Mittelsachsen: 24 Betriebe stellen Anträge auf Dürrehilfe

Bürokratische Hürden schrecken viele Landwirte ab, finanzielle Mittel einzufordern. Der Regionalbauernverband fordert eine Gefahren- versicherung.

Flöha.

Eigentlich hat er die Voraussetzungen erfüllt, Dürrehilfe zu bekommen: "Wir konnten mehr als 30 Prozent Umsatzverlust aufgrund der Witterung nachweisen, mussten Tiere schlachten und Futter zukaufen", sagt ein Landwirt aus Mittelsachsen. Doch Geld gab es trotzdem keins. Die bürokratischen Hürden waren zu hoch. So müssen Betriebe zum Beispiel Vermögen und Einkünfte ihrer Anteilseigner offenlegen, um Bedürftigkeit nachzuweisen. Für Betriebe mit vielen Gesellschaftern ist das ein Problem.

Werner Bergelt, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge, sagt: "Die Beantragung der Dürrehilfe ist ein sehr bürokratisches Verfahren mit hohen Hürden, die viele Betriebe nicht überwinden konnten."


Im Landkreis Mittelsachsen seien seines Wissens 24 Anträge mit einem Schadensvolumen von 7,2Millionen Euro gestellt worden. "Das hat geholfen, Schaden zu begrenzen. Aber es sind keine Riesensummen." Seiner Meinung nach sollte man statt über Notfallprogramme wie die Dürrehilfe über eine generelle Risikovorsorge reden. "Schäden durch Hagel zum Beispiel kann man versichern. Warum nicht auch solche, die durch Dürre oder Hochwasser entstehen?" Jeder Landwirt hätte es dann selbst in der Hand, ob und wie hoch er sich absichere.

Sein Kollege Peter Köhler, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Mittweida, sieht das ebenso. "Eine Mehrgefahrenversicherung wäre besser als ein Sofortprogramm." Bei der Dürrehilfe habe sich herausgestellt, dass es das ursprünglich versprochene unkomplizierte Verfahren nicht gab. "Es war im Gegenteil alles sehr aufwändig für die Betriebe."

Während im Zuständigkeitsbereich des Regionalbauernverbandes Erzgebirge kein Betrieb schließen musste, hat im Mittweidaer Verband laut Peter Köhler ein Bio-Betrieb im vergangenen Jahr dürrebedingt dicht gemacht. Ob alle Antragsteller inzwischen ihr Geld bekommen haben, wissen die beiden Geschäftsführer nicht. Aber es werde wieder ausgezahlt.

Darauf verweist auch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Aus haushaltsrechtlichen Gründen hätten die im vergangenen Jahr zur Verfügung stehenden und bis zum Jahresende nicht ausgezahlten Mittel zunächst nicht in das Jahr 2019 übertragen werden können. Das galt sowohl für den Bundesanteil an den Mitteln, als auch für die Landesmittel.

Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt und Finanzminister Matthias Haß hätten daher vereinbart, dass noch vor der Mittelzuweisung des Bundes ein Teil der Landesmittel bereitgestellt wird, um die Auszahlung fortsetzen zu können - was jetzt geschehe.

In Sachsen hatten laut Ministerium bis Ende der Frist am 10. Dezember vergangenen Jahres 325 Landwirte Anträge auf Dürrehilfen in Höhe von insgesamt rund 33 Millionen Euro gestellt. Bis zum Jahresende seien davon 8,6 Millionen Euro bewilligt und ausgezahlt worden. Wie Ministeriumssprecher Frank Meyer mitteilt, können seit 1. April auch Landwirte im Nebenerwerb Dürrehilfen beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie beantragen. Wie viele Landwirte davon Gebrauch machen, könne derzeitig noch nicht gesagt werden, erklärte der Sprecher.

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