Quo Vadis Tourismus?

Schloss, Lift, eine schöne Natur. Augustusburg hat viel zu bieten. Wie die Stadt ihr Potenzial weiter entfalten kann - und wer davon profitiert - darüber gibt es unterschiedliche Ansichten.

Augustusburg.

Patrizia Meyn ist zufrieden. Die Chefin von Schloss Augustusburg kann mit passablen Besucherzahlen aufwarten. Im Jahr 2018 kamen 162.300 Gäste in ihre Ausstellungen, bis Oktober 2019 schon 147.691. "Schloss Augustusburg ist das Zugpferd der Region", sagt sie. Ausstellungen wie die laufende Schau über Illusionen gebe es sonst nur in der Großstadt. Ein Glücksfall für Augustusburg, oder?

Die Antwort lautet ja, aber mit einem Widerhaken: Die Kommune profitiert nicht direkt von den Besuchern. Das Schloss ist eine staatliche Einrichtung und zahlt daher keine Steuern. Wer also etwas von den etwa 445 Besuchern am Tag haben möchte, muss kreativ sein. Das versucht der Bürgermeister.

"Wir vermarkten nicht nur das Schloss, sondern Augustusburg als gesamtes Reiseziel", sagt Dirk Neubauer (SPD). Daher soll die Tourismusinformation der Stadt wie eine Art Reisebüro agieren. Wer anfragt, bekommt bedarfsgerecht ein Aktivitätenpaket geschnürt. "Das ist zum Beispiel für Klassenausflüge eine tolle Sache", so Neubauer. In der Jugendherberge übernachten, anschließend geht's ins Museum und dann auf die Sommerrodelbahn von Rosts Wiesen. Zieht Augustusburg also als eigene Marke Besucher an? Dirk Neubauer ist davon überzeugt, Patrizia Meyn nicht.

An die Strahlkraft der gesamten Stadt als Reiseziel glaubt sie eher weniger. Zwar arbeite man gut mit der Kommune zusammen. Doch letztendlich kämen die Touristen wegen des Schlosses und Rosts Wiesen. "Geschäfte der Innenstadt sterben sogar in Großstädten, wie sollen sie hier überleben?", fragt sie. Eine Gastronomie gebe es sowohl im Schloss, als auch am Lift. In welche Richtung solle sich also die Gesamtstadt entwickeln?

Jörg Hammer, Betreiber von Rosts Wiesen, macht sich mehr Gedanken über das Wetter als über die Zukunft der Augustusburger Innenstadt. "Die Sommersaison lief gut", sagt er. Dennoch sei der Winter extrem wichtig fürs Geschäft. "Sobald es kalt wird, ist es bei uns voll", so Hammer. Das sei der Unterschied zum Sommer: Rodeln oder Skifahren sind attraktiver als die Angebote der warmen Jahreszeit, sie werden intensiver genutzt. Die Leute kämen teils bis aus Berlin, um bei ihm die Piste hinabzufahren.

Doch was hält er von den Plänen des Rathauses, Augustusburg als einheitliches Reiseziel zu vermarkten? "Da gibt es immer wieder Bestrebungen", sagt Hammer. Doch das seien eher Randerscheinungen. Viel mehr möchte er darüber nicht sagen. Sein Hauptanliegen sei es, Rosts Wiesen gut zu betreiben und für die Stadt zu erhalten.

Im Rathaus schmiedet Bürgermeister Dirk Neubauer weiter an seinen Plänen. Ihm schwebt eine Buchungsplattform für die örtlichen Gastgeber vor. Auf einer Internetseite sollen alle Anbieter ihre Zimmer offerieren, diese könnten technisch dann an größere Internetseiten wie "booking.com" angebunden werden. "Doch da gibt es noch Überzeugungsarbeit zu leisten", sagt er. Die Übernachtungszahlen stagnieren seit Jahren bei gut 19.000 im Jahr, verteilt auf etwa 400 Betten. "Da ist noch Luft nach oben", findet Neubauer. Derzeit verhandelt er mit Investoren. Der Stadt fehle ein Vier- oder Fünf-Sterne-Hotel mit Wellnessangeboten. Geeignet dafür sei ein Grundstück neben dem Netto-Markt. Bedingung für den Bau: Der Spabereich solle öffentlich zugänglich sein. "Somit profitieren auch die kleineren Gastgeber, deren Gäste könnten das Angebot nutzen."

Sollte das Hotel kommen, wird sich auch hier die Frage nach seinem Einfluss auf die örtliche Wirtschaft stellen. Ob der Einzelhandel profitiert, ist fraglich, auch die Gastronomie wird es schwer haben, neben einem großen Hotel zu bestehen. Zum Nachteil für die gesamte Stadt wird es aber kaum sein.

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