Läuft wie am Schnürchen

Im aktuellen Stück des Sommertheaters Falkenau spielten Marionetten eine große Rolle. Der aktuelle Bezug war nicht geplant.

Die Marionetten: Schweinehirt (Bernd Findeisen), Kasper (Manja Mann), Soldat (Uwe Fischer) und Ballerina (Madleine Oehme).

Das Falkenauer Sommertheater ist auch im achten Jahr ein Selbstläufer. Alle Vorstellungen im Freibad Falkenau ausverkauft, ein begeisterndes Theaterwochenende mit gut 1000 Zuschauern. Regisseur Silvio Neumann kann mehr als zufrieden sein. Selbstzufriedenheit aber sei das nicht, sagt Neumann. Für ihn war das Stück "Marionetten" eines von vielen, für viele Zuschauer war es wohl das bislang beste Stück des Ensembles, sagt Silvio Neumann. So jedenfalls waren die ersten Reaktionen.

Das Sommertheater hat sein Pu-blikum diesmal in eine Welt der Marionetten entführt und in die Werkstatt des Puppenspielers Peter Lustig (Peter Pötzscher). Die antiquarisch und verstaubt wirkenden Puppen - Kasper (Manja Mann), Schweinehirte (Bernd Findeisen), Soldat (Uwe Fischer) und Ballerina Tänzerin (Madeleine Oehme) - sind das Einzige, was Peter Lustig noch hat, seine Familie und seine Freunde. Damit beginnt ein Wechselspiel zwischen Realität und Fantasie, das sich durchs gesamte Stück zog. Die Marionetten steigen von ihrer Wand, haken den schlafenden Peter Lustig ein und tanzen mit ihm.

Das Stück nimmt Fahrt auf, als die scharf sinnierende Gaunerin (Heike Wiedrich) und ihr elegant gekleideter Lakai Oleg (Ronny Höthe) die Puppenspielerwerkstatt betreten, um Lustig ein unwiderstehliches Angebot zu unterbreiten. In dieser Szene wird erstmals das Grundthema des Stückes deutlich: die Frage, wie sich jeder einzelne als Marionette für die Interessen anderer benutzen lässt. Dass dieses Thema mit den Ereignissen in Chemnitz zum Zeitpunkt der Aufführung derart aktuell sein könnte, habe man bei den Proben im Januar nicht ahnen können, so Neumann.

Lustig lehnt die Überschreibung seines Grund und Bodens an den dubiosen Auftraggeber der Gaunerin ab und wirft sie aus seiner Werkstatt. Das Geschäft droht zu platzen, weshalb die Mädchengang aus dem berüchtigten Viertel der Stadt engagiert wird, um dem Alten klar zu machen, dass er keine Wahl hat. Die Gang zieht los und trifft in der Werkstatt auf die behinderte Sophie (Dana Hinz). Aus der geplanten Verbrennung der letzten Marionetten der Stadt wird eine fantasievolle Dreiecksbeziehung zwischen dem behinderten Kind, den Marionetten und der Gang. Inspiriert durch die Magie der Marionetten schmieden die Mädchen einen Plan.

Auch in seinem aktuellen Stück kann Neumann nicht mit seiner kritischen Haltung der Kirche gegenüber hinter dem Berg halten. So entpuppt sich schlussendlich der ehrenwerte Herr Bischof als dubioser Auftraggeber, der an die Immobilie des Marionettenspielers kommen möchte. Das Stück endet mit einem beinahe zu schnulzigen Happy-End. Die vier Mädchen erhalten von Peter Lustig die Federführung für das neu gegründete generationsübergreifende Kulturprojekt, welches dank der erzwungenen, großzügigen Spende des Bischofs, gute Erfolgsaussichten hat. Die Marionetten verlieren ihr angestaubtes Image und erstrahlen in einer modernen Show.

"Das Stück trifft zufällig in eine Zeit, in der sich viele Leute selbst hinterfragen sollten, inwieweit sie sich gerade als Marionetten für sehr fragwürdige Zwecke instrumentalisieren lassen um einen geschürten Hass auf die Straße zu bringen", sagt Silvio Neumann. Das Stück für das kommende Jahr sei bereits zu 75Prozent fertig, sagt der Regisseur. Verraten wird freilich noch nichts. Nächster Höhepunkt ist das Adventsstück, das am zweiten Adventssamstag diesmal im Ferienhof Falkenau aufgeführt wird. (mbe)

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