Medizinische Berufe geben Auftakt für Unternehmenswoche

In nahezu allen Branchen fehlen Fachkräfte. Dabei ist der Mangel an Bewerbern nicht das einzige Problem.

Freiberg.

"Denken Sie nicht nur an Ihren Traumberuf!", mahnte Landrat Matthias Damm (CDU) am Montag etwa 20 Schüler im Konferenzsaal des Freiberger Kreiskrankenhauses. So viele waren zur Auftaktveranstaltung der Woche der offenen Unternehmen gekommen.

"Eine Frau kann ebenso gut eine Technikerin sein wie ein Mann ein Altenpfleger", erläuterte Damm sein Eingangsstatement und fügte hinzu: "Die Wahl der richtigen Ausbildung kann einen langen Weg bedeuten."

Die Woche der offenen Unternehmen soll dabei helfen, den Weg abzukürzen. Von Montag bis Samstag werden 247 mittelsächsische Firmen und Verwaltungen ihre Türen für Schüler aus der Region öffnen und etwa 250 Berufe vorstellen. 2769 Anmeldungen gibt es bislang.

Den Unternehmen gehe es darum, den Nachwuchs auf sich aufmerksam zu machen und so dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wie Stefan Brangs erläuterte. "Man muss nicht immer studieren", sagte der Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der auch zur Veranstaltung geladen war. Genau wie Klaus-Peter Hanson, Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Sachsen: "Viele Ausbildungsverträge werden derzeit vorzeitig gekündigt", erklärte Hanson die Wichtigkeit einer frühen Berufsorientierung.

Der Auftakt sollte aber auch genutzt werden, um den Schülern drei Berufe vorzustellen, für die das Kreiskrankenhaus Freiberg Ausbildungen anbietet: Gesundheits- und Krankenpfleger/-in, Gesundheits-und Kinderkrankenpfleger/-in sowie Operationstechnischer Assistent. Gerade letztere werden derzeit verstärkt gesucht im Klinikum. Im Pflegebereich gibt es für den Ausbildungsgang im kommenden September fast 80 Bewerbungen auf 12 Plätze, erklärte Praxisanleiterin Cornelia Metge: "Aber viele passen nicht in den Beruf."


Warum Schüler die Auftaktveranstaltung besuchten und was sie dabei lernten

Mandy Nebrich (16), Oberschule "An der Mulde" Rochlitz: "Ich interessiere mich für den medizinischen Bereich. Das könnte in der Familie liegen, meine Geschwister sind Altenpfleger. Blut und Ausscheidungen sind aber nicht so mein Ding, darum möchte ich lieber Operationstechnische Assistentin werden. Den Orientierungstag fand ich gut, weil wir auch selber viel mit der Laborausrüstung ausprobieren konnten. Anfassen ist immer besser als nur Zuhören. Ich habe mich aber noch nicht festgelegt. Auch tierärztliche Fachkraft könnte mir gefallen."

Marvin Siebert (15), Oberschule Brand-Erbisdorf: "Das Wohl der Menschen liegt mir am Herzen. Daher ist Pflege für mich das Ding! Ich habe schon zwei Praktika gemacht. Die Dankbarkeit und Freude der Patienten haben mich besonders berührt. Ich finde auch, dass mehr Männer den Pflegeberuf erlernen sollten. Es ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit. Obwohl ich schon Erfahrung mitbringe, habe ich heute noch einiges gelernt: Etwa wie wichtig es ist, Luftblasen aus den Schläuchen zu entfernen, bevor man eine Infusion aufhängt."

Lena Erler (13), Oberschule Brand-Erbisdorf: "Ich habe noch kein Praktikum oder dergleichen in der Pflege absolviert. Tante, Mutter und Bruder sind aber Krankenpfleger. Die Schnupperstunden heute haben mich auf jeden Fall motiviert, ein Schülerpraktikum im Klinikum zu machen. Vor der Tätigkeit als Pflegerin habe ich Respekt. Mit Ausscheidungen komme ich klar, glaube ich. Wenn aber Menschen sterben, die ich lange Zeit versorgt habe- davor habe ich Angst. Aber ich möchte den Menschen helfen. Darum werde ich damit klarkommen." (akli )

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