Landschaftbilder bestechen durch ungewöhnlichen Blick

Der Frankenberger Architekt und Maler Olaf Sporbert ist einer der regionalen Künstler, deren Ansichten den Kalender "Augustusburg 2018" zieren.

Augustusburg/Frankenberg.

Berufliche Kombinationen sind nicht selten: Schauspieler und Musiker, Journalist und Buchautor, Architekt und Maler. Aber ist das auch zwangsläufig?

Für den Architekten Olaf Sporbert ist diese Frage nicht so einfach zu beantworten. "Ausgleich zur Arbeit suche ich eher im Sport", sagt der Frankenberger, erzählt vom Paddeln und zeigt in seinem hellen Atelier auf das schmucke alte Fahrrad vom Vater. "Der ,Diamant'-Rahmen stammt aus dem Jahr 1925. Alles drum herum ist wieder richtig solide aufgebaut." Malen ist für Olaf Sporbert eher Muße, für die jedoch nicht immer Zeit ist. "Ich muss mich dafür nach meiner Firma und nach der Abarbeitung vorliegender Aufträge richten. Wenn ich dann unter Druck stehe, mangelt es an Inspiration."

Trotzdem gibt es immer wieder Bezüge zwischen Broterwerb und der Kunst. "Ein Stück weit gehört Malen zum Berufsbild. Bilder sind die Sprache des Architekten." Zeichnungen, selbst in den heute üblichen 3D-Modellen, nähmen einen großen Stellenwert ein. "Gegenüber meinen Kunden muss ich mich mit Hilfe einer Zeichnung sehr schnell artikulieren", sagt Sporbert und führt vor, dass Handgemachtes auch auf einem Tablet eine gute Figur macht. "Mit relativ einfachen Mitteln kann ich damit etwas visualisieren", sagt der Frankenberger. Insofern helfen ihm Malerei und Grafik dabei, in seinem Handwerk voran zu kommen. "Wichtig ist in meinem Metier, dass sich die Vorstellungen des Bauherren und die des Architekten in einem Prozess zusammen entwickeln." Dafür seien Bilder ein geeignetes Medium. "Architektur lebt vom Gesehenen", so Sporbert. "Es ist wichtig sofort zu erfassen, welche Wirkung etwa ein Baukörper in einer Umgebung hat." Mit einer vagen Skizze sei er dabei mitunter schneller am Ball als mit einem bis ins Detail ausgearbeiteten Projekt. Wichtig sei ihm aber, nicht doktrinär daherzukommen, sondern den Bauherrn stets mitzunehmen.

Der gebürtige Marienberger studierte von 1986 bis 1991 an der Bauhaus Universität in Weimar, war dann bis 1995 als Architekt in Chemnitz, Plauen und Hof angestellt. Seither ist er als freischaffender Architekt in Frankenberg ansässig. Das Studium über die Wende hinweg war für Olaf Sporbert eher eine Bereicherung denn ein Einschnitt durch die politischen Umwälzungen. "Es war eine Generalistenausbildung. Von den Grundlagen profitiere ich bis heute. Wir mussten auch Häuser berechnen wie Bauingenieure. Das war eine anspruchsvolle, aber gute Schule." Viele Aufträge realisiert er derzeit für die öffentliche Hand, Schulbauten, auch Coworking Spaces für gemeinsames, intensives Arbeiten. Das hält den Fachmann nicht davon ab, tradierte Wohnmodelle auf den Prüfstand zu stellen. "Ich glaube, dass unsere aktuelle Abgrenzung durch Einfamilienhäuser nicht der richtige Weg ist", sagt Sporbert. Doch was wäre sein Vorschlag? "Flexibel in einer anderen Struktur wohnen, mit einem privaten Wohnbereich und einem Gemeinschaftsareal", schlägt der Architekt Sporbert vor. Eine Art Alters-WG hatte er in Chemnitz geplant.

Der Maler wiederum ist am liebsten mit seinen Künstlerkollegen Dietmar Weickert, Uwe Bayer oder Johannes Voßler unterwegs. "Ich arbeite gern mit verschiedenen Techniken und Materialien. So entstehen neben Zeichnungen und Aquarellen auch Acrylbilder." Mal ist die Farbe pastös aufgetragen. Dann wieder schaut teils die Leinwandstruktur hervor. Immer wieder lotet Olaf Sporbert in seinen Arbeiten das Spannungsverhältnis zwischen Natur und Urbanität aus. "Ich mag den Gegensatz", sagt er und nennt als Beispiel eine reizvolle Brückengeometrie in der Landschaft. "Wahrscheinlich hat das mit meinem Beruf zu tun", vermutet er.

Sporberts Oktober-Blatt für den diesjährigen Augustusburg-Kalender entstand bei dem gemeinsamen Pleinair, bei dem auch Dietmar Weickert seinen Blick von Süden auf das Bauwerk malte. Von stilsicherer Hand klar strukturiert steigt die Landschaft an bis hin zur thronenden Augustusburg. "Der Umgang mit Licht ist immer anspruchsvoll, damit Raffinesse hineinkommt", sagt der Maler. "Sonst ist ein Bild schnell tot." Früher nannten sich die drei Frankenberger Bayer, Weickert und Sporbert scherzhaft selbst "Mittwochsmaler". Doch inzwischen sind sie eher dienstags in der näheren Umgebung auf Tour. "Oft führen wir dann interessante Gespräche mit Leuten vor Ort. Und immer wieder suchen wir uns auch Motive, die vielleicht zu dem Kalender passen." Ehrensache also, dass Olaf Sporbert auch für 2019 etwas einreicht. Nicht vergessen: Redaktionsschluss ist der 29. September.

Serie Alle bisher erschienenen Beiträge über Künstler, die am Kalender beteiligt waren, finden Sie im Internet. www.freiepresse.de/kalender2018

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