Mal trübe Tage, mal weiße Pracht

Wenig Sonne, viele Wolken, viel Niederschlag - so lautet eine Formel, die den Monat Dezember ganz gut beschreibt. Doch auch für Abwechslung war der erste meteorologische Wintermonat in den vergangenen Jahrzehnten immer gut. Eine historische Wetterschau.

Frankenstein.

In der Frankensteiner Wetterchronik ist der Dezember der Monat des Jahres mit den meisten Einträgen. So wurde am 31.Dezember 1972 notiert: "Das war in diesem Jahrhundert der bisher sonnigste und trockenste Dezember mit 14heiteren Tagen und mit einer Niederschlagsmenge von nur 3,9 Liter.

Im rekordreichen Dezember 1974 kam es besonders vom 7. bis zum 9.desMonats zu anhaltendem starkem Regen. Die Zschopau, die Flöha, die Striegis und die Freiberger Mulde uferten weitflächig aus. Es folgte mit vier Tagen bei Temperaturen von über 10 Grad Celsius das wärmste Weihnachtsfest seit mehr als 100 Jahren.

Vom 11. bis zum 16. Dezember 1976 kam es zu 118 Stunden Dauerschneefall mit einer von 0 auf 44Zentimeter wachsenden Schneedecke. 1978 führte am 8. und 9. Dezember gefrierender Regen zu einer Glatteis-Katastrophe. Ein Großteil aller Straßen und Schienenwege zwischen Chemnitz, Freiberg und Dresden konnten infolge starker Vereisungen nicht mehr befahren werden. Noch schlimmer war die Lage zu Silvester 1978, als ein Blizzard die Temperatur von plus 10 Grad Celsius am 29. Dezember über minus 12Grad am 30. auf minus 20 Grad zu Silvester um 30Grad stürzen ließ. Hinzu kamen noch Dauerregen bei Temperaturen von minus 9 Grad mit Totalvereisungen, ab Silvester dann Schneesturm mit hohen Verwehungen. Bis Mitte Januar dauerte es, bis sich dieses Witterungsereignis entschärfte und das öffentliche Leben sich wieder normalisieren konnte.

Ins Gesamtjahr eingeordnet, lässt sich über den Dezember sagen: Das Jahr klingt aus mit dem sogenannten Meteorologischen Winter. Dieser beginnt am 1.Dezember und endet mit dem letzten Februartag. Mit einem Temperaturmittel von 0,5Grad Celsius ist dieser erste Wintermonat der am wenigsten kalte, da er noch von den spätherbstlichen wärmeren Tagen und Wochen zehren kann. Wie bei allen anderen Monaten ist auch beim Dezember die Spannbreite der Temperatur bemerkenswert groß.

So wurde 2010 ein Monatsmittel von minus 5,8 Grad Celsius verzeichnet, fünf Jahre später, 2015, waren es hingegen 6,3 Grad, aber plus. Die absoluten Dezember-Temperaturen bewegen sich zwischen 15 Grad (1983 und 1985) und minus 22 Grad (1996). Die Sonnenscheindauer erreicht im Dezember ihren Jahrestiefstwert von nur noch 54 Stunden; im Mai sind es 211. Der bisher trübste Dezember mit nur 36 Stunden war jener des Jahres 1997, der sonnigste mit 96 Stunden datiert aus dem Jahr 2013.

Wenig Sonne - viele Wolken; 1999 gab es 28 sogenannte trübe Tage, 1972 waren es sechs. Viele Wolken - viel Niederschlag; im Dezember liegt die mittlere Niederschlagsmenge mit 69 Liter pro Quadratmeter zwar keineswegs recht hoch, doch regnet und schneit es in diesem Monat öfter und auch länger anhaltend als in allen anderen Monaten des Jahres: an durchschnittlich 17 Tagen mit einer Gesamtdauer von 159 Stunden. Doch auch hier sind die Ergebnisse von Jahr zu Jahr sehr differenziert. So fiel im Dezember 1974 an 27 Tagen während 253Stunden 202 Liter Niederschlag, vorwiegend als Regen. Zwei Jahre zuvor, 1972, waren es nur 2,8 Liter, gefallen an vier Tagen während 10Stunden Dauer.

Auch die Windverhältnisse sind im Dezember bedeutend intensiver als in den meisten anderen Monaten des Jahres: Im Mittel gibt es 21 Starkwindtage, an fünf Tagen auch Sturm. 1999 wurden 28:15 erreicht, 1996 nur 10:1. Nur der Januar mit durchschnittlich 21:6 solcher Tage übertrifft noch den Dezember in dieser Hinsicht geringfügig.

Der Gewichtigkeitsgrad bezüglich Kälte und Schnee wird in der Meteorologie unter Verwendung der Begriffe Kältesumme und Schneemengensumme ermittelt. Dafür werden alle Tagesmitteltemperaturen mit negativen Vorzeichen sowie die täglich 8Uhr gemessenen Schneehöhen aufaddiert. Für den Monat Dezember wurde eine Kältesumme von minus 46 Grad Celsius ermittelt; beträchtliche 183 Grad Celsius waren es im Jahr 2010.

Aber es gab da auch den Dezember 2015, an dem überhaupt keine Kältesumme notiert werden konnte, da dieser außergewöhnlich milde Monat alles andere als winterlich geprägt war. Extrem schneereich war der Dezember 2010. Mit einer Schneemengensumme von sage und schreibe 1405 Zentimeter war er der schneereichste aller Wintermonate überhaupt. Im langjährigen Mittel beträgt diese 208, in einem ganzen Winter im Mittel 965Zentimeter. Aber auch das gab es schon zweimal in einem Dezember: dass nicht an einem einzigen Tag Schnee lag, so wie 1972 und 2015.

Unser Autor Manfred Tietz, seit vielen Jahren Wetterexperte für die "Freie Presse" Flöha, beobachtete von 1971 bis 2017 das Wetter am Kalten Feld in Frankenstein. Außerdem kann er sich auf Notizen von 1959 bis 1970 aus Chemnitz stützen.

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