Ohne Pfeife geht hier nichts

Zu klein, marode, laut. Die Lern- und Arbeitsbedingungen in der alten Niederwiesaer Turnhalle sind miserabel. Eine neue und größere Halle steht ganz oben auf der Wunschliste. "Freie Presse" nahm am Sportunterricht teil.

Niederwiesa.

Es ist, als ob bei einem Heavy-Metal-Konzert der Stecker aus dem Lautsprecher gezogen wird. Als Bernd Lormis die Pfeife in den Mund nimmt und ein schriller Pfiff ertönt, herrscht Stille in der Turnhalle. Wohltuende Ruhe nach fast ohrenbetäubendem Lärm. Die 54 Sechstklässler, die eben noch bei einem Fangspiel übers Parkett tobten, sind still. "Ohne Pfeife geht hier nichts", sagt Lormis, Sportlehrer und stellvertretender Schulleiter an der Oberschule Niederwiesa.

Doch nicht nur der hohe Lärmpegel in der 1928/29 erbauten Halle, die zwar einen Prall-, aber keinen Schallschutz besitzt, macht jede Sportstunde zum Kraftakt. Auch die Enge. Da die Halle von der Grund- und Oberschule genutzt wird, sei eine Doppelbelegung unumgänglich, sagt Katrin Fischer, die Leiterin der Oberschule. Das bedeute, dass immer zwei Klassen, also meist rund 50 Mädchen und Jungen, auf einer Fläche, "die nicht viel größer als ein Volleyballfeld ist", von zwei Sportlehrern beschäftigt werden müssen. Eine Trennwand gibt es nicht.


"Unsere Sportlehrer haben ein System entwickelt, um auf engstem Raum mit vielen Schülern arbeiten zu können." Nur so könne trotzdem ein anspruchsvoller Unterricht durchgeführt und der Lehrplan eingehalten werden. "Die Möglichkeit der Schüler, sich zu bewegen, ist stark eingeschränkt", bedauert Katrin Richter. "Wir haben ein Schulzentrum, das in der Region seinesgleichen sucht - mit einem Top-Außengelände für Sportunterricht. Stadion, Hand- und Volleyballplatz bieten ideale Möglichkeiten. Von Oktober bis April müssen wir aber in diese Halle. Das ist hanebüchen."

"Wenn wir uns strikt an den Plan halten würden, könnten etwa beim Volleyball bei einigen Übungen nur sechs Schüler mitmachen. 48 würden rumsitzen", meint Bernd Lormis. Deswegen müsse improvisiert werden, nicht nur in Ballsportarten, sondern auch beim Gerätturnen. Dafür werde jeder Zentimeter der 20 mal 14 Meter großen Fläche genutzt, dennoch könnten die Schüler nicht an allen Geräten gleichzeitig turnen. "Die Bewegungsintensität ist gering, weil zu wenig Platz ist."

Nach der Erwärmung wird Zweifelderball gespielt. Die 54 Sechser teilen sich in zwei Mannschaften auf. "Wir suchen bewusst Spiele heraus, in denen sich alle bewegen müssen", so Lormis. Seine Kollegin Sandy Pollehn bringt einen zweiten Ball ins Spiel. Die Kinder sind begeistert. Sie werfen, fangen, rennen, ducken sich, weichen aus, werden abgeworfen, laufen in günstige Positionen und fordern den Ball. Der Lärmpegel steigt. Und als ein dritter Ball fliegt, um das Spiel noch intensiver zu machen, versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.


Kommentar: Größere Halle muss her

Was zeichnet guten Sportunterricht aus? Richtig: viel Bewegung. Was aber, wenn die Turnhalle zu klein ist? Dazu noch alt, an einigen Stellen bereits marode und vor allem viel zu laut. Wie in Niederwiesa. Dort wird seit Jahren immer wieder Geld in das alte Gemäuer gesteckt, um es überhaupt noch als Sporthalle nutzen zu können. An Teilen des Sanitärbereichs nagt ebenfalls schon mächtig der Zahn der Zeit. Die Sportlehrer, die zwei oder drei Blöcke hintereinander in der Halle unterrichten, müssten eigentlich Gehörschutz tragen und dürften regelmäßig ihre Belastungsgrenze erreichen. Die Bewegungsintensität der Schüler bleibt trotz aller Bemühungen eingeschränkt. Es geht, es bewegt sich schon irgendwie, aber es knirscht und knarrt gewaltig.

Doch was ist, wenn etwa die Sicherheitsauflagen eine Tages nicht mehr erfüllt werden können und die 90 Jahre alte Halle geschlossen werden muss? Dann wäre nicht nur der Schulsport, sondern der gesamte Schulstandort in Gefahr. Eine größere Halle muss her. Ein Investor steht in den Startlöchern. Den "Trainingsplan" muss die Gemeinde erstellen, damit keinem die Puste ausgeht.

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