Mal wieder richtig Sommer

Gewitter und eine Wasserhose, Hitze und Trockenheit: Das Wetter im Juli kann ganz schön extrem sein. Ein Rückblick auf die letzten Jahrzehnte.

Frankenstein.

Der Juli - manchmal ein Sommermonat der Extreme: Zu einer Intensiv-Regenperiode kam es 1973: zwischen dem 11. und 29.Juli regnete es jeden Tag, insgesamt zwar nur über 63 Stunden, jedoch mit einer Ergiebigkeit von 122Litern pro Quadratmeter, wobei allein am 28. Juli 41 Liter gemessen wurden. Das ganze Gegenstück dazu, eine der wohl nur ganz selten mal auftretenden Extrem-Trockenperioden in einem Sommer, datiert vom Juli 2013, als im Zeitraum 1. bis zum 24.Juli nur 0,1 Liter, Ausbeute einer halben Stunde Getröpfel, gemessen wurden. Am 23. Juli ging über Kleinschirma in Verbindung mit gewittrigen Orkanböen eine Wasserhose nieder. Im Nu wurde aus dem kleinen Schirmbach-Rinnsal ein reißender Fluss, der an vielen Stellen bis hinunter in seine Mündung in die Große Striegis in Wegefarth nicht nur ausuferte, sondern auch ganze Talwiesen überflutete.

Der Juli ist im Jahresverlauf der wärmste Monat. Seine mittlere Temperatur beträgt 17,3 Grad Celsius. Doch sind die Abweichungen von diesem Klimamittel in manchen Jahren recht unterschiedlich. Beträchtlich zu kalt war dieser Hochsommermonat 1974, als am Ende nur 14,5 Grad errechnet werden konnten; auch 1979 und 1996 war es bei jeweils 14,7 Grad fast ebenso kühl. Ganz anders der Juli 2006, für den eine Monatsmittel-Temperatur von 22,1 Grad notiert wurde. Und auch 2010 bei 20,5 Grad war fast tägliches Schwitzen angesagt. Die höchste in einem Juli gemessene Temperatur von 37 Grad wurde am 16. Juli 2007 gemessen, die kühlste von nur vier Grad am 3.Juli 1979.

Sehr sonnenscheinreich fiel der Juli 2006 aus: 357 Sonnenscheinstunden konnten ermittelt werden. Andererseits kamen im Jahr 2000 nur sehr geringe 101 Stunden zusammen. Im langjährigen Mittel sind es im Juli 209 Sonnenstunden.

Nicht viel anders ist es - siehe oben - bei den Niederschlägen. Sehr trocken war es mit nur 23 Liter pro Quadratmeter im Juli 1971, ausgesprochen nass 2011 mit einem Ergebnis von 218 Litern. Der Mittelwert liegt hier bei 97Litern.

Der Juli ist der gewitterreichste Monat des Jahres: Im Durchschnitt kommt es an sechs Tagen zu neun der atmosphärischen Großereignisse. 1971 ist der einzige Juli, in dem es mal nicht gewittert hat, 1989 hingegen waren es an zehn Tagen 21derartiger Blitz- und Donnerwetter.

Eine der am längsten andauernden Hitzeperioden währte vom 21.Juni bis 31. Juli 1983. In dem 41-tägigen Zeitraum kam es zu 32Sommertagen mit Höchstwerten ab 25Grad aufwärts; elf davon waren sogenannte "heiße Tage" mit Höchstwerten von 30 bis 36 Grad.

Ein schweres Gewitter mit einer nur ganz selten so intensiven Blitztätigkeit führte im Raum Oederan-Frankenstein-Freiberg am 24. Juli 1991 zu Schäden an der Bahn-Fahrleitung und an den elektrischen Freileitungen. Der Zugverkehr kam für Stunden zum Erliegen, und auch die Haushalte der umliegenden Ortschaften mussten einige Zeit warten, bis der Strom wieder da war.

Mit 24 Sommertagen - davon elf heißen, drei Tropen- und 18heiteren Tagen - und 316 Sonnenscheinstunden war der Juli 1994 der bis dahin wärmste und sonnigste Juli im vergangenen Jahrhundert. Doch nur zwölf Jahre später, 2006, war der Juli noch wärmer und noch sonniger: 26Sommertage, davon 14 heiße und fünf Tropentage (Tagesmittel 25Grad und mehr), sowie 357Sonnenstunden - damit setzte sich der Juli 2006 mit großem Abstand an die Spitze aller sonnig-heißen Monate seit 1828, dem Beginn amtlicher Wetteraufzeichnungen in Sachsen.

Am 20. Juli 2007 überquerte ein Hagelunwetter die Region Franken-stein-Wingendorf-Bräunsdorf. Dabei kam es zu umfangreichen Schäden auf den Feldern, besonders auf den mit Mais angebauten.

Der Juli 2007 war der elfte zu warme Monat hintereinander; das ist seit mindestens 1960 noch niemals in Mittelsachsen da gewesen. In der bis dato wärmsten Tropennacht vom 27. zum 28. Juli 2013 sank die Temperatur nur bis auf 24,3 Grad; am darauffolgenden Tag stieg die Temperatur dann auf 36 Grad. Außerdem kam es in diesem Juli 2013 vom 1. bis 24. zu keinerlei Niederschlag, zu keinem Gewitter, aber zu 298 Sonnenstunden. Auch das ist bisher einmalig.

Heftige Gewitter mit Schwerpunkt Eppendorf-Oederan-Frankenberg verursachten am 7., 8. und 9. Juli 2014 größere Schwemmschäden durch Wolkenbruchregen. Zu Sturmschäden größeren Ausmaßes kam es bei Gewittern am 23. und 24.Juli 2015 im Raum Eppendorf-Oederan-Freiberg.

Unser Autor Manfred Tietz, seit vielen Jahren Wetterexperte der "Freien Presse" Flöha, beobachtete von 1971 bis 2017 das Wetter am Kalten Feld in Frankenstein. Außerdem kann er sich auf Notizen aus den Jahren 1959 bis 1970 stützen, die in Chemnitz-Hilbersdorf entstanden.

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