Museumsanbau: Arbeiten dauern länger

Eine Sonderschau zur Bergbaugeschichte kann nicht im neuen Gebäude präsentiert werden. Das wirbelt die Pläne der Stadt Freiberg durcheinander. Und nun droht auch noch von anderer Seite Ärger.

Freiberg.

Eigentlich sollte der Anbau an das Stadt- und Bergbaumuseum in Freiberg bereits Ende des Jahres fertig sein. Doch der Zeitplan kann nicht gehalten werden. Das bestätigte Baubürgermeister Holger Reuter gegenüber der "Freien Presse". Die Arbeiten ziehen sich nach seinen Angaben voraussichtlich bis zum Mai nächsten Jahres hin. Dem Vernehmen nach liegt das an der Baugenehmigung. Angeblich wurden die Planungsunterlagen erst relativ spät vollständig eingereicht. Auch das bestätigt Reuter.

Der Startschuss für das Projekt fiel im August vorigen Jahres, als im Innenhof eine Rosskastanie gefällt wurde. Bevor die Grube für den Keller ausgehoben wurde, waren die Archäologen am Zug, die auf dem Areal unter anderem auf mittelalterliche Mauerreste gestoßen waren. Aktuell betonieren Handwerker die Kellerwände. Die Decke wird Ende des Monats gegossen. "Bis spätestens Oktober soll das Obergeschoss einschließlich der Attika fertiggestellt sein", so Reuter. Durch den gut zwei Millionen Euro teuren Neubau erhält die Einrichtung nicht nur einen neuen Eingangsbereich, sondern auch eine um rund 630 Quadratmeter erweiterte Ausstellungsfläche.


Anders als vorgesehen, kann das Objekt wegen der Verzögerung im Bauablauf nicht zur Landesausstellung "500 Jahre Industriekultur in Sachsen", die vom 25. April bis zum 1. November nächsten Jahres läuft, genutzt werden. Die Folge: Das Ziel, in den neuen Räumen die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des sächsischen Erzbergbaus flankierend zur Schau in der Reichen Zeche zu beleuchten, kann nicht mehr eingehalten werden.

Längst gibt es einen Plan B. Museumschefin Andrea Riedel lässt durchblicken, dass der Inhalt der Begleitschau, und wie dieser den Besuchern vermittelt wird, entscheidend ist. Eine gewisse Anzahl an Quadratmetern ist bereits fest für die Schau mit dem Titel "Vom Gnadengroschen zur Rentenformel" vorgesehen (siehe Artikel oben). Ob die Sonderausstellung aber "im Ergänzungsbau oder innerhalb des Bestandes umgesetzt wird, spielt dabei keine große Rolle".

Während das eine Problem gelöst ist, droht von einer anderen Seite Ungemach. Denn der Protest gegen die Architektur des Zwischenbaus ist in den vergangenen Monaten nicht abgeebbt. Im Gegenteil: Die Petition, in der gefordert wird, die Gestaltung des Bauwerks erneut zu überdenken, wurde mittlerweile bei der Stadt eingereicht.

879 Frauen und Männer unterstützen die Online-Petition, die Sven Kegel aus dem baden-württembergischen Dilsberg auf Initiative seiner aus Freiberg stammenden Mutter gestartet hatte. Eine Vielzahl Freiberger steht dahinter; aber auch Einwohner aus Berlin, Leipzig und Wien finden sich unter den Unterzeichnern, auch aus Belgien, der Schweiz und den USA.

"Im Grunde genommen ist Architektur wie auch Kunst immer streitbar. Deshalb ist es völlig normal, dass es hier Diskussionen gibt", betont aber Baubürgermeister Reuter.

In ihrer Sitzung im September sollen die Stadträte entscheiden, wie mit der Petition umzugehen ist. Dass die Lokalpolitiker sich auf die Seite der Fassadengegner schlagen, gilt als unwahrscheinlich. Bereits in einer früheren Sitzung hatten sie deutlich gemacht, dass die Petition zu spät kommt und der Prozess nicht mehr aufzuhalten ist. Zumal vor dem Hintergrund, dass sich erst nach monatelangen Verhandlungen das Landesamt für Denkmalpflege und die Stadt auf einen Gestaltungsentwurf geeinigt haben. Erneut einen Kompromiss auszuloten, hielten die Freiberger Stadträte damals für unnötig.


Damit will Freiberg punkten

Das Grobkonzept für die Sonderausstellung "Vom Gnadengroschen zur Rentenformel" steht. Laut Museumschefin Andrea Riedel soll auf annähernd 160 Quadratmetern die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des sächsischen Erzbergbaus präsentiert werden. Ein Schwerpunkt liegt bei der Geschichte der Knappschaft, der ältesten Sozialversicherung der Welt.

Als herausragende Exponate zählt Riedel die Sammelbüchse der Freiberger Hüttenknappschaft aus dem Jahr 1546 auf und die Grubenrisse von Stollen im Freiberger Revier. Auch der Ausbeutetaler der Grube St. Anna soll gezeigt werden, muss aber von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eigens ausgeliehen werden. Eine Anfrage dazu sei gestellt, ebenso für weitere Objekte, wie etwa für Bergmännische Darstellungen aus Meißner Porzellan und die Knappschaftstruhe aus Clausthal-Zellerfeld.

Präsentiert werden außerdem unter anderem vierzehn Bilder aus dem Leben des Berg- und Hüttenmannes von 1865, ein Berghabit und die erste deutschsprachige Ausgabe Agricola aus dem Jahr 1557. (acr)

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