Regionalexpress rauscht weiter durch

In Oederan wird es auch künftig keinen Eilzug-Halt geben. Nach dieser Hiobsbotschaft regt sich in der Stadt Widerstand.

Oederan.

Die Enttäuschung war dem Oederaner Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler) ins Gesicht geschrieben. "Das kann doch nicht wahr sein", sagte Schneider kopfschüttelnd. Grund für seine Verärgerung: Auch zum Fahrplanwechsel 2016/2017 wird es keinen Halt der Regionalexpress-Züge in Oederan geben. Landrat Matthias Damm (CDU) hat dies den Mitgliedern des Verwaltungs- und Finanzausschusses im Kreistag in ihrer jüngsten Sitzung mitgeteilt.

Seit Mitte Dezember 2014 nicht hält der Regionalexpress nicht mehr am Bahnhof Oederan. Durch den Wegfall der Neigetechnik fahren die Züge langsamer. Deshalb sei für die Stopps der Eilzüge in Oederan und Niederwiesa keine Zeit mehr, hieß es damals zur Begründung. Auch am Anschlussknoten Dresden würden zusätzliche Stopps des Regioexpresses zu Konflikten führen. Daraufhin hatte der Oederaner Gerald Pistl in einer Petition einen erneuten Halt des Eilzuges in Oederan gefordert. Letztlich beauftragten die Ausschussmitglieder den Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) im September 2015, ab dem Fahrplanwechsel 2016/2017 einen erneuten Halt der Regionalexpress-Züge in Oederan zu planen. VMS-Geschäftsführer Harald Neuhaus sollte die erforderlichen Absprachen mit dem Verkehrsverbund Oberelbe machen.

Jetzt liegt der Kreisbehörde die Antwort des VMS vor. Demnach erfolgten Verhandlungen mit dem neuen Linienbetreiber Transdev, zu dem die Mitteldeutsche Regionalbahn gehört, und der DB Netz AG. Dabei sei erneut geprüft worden, ob die Linie RE 3 im Jahresfahrplan 2017 in Oederan halten kann - bei Gewährleistung der existierenden Anschlussknoten.

Ergebnis: Laut VMS sind "insbesondere im Fahrplan zwischen Dresden und Chemnitz unverändert keine Reisezeitreserven verfügbar, welche für einen zusätzlichen Halt in Oederan genutzt werden könnten". Denn die Anschlüsse an den wichtigen Knoten in Freiberg, Flöha, Chemnitz-Hauptbahnhof und Hof-Hauptbahnhof müssten klappen. Ein zusätzlicher Halt könnte nur mit dem Preis der Aufgabe wichtiger Knoten, wie dem S-Bahn-Anschlussknoten in Dresden-Hauptbahnhof, umgesetzt werden. "Dies ist nicht realistisch", so der VMS.

Der Leubsdorfer Ex-Bürgermeister und Kreisrat Ralf Börner (CDU) machte seinem Ärger in der Ausschusssitzung Luft. "Ich kann die Argumentation nicht nachvollziehen. Das ist doch lächerlich. Jahrzehntelang ging es doch auch." Oederans Bürgermeister blies ins selbe Horn. "Das kann nicht das Ende sein. Der ländliche Raum wird abgehangen", sagte Schneider und verwies darauf, dass auch die Forderung der Oederaner nach einer Busverbindung nach Freiberg noch nicht erfüllt wurde. "Gute Nacht, ländlicher Raum - etwas anderes bedeutet es nicht", so der Bürgermeister.

Auch Gerald Pistl, der mit seiner Petition für einen Halt in Oederan gekämpft hat, zeigte sich enttäuscht. "Das ist eine absolute Sauerei", sagte Pistl. Der VMS komme seiner Dienstleistungspflicht nicht nach. Behinderte könnten keinen Eilzug bis Flöha nutzen, weil der dortige Bahnhof nicht barrierefrei ist. "Der Oederaner Bahnhof hingegen ist barrierefrei ausgebaut, weil die Stadt ein regionales Zentrum ist. Aber da hält der Zug nicht", so Pistl und ergänzte: "Es geht doch nur ums Geld. Wenn der Zug durchfährt, zahlt der Betreiber keine Bahnsteiggebühr." Für den Oederaner steht fest: Er wird nicht aufgeben.

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