Nachfolger fürs Dialysezentrum

Zehn Jahre lang führte das Ärzte-Ehepaar Haßelbacher die Einrichtung in Freiberg - die einzige ihrer Art in der Region. Die neuen Betreiber sind erfahren auf dem Gebiet.

Freiberg/Flöha.

Dialyse ist ein Blutreinigungsverfahren, das bei Patienten mit Nierenversagen eingesetzt wird. Dabei erfolgt der Stoffaustausch durch Diffusion über eine semipermeable, also halbdurchlässige Membran. Gelöste Moleküle aus hoch konzentrierten Flüssigkeiten werden dabei in schwach konzentrierte Lösungen transferiert. Für Menschen mit chronischem oder akutem Nierenversagen ist die Dialyse überlebensnotwendig.

Seit 1. Januar 2010 führten das Ärzteehepaar Katrin und Roland Haßelbacher das Dialysezentrum am Freiberger Franz-Kögler-Ring. Die Einrichtung ist die Einzige ihrer Art in der Region. Die nächsten Dialysezentren finden sich in Döbeln, Meißen, Annaberg-Buchholz und Dresden. Als die Haßelbachs sich mit dem Gedanken beschäftigten, in den Ruhestand zu gehen, machten sie es sich gleichsam zur Aufgabe, neue Betreiber zu finden, damit der Standort erhalten bleibt. Mit den Medizinern Dr. Emad Sawalha und Dr. Robert Faulhaber-Walter konnten diese gefunden werden. Seit 2. Januar 2021 haben beide das Zentrum offiziell übernommen. Katrin und Roland Haßelbacher agieren noch bis Ende März für einen reibungslosen Übergang als Angestellte.

Die beiden neuen Ärzte sind auf ihrem Gebiet erfahren. Emad Sawalha, der 1967 im Westjordanland zur Welt kam, studierte zunächst in Münster, später in Aachen, arbeitete in Moers als Internist und Nephrologe. "Danach war ich lange Zeit Oberarzt in einem akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Bochum", erzählt er. Bevor er sich 2017 in Oberhausen als Internist niederließ, war er in verschiedenen nephrologischen Zentren tätig. Sein aus Bremen stammender Praxispartner Robert Faulhaber-Walter, nur wenige Jahre jünger, studierte in Göttingen und an der Medizinischen Hochschule Hannover, sammelte an den National Institutes of Health in den USA Erfahrungen in der Forschungsarbeit. In Deutschland arbeitete er in verschiedenen Praxen als Nephrologe und gehörte zuletzt zu einer Gemeinschaftspraxis im Waldshut-Tiengen (Baden-Württemberg). Freiberg kannten die beiden Mediziner schon etwas. "Ich war 2002 schon einmal hier, als ich meinen Schwager, der am Geologischen Institut der Bergakademie arbeitet, besuchte", so Emad Sawalha. Und Faulhaber-Walter kehrt im Dialysezentrum an einen Ort zurück, an dem er vor elf Jahren einmal vier Wochen lang als Vertretung tätig war. "Ich kenne diese Räumlichkeiten noch gut", sagt er.

Die beiden haben die 26 spezialisierten Schwestern übernommen, ebenso zwei Auszubildende. "Rund 140 Patienten kommen regelmäßig hierher zur Dialyse", sagt Robert-Faulhaber-Walter. Die Corona-Pandemie bringt für alle - Ärzte, Mitarbeiter und Patienten - besondere Herausforderungen mit sich. Ein extra abgetrennter Bereich für positive Fälle wurde eingerichtet, ein Höchstmaß an Hygienemaßnahmen eingeführt. "Bei unseren Patienten besteht ein hohes Risiko für schwere Verläufe", erklärt Sawalha. Nicht wenige seien leider inzwischen an oder mit dem Virus gestorben. Neu sind nicht nur die Ärzte. Bald werden die Räume im Erdgeschoss renoviert, in der oberen Etage ist eine Teilmodernisierung geplant. Neben der Dialyse und Aphärese (Blutwäsche) beschäftigt man sich hier außerdem mit Hypertensiologie (Bluthochdruck), Autoimmunerkrankungen und Immunadsorption. Die Mediziner arbeiten mit dem Kreiskrankenhaus Freiberg zusammen und wollen diese Kooperation noch intensivieren. "Zudem planen wir, die Bauchfelldialyse zu etablieren", sagt Emad Sawalha. Faulhaber-Walter erklärt: "Das ist eine Form der Dialyse, die man zu Hause selber machen kann."

Eine neue Internetseite ist derzeit noch in Vorbereitung. Die beiden neuen Inhaber suchen außerdem zum 1. April einen weiteren Facharzt. "Unsere Hauptaufgabe sehen wir darin, Dialyse zu verhindern oder hinauszuzögern", betont Emad Sawalha.

Kontakt Telefon 03731 787524; E-Mail dialyse@dialyse-freiberg.de.

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