Panik am Fluss

In unserer Region mit den vielen schönen Schlössern ist immer etwas los. So auch im Oktober. Ein Rückblick.

Am Freitag war Brückentag. Und wir hoffen sehr, dass Sie diesen auch im Wortsinn genutzt haben und mehrmals über die Kirchenbrücke in Flöha gefahren sind. Ab Montag geht das nämlich nicht mehr. Ab dann wird die Verbindung zwischen Flöha-Nord (Oberdorf) und Flöha-Süd (Plattenbau und Umgebung) gesperrt. Damit sie abgerissen werden kann. Um dann wieder aufgebaut zu werden. Schöner und sicherer als je zuvor. Die Baumaßnahme war in den vergangenen Wochen das Gesprächsthema in der Stadt - wobei das Wort "das" beim Vorlesen dieses Textes bitte etwas lauter gesprochen werden muss. Der Betonung wegen.

Unverbesserliche Optimisten haben ausgerechnet, dass die sperrungsbedingte Umleitung von der einen Seite des Flusses auf die andere ungefähr sieben Minuten dauert, und dass das doch kein Problem darstellen sollte. Man müsse sich halt darauf einstellen, sagen sie. Ja, wenn das nur so einfach wäre.

Fallbeispiel: Frau Müller hat einen Sohn. Kevin-Melchior heißt der. Warum, das wird er zeit seines Lebens erklären müssen. Aber sei es drum. Kevin-Melchior besucht die Grundschule in Flöha. Die liegt im Oberdorf unweit der Kirchenbrücke. Familie Müller jedoch wohnt auf der anderen Flussseite in der Breitscheid-Straße. Das ist die Einkaufsmeile der Stadt - wobei das Wort "die" beim Vorlesen dieses Textes bitte etwas lauter gesprochen werden muss. Der Betonung wegen. Frau Müller arbeitet in Chemnitz. Das ist mutig. Aber sei es drum. Bis Freitag noch hat Frau Müller den Kevin-Melchior frühmorgens in ihr Auto gesetzt, um ihn dann 950 Meter weit bis an die Eingangstür der Schule zu fahren. Anschließend ist sie geradewegs weiter auf der B 173 oder B 180 - oder wie auch immer das Stück zwischen Flöha-Oberdorf und Niederwiesa jetzt heißt - nach Chemnitz gefahren. Geht ab Montag nicht mehr. Wegen der gesperrten Brücke. Oder wie es hierzulande heißt: Wegen der zuhen Brücke.

Was also tun? Die offizielle Umleitung fällt schon mal aus. Dann würde Frau Müller ja erst durch halb Flöha fahren, um dann auf der Umgehungsstraße so nah an Chemnitz zu sein, dass sie den Schornstein fast schon riechen kann, um dann wieder nach Flöha zu fahren, um dann wieder aus Flöha raus Richtung Chemnitz zu fahren. Das würde bedeuten: Ungefähr 20 Minuten eher starten und damit ungefähr 20 Minuten eher aufstehen. Die Alternative, dass Kevin-Melchior selbst zur Schule laufen soll, ist auch keine. Wie soll er das schaffen, mit seinem Übergewicht? Das Resultat: Panik. Briefe an den Bürgermeister, die Schulleiterin, den Papst. Resignation. Warten auf die nächste Kommunalwahl. Da gibt es einen Denkzettel für all das. Basta.

Apropos Kommunalwahl. Heißes Thema im Oktober in Niederwiesa: die Bürgermeisterwahl an diesem Sonntag. Ilona Meier gegen Raik Schubert. Amtsinhaberin gegen Herausforderer. In Hollywood würde der Film dazu heißen: "The Rathaus - wie aus Freunden Gegner wurden." Mehr gibt es zu diesem Thema an dieser Stelle erst einmal nicht zu schreiben. Nicht, dass am Ende noch jemand sagt, wir hätten hier die Wahl beeinflusst. Mit unserer sogenannten Satire. Wo wir doch gemeinsam mit Augustusburgs Bürgermeister Dirk Neubauer erst am Montagabend von Frank Plasberg in der TV-Sendung "Hart aber fair" gelernt haben, dass Ironie in den Medien nie funktioniert. Also wirklich nie. Wir werden es beherzigen. Ab sofort. Immer. Versprochen.

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