Mittweida stellt sich mit Büro in Estland vor

Im "Silicon Valley" von Tallinn wollen Stadt, Hochschule und Volksbank auch mit Unternehmen zusammenarbeiten.

Mittweida.

Brücken bauen lautete das Motto, unter dem in Mittweida im März eine internationale Konferenz stand. Dort hatten Stadt, Hochschule und Volksbank unter anderem eine gemeinsame Absichtserklärung mit dem Botschafter der Republik Estland, Mart Laanemäe, unterschrieben. Darin versichern die Beteiligten, bei der Digitalisierung in den Bereichen Verwaltung, Wissenschaft und Bildung künftig zusammenarbeiten zu wollen. Nicht einmal ein halbes Jahr später nimmt der Brückenbau Gestalt an: Mit einem Büro in der estnischen Hauptstadt Tallinn soll die Region Mittweida im Baltikum bekanntwerden.

"Estland ist in Europa ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung", erklärt Raymond Uhlig von der Volksbank Mittweida. Mit 1,32 Millionen Bürgern ist das Land zwar kleiner als München. Vor allem was digitale Verwaltung (E-Government) angeht, gilt es jedoch als mustergültig. Nach Angaben der estnischen Stiftung Enterprise Estonia können in Estland 99 Prozent aller Verwaltungsvorgänge online erledigt werden. Dafür nötig ist eine Chipkarte zur Identitätsfeststellung, über die 98 Prozent der Esten verfügen.


Als "Silicon Valley" von Estland versteht sich der im Südosten von Tallinn gelegene Gewerbepark Ülemiste City. Dort will sich die Region Mittweida bald präsentieren. Der Mietvertrag für die Räumlichkeiten sei bereits unterschrieben, so Uhlig. Nun werde an einem Konzept für die Ausgestaltung gefeilt. Das Hochhaus, in dem das Büro eingerichtet werden soll, weist eine besondere Verbindung zu Mittweida auf: Es ist nach dem berühmten Optiker Bernhard Schmidt benannt, der in Estland geboren wurde und später am Technikum in Mittweida studierte.

Auch die Nachbarschaft in Ülemiste City kann sich sehenlassen. So hat der weltweit agierende Logistikkonzern Kühne und Nagel dort eine Zentrale für Informationstechnik eingerichtet. Auch der Softwarehersteller Nortal, nach eigenen Angaben für mehr als ein Drittel aller estnischen E-Government-Lösungen verantwortlich, hat seinen Hauptsitz in dem Gewerbepark.

"Wir können von den Esten lernen", sagt Mittweidas Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU). Er erhofft sich von der Kooperation, dass Industriepartnerschaften entstehen. Zugleich sollen in Mittweida bestimmte Verwaltungsbereiche besser digital abgebildet werden, erklärt er. Hochschul-Professor Alexander Knauer wünscht sich, dass auch Studenten aus Estland und Mittweida Kontakte knüpfen. "Es wäre schön, wenn sich interdisziplinäre studentische Teams finden würden, die gemeinsam an Ideen arbeiten."

Für Anfang September hat sich eine Delegation aus Estland in Mittweida angekündigt. Neben Vertretern aus Politik, Industrie und Landwirtschaft wird auch der Gründer und Chef von Nortal, Priit Alamäe, erwartet. Laut Knauer steht neben einem Empfang im Rathaus ein Besuch der Hochschule an, bei dem das Laserinstitut, die Fakultät Medien, das Fraunhofer-Lernlabor für Cybersicherheit und das Projekt Blockchain-Schaufensterregion vorgestellt werden sollen.

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