Münz-Schatz aus der Zeit der Kurfürsten

Numismatiker taxieren Stücke in Oederan

Oederan.

Welch ein Silberschatz: Über 400 Jahre alte sächsische Zeitgeschichte hielt Werner Müller in Talerform in den Händen. Als Sammler und Fachmann im Verein der Münzfreunde Flöha seit Jahren in der Szene unterwegs, kam der Sachverständige ins Staunen: "Die Qualität des Stückes dürfte zu den vier interessantesten der mir je vorgelegten Teile zählen", stellte der stellvertretende Vereinsvorsitzende am Donnerstag begeistert fest.

Ein Sammler aus der Region hatte den Beratungstag der Münzfreunde genutzt, um seine Stücke einmal einem Fachmann vorzulegen. Denn aus Anlass des 50-jährigen Vereinsjubiläums zählte eine Ausstellung samt dem Dienstleistungstag zum Angebot im Museum Oederan. Und so wurde die mehrjährige Vereinsarbeit für Werner Müller auf besondere Weise auch ein Erlebnis.


Der Experte erkannte schnell das Motiv der Münze: "Bei dem Stück handelt es sich um einen Kurfürst Johann Georg I. gewidmeten Taler. Es ist eine Vikariatsmünze, ab 1612 geprägt." Als Reichsvikare bezeichnete man im Heiligen Römischen Reich die Verweser, die für die Zeit zwischen dem Tod des Kaisers beziehungsweise Königs und der Wahl beziehungsweise Krönung eines Nachfolger die laufenden Geschäfte fortführten.

Demzufolge war der Kurfürst von Sachsen für die Gebiete sächsischen Rechts zuständig. Es war Anlass und Ausdruck der Macht, eine Münze herauszugeben. Indes: "Das Teil ist berieben, also geputzt, etwas, was wir nicht wollen. Die Münze verbreitet quasi nicht mehr den originalen Hauch der Zeitgeschichte. Ideal wäre der zeitgenössische Stempelglanz, mit dem würde das Stück Höchstpreis erzielen." Der Flöhaer wusste dabei durchaus ein Gebot abzugeben. "Bei einem Verkauf sollte der sächsische Taler wenigstens 250Euro erbringen. Ungeputzt wären problemlos 400 Euro möglich."

Interessenten sind eingeladen, jeweils am dritten Mittwoch des Monats den Treff der Münzfreunde im Pomselgut Flöha zu besuchen. Beginn ist 18.30 Uhr.

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