Nach dem Studium geht es erst mal nach Irland

Paula Krujatz aus Niederwiesa hat Großes vor: Sie will einen Freiwilligendienst in einem Gemeinschaftsprojekt leisten. Doch bevor der starten kann, muss sie in Quarantäne.

Niederwiesa.

Noch steckt Paula Krujatz mitten in ihrem Lehramtsstudium an der Universität Leipzig. Doch ab September wartet ein ganz besonderes Abenteuer auf die 21-Jährige aus Niederwiesa. "Ich absolviere einen Freiwilligendienst in der irischen Kleinstadt Callan. Dort werde ich für ein Jahr zusammen mit Menschen mit und ohne Behinderung leben und arbeiten", erzählt die angehende Gymnasiallehrerin.

Unterkommen wird Paula Krujatz in einer sogenannten Camphill-Community, die vom Verein Freunde der Erziehungskunst Steiners getragen wird. Der Verein setzt sich seit 1976 weltweit für die Waldorfpädagogik ein, die eine Dreigliederung des Menschen in Geist, Seele und Leib beinhaltet. Die Pädagogik geht auf Rudolf Steiner zurück, der diese Anfang des 20. Jahrhunderts begründete.

"Die Dreigliederung des Menschen wird auch in der Einrichtung gelebt, in die ich ziehen werde. Denn nur weil Menschen durch eine Behinderung eingeschränkt sind, sind sie immer noch einzigartig und besonders", erzählt Paula Krujatz. In Callan, einer von insgesamt 830 Einrichtungen, die der Verein unterstützt, wird für die 21-Jährige nicht nur die Betreuung auf dem Tagesplan stehen. "Dort wird auch ökologische Landwirtschaft betrieben. Auf dem kleinen Hof leben ein paar Kühe und es gibt Bauerngärten, die von den Bewohnern bewirtschaftet werden müssen." Darauf, sich um die Gärten zu kümmern, freut sich Paula Krujatz schon. Denn das kommt in Leipzig zu kurz. Aber auch einen kleinen Laden und ein Café wird von den Bewohnern der Einrichtung in Callan betrieben. Denn neben einer Selbstversorgung auf dem Hof soll auch die Integration in die Ortsgemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Gehört hat sie von diesen Projekten von Freunden. "Ich kenne Leute, die das schon gemacht haben. Und weil ich nach dem Abitur in Flöha gleich zum Studieren nach Leipzig gegangen bin, wollte ich nun die Gelegenheit nutzen, für einige Zeit im Ausland zu arbeiten", erzählt Paula Krujatz. Im vergangen Jahr beschloss sie, eine Bewerbung abzuschicken. Dabei gab sie Irland und die Einrichtung in Callan schon als ihren liebsten Einsatzort an. "Irland ist dann doch nicht soweit weg wie andere Projekte beispielsweise in Südamerika. Außerdem kann ich die Sprache. Das ist wichtig."

Nach der Bewerbung im Herbst kam die Zusage im Februar diesen Jahres - noch bevor Corona alles auf den Kopf stellte. "Die Pandemie bringt auch meinen geplanten Arbeitsbeginn durcheinander, denn wenn die Bestimmungen so bleiben wie derzeit, dann muss ich nach meiner Einreise für zwei Wochen in Quarantäne. Das wird sicher ein komischer Start." Ein Flugticket auf die Insel hat Paula Krujatz noch nicht - die letzten Details für ihren Aufenthalt in Irland sich noch nicht geklärt.

"Ich bin schon jetzt recht aufgeregt auf das, was mich erwarten wird. Ich werde mich sicher an die neuen Umstände erst gewöhnen müssen", sagt sie. Und die Umstellung könnte größer fast nicht sein. Immerhin wohnt sie jetzt in Leipzig allein und muss sich dann dort die Räume mit vielen anderen Menschen teilen. "Ich weiß auch noch gar nicht, ob ich dort ein eigenes Zimmer haben werde oder mir eins mit jemandem teilen muss."

Finanziert wird der Freiwilligendienst aus Fördermitteln der Europäischen Union und Spendengeldern, die der Verein erhält. Die sind wichtig, wie Paula Krujatz erklärt. "Ohne Spenden kann der Verein die Arbeit nicht leisten. Daher sind auch die Freiwilligen angehalten, Spenden aus ihrem Umfeld zu sammeln, denn für uns entstehen keine Kosten. Aber das Spendensammeln ist natürlich kein Muss."

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