Milch macht Mühe und Meister

Mit dem Leistungsmelken zeigen die Landwirte ihr Können und wollen für den Wert eines Lebensmittels sensibilisieren.

Marbach.

Mittwoch war wieder ein ganz normaler Arbeitstag für Richard Flath. Der 18-Jährige lernt im dritten Ausbildungsjahr den Beruf des Landwirtes in der Agrargenossenschaft Königswalde und er war einer von fünf Teilnehmern, die beim Auftakt des aktuellen Regionalwettbewerb im Leistungsmelken am Dienstag ihr Können am Karussell-Melkstand der Agrargenossenschaft Marbach gezeigt haben. Bis Ende nächster Woche gibt es sechs Ausscheidungsrunden mit insgesamt 42 Teilnehmern am Karussell-Melkstand in Marbach sowie am Fischgräten-Melkstand der Agrargenossenschaft Arnsfeld. Die Erzgebirgsmeister in beiden Kategorien qualifizieren sich für den Landesmelkwettbewerb im kommenden Jahr. Wer dort gewinnt, fährt zum Bundesausscheid und hat damit die Chance, Deutschlands bester Melker zu werden.

Bis dahin aber ist es ein weiter Weg. Richard Flath wusste gestern nur, dass er beim Regionalwettbewerb am Dienstag in Marbach ziemlich gut abgeschnitten hat, wie er sagte. Ob seine Platzierung am Ende für die Teilnahme am Landeswettbewerb reicht, hängt von den Ergebnissen der anderen Teilnehmer in den nächsten Tagen ab. Gelohnt hat sich für ihn die Teilnahme allemal. Im kommenden Sommer wird Richard Flath seine Abschlussprüfung absolvieren und das Leistungsmelken war sozusagen eine Generalprobe dafür.


Das Leistungsmelken gliedert sich in drei Abschnitte, erklärt Falk Sieber vom Regionalbauernverband Erzgebirge, der zusammen mit dem Verband Aue/Stollberg/Schwarzenberg und dem Verein zur Förderung beruflicher Wettbewerbe aller zwei Jahre die besten Melker des Erzgebirges sucht. Das Leistungsmelken hat eine lange Tradition, sagt Werner Bergelt, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge, zu dem auch ein Teil Mittelsachsens gehört. Es ist nicht nur ein Ehrgeiz getriebener Wettstreit der Landwirte und Auszubildenden, sondern auch eine Leistungsschau, sagt Bergelt. Der Verbraucher sehe die Milch als jederzeit verfügbares Lebensmittel und vielleicht noch deren Preis, aber die Mühe der Milcherzeugung, die hohen Qualitätsstandards und die trotz aller Technik immer noch körperlich schwere Arbeit, bleibe zumeist unbeachtet.

Die Teilnehmer am Leistungsmelken müssen zunächst einen theoretischen Teil meistern. 20 Fragen in 20 Minuten aus einem 300 Fragen umfassenden Katalog unter anderem zu Agrarpolitik, Tiergesundheit und Tierwohl, Melktechnik, Lebensmittelsicherheit, Tierfütterung oder Zucht. Es folgt ein praktischer Teil mit Handgriffen zur Reinigung und Desinfektion, Fütterung sowie Tierzucht. Danach folgt das eigentliche Melken, bevor zum Schluss der sogenannte Zelltest ansteht. Dabei wird die Milch auf abgestorbene Zellen untersucht. Am Melkstand selbst haben die Starter zehn Minuten Zeit und dabei gelte es, Qualität und Quantität in Einklang zu bringen, sagt Tino Richter von der Informations- und Servicestelle Zwönitz des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, der in Marbach zur vierköpfigen Wettkampfjury gehörte. Die Milchleistung spiele keine Rolle.

Richard Flath war in Marbach der erste Starter am Karussell-Melkstand. Der Melkstand mit 28 Plätzen wurde 2015 eingeweiht, sagt die Leiterin der Milchviehanlage, Anja Weber. Sie hat selbst zweimal am Leistungsmelken teilgenommen und wäre im Teamwettbewerb sogar beinahe Landesmeisterin geworden. Der Wettstreit sei für die Facharbeiter eine gute Gelegenheit, die alltägliche Routine zu durchbrechen und Wissen aufzufrischen und für die Auszubildenden eine optimale Prüfungsvorbereitung. In Marbach werden die aktuell 460 Milchkühe zweimal täglich gemolken - 4 Uhr früh und 4 Uhr nachmittags. Die durchschnittliche jährliche Milchleistung pro Kuh beträgt 10.500 Liter.

Das Leistungsmelken wurde in die Nachmittagsrunde eingeordnet und Richard Flath aus Königswalde musste als erster der fünf Starter ins Melkkarussell. Er hatte vor dem Wettbewerb in Marbach trainiert, um sich mit der Anlage vertraut zu machen. Der junge Mann spulte sein Programm routiniert und ohne größere Probleme ab und erntete ein Lob von seinem Ausbilder Andreas Schreiter, der ebenfalls am Wettbewerb teilnahm: "Das sah sehr gut aus. Und wenn Du die Anlage ein bisschen langsamer laufen lässt, dann wird es noch besser."

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