Mehr Studenten als erwartet beantragen Corona-Hilfen

Die Hochschulen in Mittelsachsen haben Fonds eingerichtet für Studenten, die durch Corona in Geldnot sind. Der Bedarf ist groß. Ein Student erzählt.

Freiberg/Mittweida.

Das letzte Semester Maschinenbau. Die Diplomarbeit noch, dann hat er es geschafft. Fabio * ist 28. Er studiert an der Bergakademie und hat beim Studentenwerk Freiberg finanzielle Unterstützung aus dem Corona-Sonderfonds beantragt. Der Fonds wurde eingerichtet, um Studierenden weiter das Studium zu ermöglichen, auch wenn sie durch die Coronakrise in Not geraten sind. Rund 4000 Studierende zählt die Freiberger Uni, 171 von ihnen haben Unterstützung beantragt. Auch Fabio.

Warum? Um sein Studium zu finanzieren, hatte er ein Darlehen aufgenommen. Durch die Einschränkungen aufgrund der Coronapandemie verzögert sich nun sein Studium, er muss ein Semester dranhängen und dabei weiter Miete und Semesterbeitrag zahlen. "Ich habe einen Nebenjob gesucht - als Erntehelfer in der Landwirtschaft, als Aushilfe in der Eisdiele, in Lebensmittelgeschäften oder auch als Lernhilfe. Nichts. Wenn, dann werden Leute gesucht, die länger da sind", schildert er. Fabio will aber nicht ewig jobben, sondern fertig studieren und dann als Ingenieur arbeiten. Kürzlich hatte er gelesen, dass Helfer zum Möbeltragen gesucht werden. "Nach drei Stunden waren die Jobs vergeben", erzählt er. Fast jeder Student suche, die Nachfrage sei groß, das Angebot klein.

Fabio spart. Sein Lebensstandard sei ohnehin nicht ausschweifend. "350 Euro Fixkosten plus Essen", sagt er. Die Miete erbitte er sich im Moment von seinen Eltern. Gut fühlt sich das nicht an. Sein Plan: Er will seine Diplomarbeit bei einem Unternehmen schreiben. Er hofft, damit ein bisschen Geld zu bekommen. "Bislang habe ich nur Absagen kassiert." Eine Bewerbung laufe noch. Zwei Wochen gibt er sich noch, dann will er andere Schritte erwägen. "Aber wenn ich die Arbeit an der Uni schreibe, brauche ich wieder ein Darlehen und wiederum einen Nebenjob, um dieses zurückzuzahlen. Damit verliere ich Zeit", sagt er.

Von den 171 Anträgen, die bis Mitte Mai beim Studentenwerk eingegangen sind, wurden bereits rund ein Drittel bearbeitet und die Hilfe überwiegend bewilligt, teilt Christian Schröder, Leiter Kultur und Kommunikation, auf Nachfrage mit. Bisher seien "rund 40.000 Euro an Barmitteln, Gutscheinen und Freitischen in der Mensa" an in Not geratene Antragssteller ausgereicht worden. Damit ist das Startkapital vorerst ausgeschöpft. Der Verein "Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg" (VFF), die Sparkasse Mittelsachsen, Dr. Erika Krüger und Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht hatten die Mittel bereitgestellt. Mehr als 60 Studierende wurden bislang unterstützt, weitere 100 Antragsteller warten. Deshalb bittet der Förderverein nun um Spenden (siehe Infokasten).

Auch an der Hochschule Mittweida wurde solch ein Hilfsfonds gegründet. Dafür bitten die Hochschule, der Studentenrat und das Studentenwerk um Spenden. Die Startsumme in Höhe von 36.000Euro haben die Sparkasse Mittelsachsen, der Förderkreis Hochschule Mittweida und der Studentenrat zusammengelegt. "Es trifft vor allem diejenigen, die bisher schon nicht über Bafög oder Stipendien gefördert werden. Viele haben ihren Nebenjob verloren. Neue Jobs sind meist zeitlich und räumlich nicht mit dem Studienalltag vereinbar. Eltern sind oft auch von den Auswirkungen der Coronakrise betroffen und fallen als Unterstützer aus", heißt es in einer Hochschulmitteilung dazu. Ausländische Studierende seien davon noch stärker betroffen, denn zu den oft höheren Lebensunterhaltungskosten in Deutschland kämen auch strengere arbeitsrechtliche Einschränkungen und die Nichtberechtigung für bestimmte Unterstützungsleistungen des Bundes hinzu. "Das lässt auch die Rückzahlungsmöglichkeiten von zinslosen Darlehen in weite Ferne rücken, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Studentenwerke inzwischen gewähren", heißt es. "Jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten - ob Professor, Studierender, Elternteil. Diejenigen, die große Probleme haben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sind Bestandteil unserer Hochschulfamilie", sagt Gordon Guido Oswald, Geschäftsführer des Studentenrats der Hochschule. * In diesem Beitrag möchte er anonym bleiben.


Spenden für Studierende

Pro bisher genehmigtem Antrag gab es für Studierende in Freiberg bisher für jeweils 3 Monate eine Fördersumme zwischen 250 und 1000 Euro. Diese beinhalteten neben finanzieller Förderung auch Freitische, die in der Mensa ein Vierteljahr lang Montag bis Freitag ein kostenloses Essen ermöglichen, und von der Sparkasse Mittelsachsen zur Verfügung gestellte Gutscheine zum Einkauf bei lokalen Händlern wie etwa Fleischer, Bäcker, Döner. Damit unterstütze man nicht nur die Studierenden, sondern auch die lokale Wirtschaft.

Spendenkonto Freiberg:

Kontoinhaber: Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg e. V.

IBAN: DE 55 8705 2000 3115 0144 30

Kreditinstitut: Sparkasse Mittelsachsen, Verwendungszweck: Corona-Hilfs-Fonds; Postanschrift (falls Spendenbescheinigung gewünscht)

Spendenkonto Mittweida:

Kontoinhaber: Studierendenschaft HS Mittweida

IBAN: DE 21 8709 6124 0197 0816 60

Verwendungszweck: Corona-Nothilfefonds

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