Kunst zur Entspannung und Heilung

Niederwiesaer Hobbymalerin berichtet über ihr ungewöhnliches Atelier in freier Natur, ihre Liebe zum Malen und ihren Weg ins grüne Glück

Niederwiesa.

Zu Pfingsten öffnen zahlreiche Ateliers bei "Kunst offen" in Sachsen für Schaulustige ihre Türen. Franziska Bäßler sprach mit Kathi Schmidt-Stagge über Kunst, Natur und die perfekte Maltechnik. Denn für die Niederwiesaer "Galerie hinterm Gartenzaun" ist die Aktion eine Premiere.

Freie Presse: "Galerie hinterm Gartenzaun", was verbirgt sich hinter diesem Namen?


Kathi Schmidt-Stagge: Es ist so, dass ich eigentlich kein richtiges Atelier habe. Vergangenes Jahr zum Dorffest hatte ich schon ein paar Bilder in der Turnhalle ausgestellt. Und da nun die großen Bäume aus unserem Vorgarten verschwunden sind und somit genügend Platz ist, kam mir die Idee, meine Bilder einfach im Garten zu präsentieren. Hier kommen sie nun an der Hauswand oder zwischen den Blumen und Sträuchern zur Geltung. Deswegen "Galerie hinterm Gartenzaun".

Was erwartet die Besucher?

Schmidt-Stagge: Voraussichtlich werden zwischen 50 und 60 Bilder ihren Platz finden, die in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Ich zeige Ölgemälde, aber auch Grafiken - vor allem Bilder, die mit Pastellkreide gemalt wurden. Außerdem laden wir zwischen 16 und 18 Uhr Kinder zum Experimentieren mit Pflanzenfarbstoffen ein. Die Kinder können sich von den leuchtenden Farbtönen der Pflanzen zu eigenen Gestaltungen inspirieren lassen.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Kunst?

Schmidt-Stagge: Seit frühester Kindheit interessiere ich mich für das Malen. Habe schließlich in Greifswald und Dresden Geschichte und Kunst auf Lehramt studiert. Für mich ist das Malen vor allem etwas zum Entspannen. Ich setze mich in die Natur, nehme alles wahr und versuche, es auf das Bild zu übertragen. Wenn ich später das Bild wieder in der Hand halte, kann ich mich an den Duft erinnern, der in der Luft lag, oder an das Lüftchen, das geweht hat. Wie eine Momentaufnahme des Augenblicks. Ich versuche, mich so an den schönen Dingen des Lebens zu erfreuen. Denn ich bin dankbar, dass es mich überhaupt noch gibt.

... wie meinen Sie das?

Schmidt-Stagge: Als ich vor sieben Jahren an Krebs erkrankte, sah es nicht gut für mich aus. Ich habe mich schulmedizinisch behandeln lassen und überlebt. Doch mein Körper war trotzdem kaputt. Deswegen habe ich mich in dieser Zeit eingehend mit dem Thema Gesundheit, Natur und Ernährung beschäftigt, bin in die Natur gegangen und habe mir essbare Sachen gesucht. Die wild wachsenden Pflanzen haben mir nach der Chemotherapie tatsächlich meine Geschmacksnerven wiedergebracht.

Also Malen als Therapie?

Schmidt-Stagge: Lange Zeit konnte ich leider gar nicht malen, da meine Finger fast taub waren. Wenn es möglich war, auf jeden Fall auch eine Art Therapie.

Welche Maltechnik bevorzugen Sie?

Schmidt-Stagge: Pastellkreide. Die ist so dankbar. Man kann einfach aufhören und ein andermal weiter malen. Früher habe ich auch mit Öl gemalt, aber seit meiner Krankheit nicht mehr.

Ihrem Dialekt zufolge stammen Sie nicht aus Niederwiesa?

Schmidt-Stagge: Nein, ich komme ursprünglich aus Stralsund, mein Mann aus Schwarzenberg. Wir hatten uns beim Studium kennengelernt. Da er Arbeit in Chemnitz gefunden hatte, haben wir als Wohnort das Umland ausgesucht. Die Stadt wäre nicht in Frage gekommen. Für mich war es schon nicht leicht, das Meer zu verlassen. Allerdings wohnen wir nun schon 20 Jahre in Niederwiesa und sind hier heimisch geworden.

Arbeiten Sie auch mit anderen Künstlern zusammen?

Schmidt-Stagge: Als Künstlerin würde ich mich nicht bezeichnen, eher als Hobbymalerin. Natürlich kenne ich den ein oder anderen Künstler persönlich, arbeite aber lieber für mich allein.

Welche Ziele verfolgen Sie mit ihrer Kunst?

Schmidt-Stagge: Ich selbst möchte die Natur dadurch intensiver wahrnehmen, mich entspannen. Es ist wie eine Heilung. Dem Betrachter möchte ich diese Naturverbundenheit vermitteln. Meine Motive stammen meist aus der Natur. Es gibt aber auch Portraits.

Nachdem sie krankheitsbedingt Ihre Arbeit als Lehrerin aufgeben mussten, wie geht es für Sie beruflich weiter?

Schmidt-Stagge: Die letzten Jahre habe ich mich um meine Genesung kümmern müssen und meine zwei Kinder genossen. Denn der Arzt sagte damals, kümmern Sie sich lieber um sich und ihre Familie. Doch nun sind beide fast erwachsen. Im Herbstsemester biete ich erstmals an der Volkshochschule an, mein Wissen in einem Kurs und einem Vortrag zu teilen. Jedoch nicht in Bezug auf Malerei, sondern in gesunder Lebensweise. www.green-luck.de


Ausstellungen an Pfingsten

250 Künstler in Sachsen öffnen ihre Ateliers. In der Region Flöha sind es:

Augustusburg: Rolf Büttner, Plastik/Skulptur, Keramik/Porzellan, Alte Dorfstraße 15a, So 10-18 Uhr; Altstadtkunstfest, zahlreiche Künstler präsentieren auf dem Markt ihre Werke, So ab 11 Uhr

Kirchbach: Constanze Riedel-Sturge, Karin Baumann-Elterlein und Jana Günther, Malerei, Textil, Grafik, Schmuck, Dorfstraße 23, So 10-18 Uhr

Niederwiesa: Kathi Schmidt-Stagge, Malerei, Grafik, Karl-Marx-Str. 13, So 10-18 Uhr; Lichtblau, Malerei, Grafik, Dresdner Str. 54, So und Mo 10-18 Uhr

Oederan: Die Weberei, Rolf Büttner, Dorothea Linke, Sybille Glöß, Günter Wittwer, Volkskunstschule, Malerei, Textil, Plastik/Skulptur, Keramik/Porzellan, Markt 6, Mo 12-17 Uhr

Chemnitz: Benita Martin, ADA Dimensionsmalerei, Annaberger Str. 399, Sa 10-18 Uhr; Ronald Weise & Cornelia Zabinski, Malerei, Grafik, Fotografie/Video, Bernsdorfer Str. 65, So u. Mo 10-18 Uhr

www.kunstoffeninsachsen.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...