Patient Wald: Müssen wir uns an kahle Flächen gewöhnen?

10.000 Eichen sollen dem geschädigten Stadtwald von Augustusburg eine Zukunft geben. Zwar ist die Resonanz auf den Pflanzaktion-Aufruf enorm. Nur es reicht nicht.

Augustusburg.

Bei einem Bürgerforum am Dienstagabend hat Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) die Baumpflanzaktion vorgestellt, mit der der Augustusburger Stadtwald trotz Klimawandel und Borkenkäfer bewahrt werden soll. Was vor zwei Wochen noch eine spontane Idee des Bürgermeisters war, nimmt konkrete Züge an. 250 Menschen haben sich zum Mitpflanzen angemeldet, rund 2500 Euro an Spenden seien zugesagt worden, zum Großteil von außerhalb Augustusburgs. Nun sei es an der Zeit, bei den Nachbarn für die Aktion zu trommeln, sagte er.

Die Idee: Mit 10.000 Eichensetzlingen soll rund ein Hektar Wald aufgeforstet werden. 50 Hektar besitzt die Stadt und bewirtschaftet sie mit dem Staatsbetrieb Sachsenforst, etwa am Galgenberg, so Neubauer. "Der Wald gehört euch", betonte er. Das langfristige Ziel sei ein Mischwald, der auch Trockenheit aushält. Eichen seien ihm dafür von Experten empfohlen worden. Zudem gibt es Gespräche mit einer Grundschule, die einen eigenen Wald zusammen mit dem Forst betreuen will.

Die Gründe: Sturmschäden, zwei trockene Sommer und der Borkenkäfer, der sich ausbreitet, weil die geschwächten Bäume ihm kein Harz entgegensetzen können, haben auch dem Stadtwald zu schaffen gemacht. Was er vom Sachsenforst über den Zustand gelernt habe, sei deprimierend gewesen, so Neubauer: 30 Prozent der Bäume seien abgestorben. "Wir werden uns an kahle Flächen gewöhnen müssen", sagte er. Augustusburg gehöre zu den roten Punkten im Landkreis. Das zeigen auch die Ergebnisse des Borkenkäfermonitorings vom 13. Oktober: Demnach sind 2019 zwischen Falkenau und Grünberg mehr als doppelt so viele Käfer gefangen worden wie 2018.

Die Alternativen: Mit Gift gegen die Käfer vorzugehen, habe man diskutiert, so Neubauer. Das könne nur vom Flugzeug ausgebracht werden. Die Wirksamkeit sei begrenzt. Pheromone, mit deren Hilfe Borkenkäfer in Fallen gelockt werden, werden bereits genutzt. "Aber das reicht nicht", so Neubauer.

Der Zeitplan: Am 23. Oktober steht eine Begehung des Stadtwaldes mit Sachsenforst an, um herauszufinden, welche Flächen beräumt sind oder beräumt werden können. Neubauer hofft auf eine erste Pflanzaktion noch 2019. Dann sollen die Eichen drei, vier Jahre eingezäunt werden, um sie vor Wildverbiss zu schützen. Sie bräuchten einen Wachstumsvorsprung, so Neubauer, bevor andere Setzlinge sich darunter mischen können.

Die Kosten: Ein Setzling kostet 2,50 Euro. Um eine Spende von fünf Euro bittet Neubauer alle, die mitpflanzen wollen, denn auch die Vorbereitung und Pflege der Flächen koste Geld. Wer nicht selbst anpacken kann, wird um eine Spende von zehn Euro gebeten. Zuletzt habe der Stadtwald jährlich rund 30.000Euro in die Stadtkasse gespült, die in den Waldumbau investiert wurden. Nun stehe ein fünfstelliges Minus an. Auch, weil der Holzpreis im Keller sei. Wie viel die Stadt dennoch dazugeben kann, werde noch beraten. "Wir diskutieren gerade, wie wir den Waldumbau die nächsten zehn, 15 Jahre in den Haushalt bekommen", sagte Neubauer.

 

augustusburg.de/

 

 

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Warum wir Bäume pflanzen wollen

Familie Bär aus Falkenau: "Wir sind 2013 hergezogen und waren schon vorher viel in der Umgebung von Chemnitz wandern", so Grit Bär. "Das Thema ist uns wichtig", sagt Heiko Bär. Im Wald sein, das bedeute: sich erholen, aber auch Neues entdecken. Auch als Falkenauer seien sie öfter um Augustusburg unterwegs. Über Facebook haben sie von der Aktion erfahren. Mit Tochter Annemarie wollen sie mitpflanzen. Es ist nicht ihr erstes Mal: Vor rund 10 Jahren hatten sie sich im Rabensteiner Wald an einer Pflanzaktion beteiligt.

Familie Schaal aus Grünberg: Sorge um die Zukunft ihres Enkels bringt die Schaals zum Bäumepflanzen. "Wir haben uns schon länger damit beschäftigt, aber unser Enkel hat uns die Augen geöffnet", sagt Mary Schaal. Auch ein Besuch des Brockens im Harz habe Klarheit gebracht, wie es um den Wald steht: "Dort steht kaum noch ein Baum, er ist ganz kahl", ergänzt Joachim Schaal. Über die Zeitung und den Mitteldeutschen Rundfunk haben sie von der hiesigen Pflanzaktion gehört und wollen mit ihrem Enkel dabei sein.

Uwe Weber aus Augustusburg: Wie viele Bäume Uwe Weber pflanzen will, weiß er noch nicht. Aber Initiative zu zeigen, sei ihm wichtig - nicht nur mit einer Spende, sondern indem er selbst pflanzt. Seine Kinder lebten zwar in der Nähe von Leipzig, aber auch sie seien gern hier. Auch deshalb sei es ihm ein Bedürfnis, den Wald zu erhalten. Er sei vor kurzem in der Sächsischen Schweiz gewesen; schlimm habe es ausgesehen. Auch die Fichtenwälder des Nationalparks sind vom Borkenkäferbefall betroffen. (kala)


Bundeswehr-Hilfsaktion endet

Sachsenforst, Bundeswehr, Forststudenten und das THW haben zusammengearbeitet, um vom Borkenkäfer befallene Bäume aus dem Wald zu schaffen. Die Deutsche Bahn stellte Lagerflächen bereit. Bis 27. September waren 113 Soldaten im Einsatz, um den Sachsenforst zu entlasten, teilte das Umweltministerium mit. Mehr als 2500 Fichtenstämme seien entrindet worden, um die Käfer abzutöten, bevor sie weitere Bäume befallen. Die Bundeswehr war etwa Grünberg im Einsatz, wo die Aktion Ende August begonnen worden war. (kala)

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