Knabenchor Freiberg: Hoffnung auf Reanimation

Bekommt das aufgelöste Ensemble eine Chance? Der Gründer und Eppendorfer Kantor Wolfgang Eger probte nach dem Aus des Chors 2017 mit einigen Sängern weiter.

Eppendorf/Freiberg.

Steht der Freiberger Knabenchor, den die Musikschule vor einem Jahr durch einen gemischten Kinderchor ersetzt hat, vor der Wiederbelebung? Damals löste der Schritt in Freiberg gemischte Gefühle aus. Nicht zuletzt der Gründer, der Eppendorfer Kantor Wolfgang Eger, der den Chor ab 1993 aufbaute und bis 2011 leitete, zeigte sich entsetzt vom Aus für das, wie er es empfand, kulturelle Aushängeschild der Stadt. Nun mehren sich die Signale dafür, dass Freiberg wieder ein solches Aushängeschild bekommt.

Dahinter stehen engagierte Eltern - und abermals Eger. Der hat nach wie vor keinen Frieden mit der Entscheidung der Musikschule geschlossen. "Ein Knabenchor ist etwas Besonderes", sagt Eger. Jungen übernahmen Alt- und Sopranstimmen. Das ergibt einen besonderen Klang. Eger: "Ein gemischter Kinderchor ist da kein Ersatz."

Die Musikschule hatte den Schritt damals etwa damit begründet, dass sich Jungen schwer fürs Singen begeistern ließen, sich zu wenig Nachwuchs fände. Zudem gab es Berichte über mangelnde Disziplin. Beide Argumente lässt Eger nicht gelten. Zum Thema Disziplin findet er: "Jeder Lehrer in der Schule muss sich damit auseinandersetzen und Lösungen finden, die es durchaus gibt." Auch der Nachwuchs sei nicht das Problem: "Potenzial für einen Knabenchor ist vorhanden." Eger verweist auf die Jungen im jetzigen Kinderchor - und die Sänger, die er selbst unter seine Fittiche genommen hat.

Mehrere Eltern waren zu Jahresanfang an ihn herangetreten. Eltern wie Beatrix Carl, deren Sohn bei einem, wie sie sagt, anspruchsvollen Chor singen möchte. Eger erhörte die Bitten der Eltern. Alle 14 Tage traf man sich in der Jakobikirche zur Probe. Ende Mai war es soweit. Vor den Bewohnern im Seniorenheim Johannishof intonierten 15 Knaben- und Männerstimmen Frühlings- und Volkslieder - vierstimmig.

Nur eine einmalige Angelegenheit? Der Traum von der Reanimation des Chores schien greifbar. Nur: Ehrenamtlich konnte und wollte Eger, im Alter von mehr als 70 Jahren neben der Eppendorfer Tätigkeit zudem noch Chorleiter in Oberschöna, diese Aufgabe nicht auf Dauer stemmen. Im neuen Schuljahr müsse ein neuer Chorleiter gefunden werden, sagt Eger. Für eine Wiederbelebung des Chores fehlten Trägerschaft, finanzielle Unterstützung, eine solide Basis und vieles mehr. In jenen Tagen schwang in seiner Stimme eine Portion Skepsis mit. Doch die Eltern gaben nicht auf. Und sie sind, was die Chorleitung betrifft, in Gesprächen, die zuversichtlich stimmen, berichtet Beatrix Carl. Wie sich das alles finanziell stemmen lässt, muss sich zeigen.

Im Freiberger Rathaus beobachtet man die Aktivitäten wohlwollend. Förderung sei - je nach Haushaltlage - durchaus denkbar. Und als Trägerschaft komme der aktuell ruhende Förderverein des Chors infrage, sagt eine Sprecherin - verknüpft mit dem Hinweis, dass "die Stadt auch Mitglied ist". Und selbst die Musikschule lehnt eine Wiederbelebung des Chores nicht rundheraus ab.

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