Polizei ermittelt nach doppelter Drohung gegen Sachsen-Allee

Innerhalb von 17 Stunden musste das Einkaufscenter zweimal geräumt werden. Bei den Mitarbeitern weckt das unschöne Erinnerungen.

Chemnitz.

Als er am Samstag, 18 Uhr, die Polizeiautos vor der Sachsen-Allee sah, konnte es Tobias Raschke kaum fassen. Der Polizist, den er ansprach, bestätigte seine Befürchtung. Das Einkaufscenter war gesperrt, weil eine unbekannte Person eine Drohung dagegen ausgesprochen hatte. Bereits am Freitagabend war Raschke in der Sachsen-Allee, wegen eines Sonderangebots. Doch zehn Minuten vor Ladenschluss musste das Haus evakuiert werden. Denn bereits am Freitag hatte es eine Drohung gegeben. Seinen Einkauf konnte Raschke weder am Freitag, noch am Samstag tätigen. "Damit, dass es heute schon wieder eine Drohung gibt, hätte ich niemals gerechnet", sagte der Mann, der aus Rochlitz gekommen war. "Das Sonderangebot gilt nur noch bis heute", sagte er und musste über sein Pech lachen.

Gar nicht zum Lachen war den Mitarbeitern der Sachsen-Allee. Die Polizei bestätigte, dass ein unbekannter Täter erneut fernmündlich mit der Begehung von Straftaten gedroht hatte. Die Drohung war am Samstag um 12.30 Uhr eingegangen. Zu Details der Drohung - welcher Art sie war und auf welchem Weg sie einging - äußert sich die Polizei nicht, "aus ermittlungstaktischen Gründen". Es bleibt auch offen, ob es sich am Freitag und Samstag um denselben Täter oder dieselbe Täterin handelte. Das ganze Haus - es waren am Samstag rund 3000 Kunden anwesend - musste geräumt werden. Nach einiger Zeit konnten zumindest Autos aus dem Parkhaus geholt werden, weshalb die Dresdner Straße kurzzeitig gesperrt war.

Im Gegensatz zu den Kunden konnten die Mitarbeiter nicht nach Hause ins Warme gehen. Sie mussten draußen warten. Die Polizei - unterstützt von Beamten der Bereitschafts- und der Bundespolizei - durchsuchte Geschäft für Geschäft. Zum Einsatz kamen auch Spezialhunde. Mitarbeiter mussten die Läden aufschließen und konnten erst dann gehen, wenn die Durchsuchung abgeschlossen war.

"Es war recht kalt", sagte eine 22-jährige Verkäuferin, als sie gegen 19 Uhr das Gelände verlassen durfte. Ob sie am Montag mit der Sorge, die Situation könnte sich wiederholen, zur Arbeit kommt? "Nein", sagte sie. "Es macht keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen."

Eine 21-jährige Kollegin berichtete, man habe wenigstens vor dem Eingang des weihnachtlich geschmückten Centers warten können, wo es nicht so kalt gewesen sei, und es habe eine kleine Verpflegung gegeben. Trotzdem sei das Ganze schlimm genug. Eine andere Verkäuferin berichtete, der Tag sei aufregend, nervenaufreibend gewesen, denn es gebe so viel, an das gedacht werden müsse. Vor allem daran, wie die Kunden möglichst schnell und problemlos aus dem Haus gebracht werden können. Sie sei zwar am Freitagabend zum Glück schon zu Hause gewesen. Aber der Samstag wecke Erinnerungen an den 29. Dezember 2016, denn an dem Tag war sie im Dienst.

Damals hatte es ebenfalls eine Drohung gegen die Sachsen-Allee gegeben. Am nächsten Tag folgte eine Drohung gegen die Galerie Roter Turm. Sie trafen empfindlich das Jahresendgeschäft. Ein 36-jähriger Arbeitsloser war dafür im Dezember 2017 zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Am Samstag gab die Polizei um 19.30 Uhr Entwarnung. Kaufland öffnete daraufhin noch bis 22 Uhr seine Tore. Die übrigen Läden blieben geschlossen. Center-Manager Hans-Jörg Bliesener sagte der "Freien Presse", er frage sich, ob sich der Täter oder die Täterin gar nicht bewusst sei, in welches Risiko andere Menschen durch die Drohung geraten. "Menschen könnten in Panik geraten, oder wer an Bluthochdruck leidet, könnte einen Herzinfarkt bekommen", verdeutlicht Bliesener mögliche Folgen. Er sei sehr froh, dass in diesem Fall nichts passiert ist und die Räumung komplikationslos vonstatten ging.

Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen des Verdachtes der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Ähnliche Ermittlungen hatten erst im November Erfolg. Eine 34-Jährige war auf frischer Tat gestellt worden, als sie gerade die sechste Drohung gegen das Jugendamt aussprach.

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