Kostenexplosion bei Brückenneubau

Die neue Kirchenbrücke wird sehr viel teurer als geplant. Trotzdem stimmte der Stadtrat zu, weil das finanzielle Risiko nicht das größte Problem ist.

Flöha.

Trotz erheblicher Mehrkosten von rund 1 Million Euro hat der Stadtrat in Flöha den Zuschlag für den Bau der neuen Kirchenbrücke erteilt. Gleich in der ersten Sitzung mussten die im Mai neu gewählten Stadträte am Donnerstagabend eine Entscheidung mit enormer finanzieller Tragweite treffen.

Denn es ist ungewiss, ob die Stadt Flöha zusätzliche Fördermittel bekommt oder ob die 1 Million Euro aus dem eigenen Haushalt bezahlt werden müssen. Das hätte zur Folge, dass die Stadt entweder andere Investitionen kürzen und verschieben oder Geld aus der Rücklage nehmen muss. Oder, und diese Variante gab die Kämmerin Janet Pentke den Räten als Überlegung mit, dass der Millionen-Betrag mit einem Kredit finanziert wird. Das hatte auch Dieter Grunert (Linke) vorgeschlagen. "Es wäre der erste Kredit seit vielleicht zwanzig Jahren", so die Kämmerin, die zudem auf die aktuell extrem niedrigen Zinsen verwies und sagte, dass nicht die ganze Million, aber vielleicht die Hälfte per Kredit finanziert werden könne.


Die neue Kirchenbrücke wird also gebaut und sie wird voraussichtlich statt der geplanten 1,7 Millionen rund 2,7 Millionen Euro kosten. Vier Angebote hatte die Stadtverwaltung vorliegen, die sich nach Aussage von Bauamtsleiter Andre Stefan nicht wesentlich unterschieden. Er verwies darauf, dass die letzte Kostenschätzung vom Sommer 2018 stammt, auf deren Basis im vergangenen Herbst die Fördermittel beantragt wurden. Vor allem die rasant steigenden Preise im Tiefbau und im Ingenieurbau sowie die weiterhin sehr gute Auftragslage seien Schuld an der gewaltigen Kostensteigerung. 14 Firmen, so Stefan, haben die Ausschreibungsunterlagen angefordert, nur vier davon haben auch ein Angebot abgegeben.

Die kurze Diskussion im Stadtrat ließ erahnen, dass manche Räte angesichts des finanziellen Risikos nur zähneknirschend zugestimmt haben. Romy Penz (AfD) forderte, dass Baukosten von Planern realistischer kalkuliert werden müssen. "Da müssen wir künftig genauer hinschauen." Gunter Pech (CDU) nannte die Kostenexplosion eine "bittere Pille". Der Vorschlag von André Quaiser (FDP), den vor gut drei Jahren beschlossenen Brückenneubau zu verschieben, bis Gewissheit über eine Förderung der Mehrkosten herrscht, fand im Rat indes kaum Gehör. Nur die beiden FDP-Stadträte stimmten gegen die Vergabe des 2,7-Millionen-Euro-Auftrages.

Die neue Kirchenbrücke hat einen schlankeren Mittelpfeiler und damit bei Hochwasser mehr Durchflusskapazität. Sie ist der letzte Hochwasserschutzbaustein für die Innenstadt. Wenn es keine Einsprüche gegen den Zuschlag gibt, wird die beauftragte Firma aus Hainichen voraussichtlich Mitte September mit dem Bau beginnen. Geplant ist, dass die neue Kirchenbrücke im Dezember 2020 fertig ist.

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