Räuber lässt Hobby-Angler resignieren

Die Oederaner Angler haben Stress mit einem Fischotter. Ein Teich wurde fast komplett leergefressen. Die Tiere sind streng geschützt und die Angler deshalb machtlos.

Oederan.

Diesmal war die Ausbeute wirklich ernüchternd. Zum Fischereifest Anfang Oktober haben die Oederaner Angler wie jedes Jahr ihren mittleren Teich abgefischt. Vier Karpfen konnten sie aus dem Wasser holen - 4 von 50 Fischen, die im Frühjahr in den Teich gesetzt worden waren. Inzwischen sind sich die Angler sicher, dass ihre Karpfen die Beute eines Fischotters geworden sind. Vereinsmitglied Steffen Braune hat im Sommer mit einer Wildkamera einen Fischotter ertappt, der nachts in seinem Fischteich räuberte. Braunes privater Fischteich in Breitenau liegt sozusagen auf dem Weg von der Flöha, wo nachweislich Fischotter leben, zu den Schusterteichen in Oederan.

Seit etwa fünf Jahren haben die Oederaner Angler immer wieder Verluste in ihren Fischteichen zu beklagen. "Wir hatten auf Schwarzangler getippt, deshalb Drähte unter der Wasseroberfläche gespannt und Äste im Schilf platziert - ohne Ergebnis", sagt der Vereinsvorsitzende Daniel Kaden. Inzwischen sind sich die Angler sicher, dass Fischotter in ihren Teichen räubern. "Wenn das Gras gemäht wird, sind die Weg-Spuren gut zu erkennen", sagt Daniel Kaden. Er beziffert den wirtschaftlichen Schaden in diesem Jahr auf etwa 350 Euro. Das sind die Kosten für die Jungfische, die im Frühjahr ausgesetzt werden sowie das Futter und natürlich der entgangene Verkaufserlös. Angesichts des aktuellen Verlusts und mit dem Wissen, dass Fischotter, die einmal auf den Geschmack gekommen sind, immer wieder kommen, werden die Oederaner Angler im nächsten Jahr wohl keine Karpfen mehr aussetzen. Damit geht ein Stück Vereinsleben den sprichwörtlichen Bach runter. Aber gegen den streng geschützten Fischotter, der trotz einer wachsenden Population in Mitteleuropa noch vom Aussterben bedroht ist, sind die Angler machtlos. Die Tiere dürfen weder gejagt, noch vertrieben oder vergrämt werden. Eine Einzäunung der von der Stadt Oederan gepachteten Schusterteiche ist nicht möglich, weil das Gelände öffentlich zugängig bleiben muss.

"Der Fischotter ist in Sachsen neben den Kormoranen und diversen Reiherarten einer der größten Fischräuber." Das sagt Martin Schuster vom Landesverband Sächsischer Angler. Es gebe auch aus anderen Vereinen in Sachsen Meldungen über Schäden durch Fischotter. Besonders viele Tiere gebe es in der Lausitz. Im Erzgebirge sei die Population dagegen noch nicht so groß. Während kommerzielle Fischereibetriebe unter bestimmten Voraussetzungen Ausgleichszahlungen oder Härtefallbeihilfen beantragen können, so Schuster, bleiben die Hobby-Angler auf ihren Schäden sitzen. Doch der Frust über die aktuelle Situation sei vor allem bei den Berufsfischern sehr groß. Es lässt sich durchaus ein Vergleich zum strittigen Thema Wolf ziehen, auch wenn die Debatte um den Fischotter weniger lautstark geführt wird.

Fischotter jagen nachts und in der Dämmerung. Die Tiere legen dabei beträchtliche Entfernungen zurück, ein Aktionsradius von zehn Kilometern ist keine Seltenheit. Damit erscheint es möglich, dass die Tiere aus der Flöha den Hetzbach hinauf bis zu den Schusterteichen nach Oederan wandern, so wie es Daniel Kaden vermutet. Die trägen Karpfen seien für die Otter eine vergleichsweise leichte Beute, sagt Kaden. Die Koi-Karpfen, die der Otter aus Steffen Braunes privaten Fischteich in Breitenau geholt hat, waren immerhin bis zu acht Kilogramm schwer.

Im mittleren der drei Schusterteiche befinden sich nach dem Abfischen noch drei große Hechte sowie ein paar Buntfische - Plötzen und Barsche. "Wir werden den Teich vielleicht zu einem Raubfischrevier machen", sagt Daniel Kaden. Karpfen befinden sich noch im oberen Teich, wo die Oederaner Angler eine kleine Vereinshütte haben und wo zum Fischereifest die Kinder angeln. Der Verein zählt aktuell etwa 70 Mitglieder sowie 15 Kinder und Jugendliche, Nachwuchssorgen gebe es nicht, sagt Daniel Kaden. Das Fischereifest, das die Angler gemeinsam mit der Jagdgenossenschaft veranstalten, fand in diesem Jahr zum 16. Mal statt. Neben der Fischereikunde pflegen die Angler seit vielen Jahren das Geländerund um die Schusterteiche in Oederan und leisten damit einen aktiven Beitrag zum Natur- und Umweltschutz.

Seit Anfang der 2000er-Jahre gibt es entlang der Flöha immer wieder Spuren, die auf Fischotter hindeuten. Inzwischen gibt es sichere Anzeichen für Fischotter im Bereich Hetzdorf und Falkenau. Bei Baumaßnahmen im Fluss, wie zuletzt bei der Planung des Neubaus für die Kirchenbrücke in Flöha, gehört der Fischotter zu den Tieren, die in die naturschutzrechtliche Betrachtung einfließen. Der Gesamtbestand in Sachsen wird vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Geologie und Landwirtschaft aktuell auf 400 bis 600 Alttiere geschätzt. Die Bestandsentwicklung im Freistaat wird inzwischen als positiv eingeschätzt.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
6Kommentare
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  • 4
    3
    Tauchsieder
    07.11.2019

    Leider ist es mit dem Lesen und dem Schreiben beim Otter nicht soweit her und damit ist dies diesem Tier schlecht vermittelbar "A.A.".

  • 5
    4
    AchimAdams
    06.11.2019

    Es geht hier nicht um ein natürliches Gewässer, sondern um einen angelegten Teich mit extra auf eigenen Kosten bestückten Fischbesatz.
    Das ist etwa vergleichbar mit einem nett angelegten Vorgarten. Würde in diesem kostenintensiven nett angelegten Vorgarten ein Stück wildes Tier Schäden verursachen, wäre der Aufschrei gleich hoch.

    Dieses in der Diskussion bitte bedenken.

  • 12
    2
    Tauchsieder
    06.11.2019

    Hier trifft im wahrsten Sinn "Qualitätsjournalismus" auf "Kochtopfangler", da weiß der Eine nicht was der Andere schreibt. Übrigens sollte man es unterlassen Tiere, die zum Zweck das Nahrungserwerbs Fische fressen, als Räuber zu betiteln. Wer hier im großen Stil Fische aus der Natur entnimmt, die Weltmeere leer gefischt hat das Fangbegrenzungen erteilt werden müssen, heißt sicherlich nicht Otter!

  • 16
    4
    cn3boj00
    06.11.2019

    Ich weiß nicht wer der größte Fischräuber ist, und ob Angler mehr Fische fangen als tierische Fischfresser. Aber in der gesunden Natur besteht ein Gleichgewicht. Auch Angler dürfen gerne Fische fangen, so lange sie dem Eigenverbrauch dienen und der Bestand erhalten bleibt. Wenn ich abwäge zwischen dem fast ausgestorbenen Otter und einem "wirtschaftlichen Schaden" für den Anglerverein freue ich mich für den Otter.

  • 14
    2
    575042
    06.11.2019

    Qualitätsjournalismus vom Feinsten. 43 000 organisierte Angler und 600 Fischotter gibt es im Freistaat Sachsen. Wer fängt hier wem die Nahrung weg ? Und wer ist auf die Fische in den Gewässern angewiesen - Sportfischer oder Wildtiere wie der Fischotter ? Wäre schön, wenn der Qualitätsjournalismus der Freien Presse sich der Aufklärung über ökologische Zusammenhänge widmen würde. Fein, das der vom Aussterben bedrohte Fischotter auch in Oederan vorbeischaut. Naturschutzorientierte Angler wird es freuen.

  • 19
    4
    Tauchsieder
    06.11.2019

    Zitat aus dem Artikel: - ... "Der Fischotter ist in Sachsen neben den Kormoranen und diversen Reiherarten einer der größten Fischräuber." Das sagt Martin Schuster vom Landesverband Sächsischer Angler ...- Zitat Ende.
    An vierter Stelle kommt der Angler!
    Übrigens, was war zuerst da, dass Huhn oder das Ei ?
    Sind keine Fische mehr da ist auch der Otter weg.



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