 30 Prozent. Genau hier liegt der Entscheidungsspielraum der Kommunen bei der Festlegung der Elternbeiträge. Den Löwenanteil der Kosten für einen Betreuungsplatz schultern sowieso die Städte und Gemeinden.

Der Augustusburger Kämmerer Jörg Einert hat anhand der Betriebskostenabrechnung des Jahres 2017 ausgerechnet, dass ein Krippenplatz in den beiden städtischen Kitas bei neun Stunden Betreuung rund 1023Euro im Monat kostet. Davon übernimmt der Freistaat mit seinem Landeszuschuss rund 198 Euro. Der Elternanteil beträgt ab kommendem Jahr 210 Euro. Das sind 15 Euro mehr als bislang und 20,5Prozent der Gesamtkosten. Die Stadt zahlt demnach rund 615 Euro für diesen Krippenplatz.

Neben der Forderung nach einer kostenlosen Kinderbetreuung gab es im Stadtrat aber auch Stimmen, die der Verwaltung für die Erhöhung den Rücken stärkten. Letztlich wurden die neuen, höheren Elternbeiträge ab 2019 mit zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen beschlossen.

In Flöha wird es keinen Stadtratsbeschluss geben. Hier sind die Prozentsätze der Elternbeiträge festgeschrieben. Sie betragen für die Krippe 20 Prozent, für Kita und Hort je 25Prozent. Die Höhe der Elternbeiträge ergibt sich damit alljährlich automatisch auf Grundlage der zuvor veröffentlichten Betriebskosten aus dem vorangegangenen Jahr.

Neben den Beiträgen für die Kinderbetreuung müssen die Eltern noch die Kosten für das Essen ihrer Schützlinge kalkulieren. Die Beträge schwanken je nach Essen-Anbieter und Ausgabemodus. Mit 3 bis 4Euro pro Tag, also 60 bis 80 Euro pro Monat sollten Eltern rechnen.

Die Städte und Gemeinden fordern seit langem eine stärkere Beteiligung des Freistaates an den Kosten der Kinderbetreuung. Der Landeszuschuss ist trotz stetig gestiegener Betriebskosten seit Jahren unverändert. Das heißt, praktisch ist der Beitrag des Freistaates gesunken. Nun steigt der Landeszuschuss erstmals wieder - ab September zunächst auf 2455 Euro pro Kind und Jahr und ab Juli 2019 um weitere 270 Euro. Mehr noch: Sachsens SPD-Führung hat erklärt, dass die kostenlose Kinderbetreuung wie in Berlin ein Thema im kommenden Landtagswahlkampf sein könnte. (mit kbe und dahl)

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1Kommentare
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  • 1
    0
    cn3boj00
    15.08.2018

    "Viel Spielraum haben die Kommunen aber nicht" - was will uns der Schreiber hier sagen? Die Kommunen haben sehr viel Spielraum! Wenn sie wollen können sie sogar die Kosten komplett übernehmen und kostenlose Kita-Plätze anbieten! Das ist sehr viel Spielraum, finde ich. Ob sie das Geld haben oder aber lieber für andere Dinge (manchmal auch sinnlose) ausgeben steht natürlich auf einem anderen Blatt.



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