Leon und seine Schutzengel

Rund 250 große und kleine Sportler zeigten gestern beim Spendenlauf in Siebenlehn: Sie haben ein Herz für Menschen bewahrt, die manchmal Hilfe brauchen.

Siebenlehn/Nossen.

Leon Broggio hat blaue Augen, einen verschmitzten Blick, trägt die blonden Haare seitlich und hinten kurz geschnitten. Als er vorbeiläuft, winkt er Freunden fröhlich zu. Er schwitzt, denn ist er schon achtmal um den Siebenlehner Sportplatz gerannt. Doch eine Runde geht noch.

Wer ihn nicht kennt, würde nicht ahnen, dass Leon Broggio eine besondere Rolle hat beim Schutzengellauf in Siebenlehn. Sein Alltag ist nicht ganz so wie der anderer Jungs in seinem Alter. Das geht schon damit los, dass er anderen Menschen lieber nicht die Hand gibt. Die Gefahr einer Infektion ist zu groß. Er muss viermal täglich inhalieren, schluckt seit Jahren Antibiotika, absolviert täglich Therapien und meldet sich alle drei Monate in der Uni-Klinik in Dresden. Leon Broggio hat Mukoviszidose, eine Erbkrankheit, bei der ein zähes Sekret regelmäßig Lunge, Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm verstopft. Leon kämpft, berichtet sein Vater Uwe Dilßner. Doch Mukoviszidose geht mit vielen Infektionen einher. Nicht immer geht es ihm so gut.

Seine Mutter Annett Broggio aus Nossen hat den Spendenlauf in Siebenlehn ins Leben gerufen, um mit den eingeworbenen Geldern den Mukoviszidose-Verein Bonn zu unterstützen. Freunde wie Sylke Schnobl haben auch diesmal geholfen, dass die Organisation wieder wie am Schnürchen klappte. Dass wieder viele Menschen zum Sportplatz kamen. Dass am Ende 250 Läufer von 60 Laufgruppen mehr als 2500 Runden schafften.

Die stolze Spendensumme: mehr als 4000 Euro. Geld, das vor allem der Forschung zugute kommen soll. Die Krankheit ist kaum heilbar, aber in den letzten Jahren sind einige neue Medikamente auf den Markt gekommen, die den Deutschlandweit 8000 Betroffenen das Leben erleichtern. "Ziel ist, dass man mit der Krankheit ein Leben führen kann wie jeder andere Mensch", sagt Uwe Dilßner. "Dass man das im Alltag so wenig wie möglich merkt. Ich weiß nicht, in wie vielen Jahren das so weit sein kann."

"Die Forschung ist schon teuer", so Franziska Härtig von der Mukoviszidose-Selbsthilfe Dresden. "Das Geld wird wirklich benötigt." Der Verein unterstützt die Siebenlehner Aktion als beispielhaft. Und die Liste der Privat- wie Firmenspender ist lang. MDR-Moderator Bodo Gießner, ebenfalls ehrenamtlich im Einsatz, las unermüdlich die Spenderliste vor: Viele spendeten pro gelaufener Runde, andere Festbeträge von zehn, zwanzig, hundert Euro. Die Mitarbeiter der Nossener Pneuhage-Reifendienst-Filiale ließen zusammen 500 Euro springen.

Aktiv beim Spendenlauf zeigte sich auch das Team des Meißner Autohauses Widmann. "Das ist ein guter Zweck, es ist wichtig für uns, das zu unterstützen", sagte Verkäufer Maximilian Gruner.


Resistenzen und Entzündungsreaktionen

Zwei Beispiele zeigen aktuelle Forschungsprojekte, die der Mukoviszidose-Verein finanziell unterstützt:

Mikrobiom des Blutes als Biomarker der Lungenerkrankung bei Mukoviszidose: Die Hypothese des Projektes der Uni-Klinik Homburg/Saarland ist, dass bei Mukoviszidose-Patienten im Verlauf der Lungenerkrankung Bakterien oder deren Bestandteile von der Lunge in das Blut übertragen werden und so Auswirkungen auf die Entzündungsreaktion im Körper haben können. In dem Projekt soll untersucht werden, ob aus Blutproben ein aussagekräftiger Laborwert (Biomarker) identifiziert werden kann, der sowohl über die Erkrankungsschwere als auch über die relevanten Mikroorganismen im Blut Auskunft gibt.

Resistenzmechanismen von Staphylococcus aureus: Das Bakterium ist einer der meist isolierten Erreger aus den Atemwegen von Mukoviszidose-Patienten. In den letzten Jahren wurden zunehmend Antibiotika-resistente Bakterien isoliert. Ziel des Projekts der Uniklinik Münster ist unter anderem, die Mechanismen, die den Resistenzen zugrundeliegen, zu untersuchen. (fhob)

Quelle: muko.info

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