Landwirte beklagen falsche Darstellung ihrer Arbeit

Wahlen 2019 Die Debatte über den Einsatz des Unkrautmittels Glyphosat in der Landwirtschaft ist ein Wahlkampfthema. Die Bauern sorgen sich nicht nur deshalb um ihren Ruf.

Breitenau.

Die Landwirte aus der Region machen sich Sorgen. Das wurde am Donnerstagabend während einer Gesprächsrunde mit den beiden Landtagskandidaten der Freien Wähler, Klaus Büttner aus Oederan und Dr. Mario Stein aus Penig in Breitenau deutlich. Anwesend waren Geschäftsführer von vier Agrar- und einem Technikbetrieb. Die Kandidaten wollten vor allem zuhören, um daraus politische Argumente für ihren Wahlkampf abzuleiten.

Zu hören bekamen sie eine breite Themenpalette. Es ging um die Ernährungssicherheit in Deutschland, um Umweltschutz und Klimapolitik bis hin zur Gentechnologie oder Rindfleischexporte aus den USA und Südamerika. "Wird über die Landwirtschaft berichtet, geht es regelmäßig um Genmanipulation, Glyphosateinsatz oder Gülleausbringung. Es wird von unserer Arbeit ein völlig undifferenziertes Bild mit zumeist konträr verstanden Schlagworten gezeichnet", ärgert sich Hans-Jürgen Gerlach, Chef der Agrozuchtfarm in Breitenau über die öffentliche Debatte und über Medienberichte. "Sachliche Argumentationen kommen viel zu kurz, der Verbraucher wird wenig oder gar nicht mit Fakten informiert. Es werden Diskussionen von Leuten geführt, die sich kein Bild vor Ort machen - also bei uns", so der Geschäftsführer. Aktuell werde das Thema Landwirtschaft häufig auf das Thema Pflanzenschutz reduziert, ohne dabei Wirkprinzipien der eingesetzten Stoffe oder die sehr strikten Einsatzvorschriften zu erklären. "Wer weiß schon, dass in Deutschland strengste Auflagen existieren, wie und auf welchen Flächen die Dosierung zu handhaben ist", sagt Andreas Petschke von der Erzeugergenossenschaft Bega in Gahlenz. "Glyphosat - das sind für die Leute vor allem die Gerichtsberichte aus den USA", sagt er


Aus Sicht der Landwirte sind viele Berichte vorbelastet. So würden zum Beispiel immer die gleichen Fotos von Gülle ausbringenden Grubbern oder Glyphosat spritzenden Maschinen gezeigt. "Wo sind die Beiträge, die davon berichten, in welcher guten Qualität von uns Milch erzeugt wird, wie wir deutschlandweit nachgefragte Braugerste dreschen und unbelastetes Fleisch für die Direktvermarktung züchten oder Öle für gesunde Ernährung produzieren?" Das fragte Andreas Petschke in die Runde. Er vermisse Gespräche und Informationen, in denen gezeigt werde, "wie wir unseren, von einer längst gläsernen Landwirtschaft bestimmten Beitrag leisten, den Kunden regionale Erzeugnisse anzubieten, die quasi vor der Haustür nach allen Auflagen und Vorgaben produziert werden." Dabei zeigte sich die Runde durchaus einig darin, dass regionale bäuerliche Berufsverbände aber mitunter auch die Unternehmen selbst in der Vergangenheit zu wenig in Sachen Verbraucherinformation unternommen haben.

Maxim Steinhardt von der Agrargenossenschaft Memmendorf zeigte sich über die Ernährungssicherheit in Deutschland und speziell in Sachsen besorgt. "Einst konnte sich das Land weitgehend selbst versorgen. Doch landwirtschaftliche Flächen würden immer weiter zurückgedrängt, die Produktion von Lebensmitteln ins Ausland verlagert, so der Vorstandschef. "Wir verfügen beispielsweise in Sachsen über keinen weltmarktfähigen Schlachthof, es hat zurückliegend immer weniger Investitionen in Verarbeitungs- und Veredelungsbetriebe gegeben, Zucker- und Speiseölraffinerien in Mitteldeutschland stehen zur Disposition." Die Entscheidung der Bundesregierung, mehr amerikanisches Rindfleisch zu importieren, um Strafzölle auf deutsche Autos zu vermeiden hätten erhebliche Folgen für die hiesigen Fleischerzeuger. "Dazu kommen auch noch die mit Südamerika vereinbarten Importe", klagt Steinhardt. Gegen diese massenhaft und billig produzierten Erzeugnisse werde es noch schwerer für hiesige Produzenten. Steinhardt sagte aus der langjährigen Erfahrung der Direktvermarktung, dass Kunden längst nicht bereit sind, regional erzeugtes Fleisch zu kaufen. "Marktforschungen zeigen, dass 75 Prozent der Käufer sich allein am Preis orientieren."

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