Protest mit Parolen an der Gartenschau

Da der Gesprächsfaden zum Rathaus gerissen ist, hängt eine Frankenberger Familie Spruchbänder an ihrem Haus auf. Was ist da los?

Frankenberg.

Familie Grämer wohnt in der Bachgasse unmittelbar neben den Paradiesgärten Mühlbachtal der Landesgartenschau in Frankenberg. Durch die werden Anwohner keinesfalls schlechter gestellt, betont die Stadtverwaltung. Die Frankenberger empfinden es anders. Die frühere Straßenlaterne vor ihrem Haus ist weg. Ihr Einfahrtstor hat eine Fachfirma so hinterlassen, dass die Verwaltungsspitze einräumt: Mehrere Nachbesserungsversuche seien erfolglos geblieben.

Nur 250 Meter Luftlinie liegen zwischen dem Rathaus und dem Wohnhaus der Familie Grämer. Und doch sind die Sichtweisen auf die Lage in der Bachgasse völlig verschieden. "Das angespannte Verhältnis zu den Anwohnern können wir uns nicht erklären, da wir auf die diversen Forderungen der Familie eingegangen sind", sagt der Beigeordnete Ralf-Peter Regner. Von einer Schlechterstellung könne nicht die Rede sein. "Das gesamte Gelände im Mühlbachtal wurde von der ruinösen Bausubstanz befreit und durch eine wunderschöne Parkanlage ersetzt. Es scheint eine sehr einseitige Wahrnehmung vorzuliegen, wenn dies nicht anerkannt wird", so Regner. Das sieht Familie Grämer anders. "Nichts sollte durch die Landesgartenschau schlechter werden, wurde uns versprochen", sagt Roberto Grämer. "Aber im Detail sieht es anders aus." Zum Beispiel bei der Straßenbeleuchtung: Früher stand vor dem Haus der Grämers eine reguläre Straßenlaterne. Die ist nun weg. Einen Ersatz zwischen der neuen Brücke und dem Wohnhaus wird es nicht geben. Die Begründung aus dem Rathaus: Die ehemalige Bachgasse verlief neben dem Mühlbach und endete vor dem Wohnhaus der Familie, so Regner. Der Mühlbach wurde aber für die Gartenschau vom Haus wegverlegt und um das Vierfache verbreitert. Das Asphaltband vor dem Wohnhaus sei damit zur privaten Zufahrt geworden. "Für diese ist die Stadt nicht zuständig", so Regner. Allerdings sind nicht nur die Grämers in der Bachgasse ansässig. Ihre Nachbarn sind die Zeugen Jehovas. Am Königreichssaal der Religionsgemeinschaft herrscht reges Kommen und Gehen.


Gestritten wird zwischen Verwaltung und den Bürgern auch über die Zufahrt zum Wohnhaus. Diese wurde mit dem Entstehen der Paradiesgärten umgestaltet, musste sie auch, denn nach dem Abriss der alten Brücke über den Mühlbach hing das Tor plötzlich schief. Bei der Schadensbeseitigung "trugen die Anwohner vor, dass sie die Einfahrt mit ihrem Kleintransporter nicht richtig nutzen können, da der damals bestehende Torflügel im Wege war", erläutert Regner. Roberto Grämer sagt, es ging damals zwar nicht um seinen Kleintransporter, sondern den Pkw der Familie. Aber auf jeden Fall passte eine Fachfirma die Flügel des Tores an. Betrachtet man diesen heute, stellt man fest, dass das Tor nur von innen, nicht aber von außen verschlossen werden kann. Familie Grämer behilft sich mit einem Fahrradschloss. Der längere Flügel hängt schief, das Tor klemmt. Zudem ragen aus dem Boden Schraubenenden so hoch heraus, dass sie Reifen schädigen können. "Leider blieben die mehrfachen Nachbesserungsversuche des Schlossers erfolglos", konstatiert der Beigeordnete.

Mit den Grämers wurde bei einem der Vor-Ort-Termine über den Einbau eines neuen Tores durch die besagte Firma verhandelt. "Wenn Familie Grämer einen Eigenanteil von 500 Euro trägt, wird diese Leistung von der Stadt beauftragt", heißt es in einem Schreiben. "Dieser Betrag sollte vorab der Stadt überwiesen werden", sagt Regner und verweist auf den fehlenden Zahlungseingang. "Das stimmt nicht", entgegnet Grämer. "Von Vorab-Überweisung war nie die Rede. Das würde ich bei dieser Firma auch nicht tun."

Vor diesem Hintergrund und obwohl sogar Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) bereits in der Bachgasse war, riss schließlich der Gesprächsfaden zwischen der Familie und dem Rathaus. In der Folge hängten die Grämers Spruchbänder auf, um auch Gäste der Gartenschau auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Zumindest in einem Punkt ist Besserung in Sicht: Noch in diesem Jahr ist Schluss mit dem beschwerlichen Heimweg für die Frankenberger Familie. Wegen der bis 6. Oktober laufenden Gartenschau vor ihrer Haustür kamen sie monatelang nur nach langen Umwegen in die eigentlich zentrumsnah liegende Bachgasse. "Die Zufahrtsmöglichkeit zum Grundstück vom Baderberg aus steht der Familie vor Weihnachten 2019 zur Verfügung", verspricht Regner. Und die neugebaute öffentliche Straße verfüge auch über eine Straßenbeleuchtung.

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